Chronik

"Der Hunger nach Stille ist groß"

Mit dem Aschermittwoch beginnt die vierzigtägige Fastenzeit. Die Bedeutung des Fastens hat sich stark gewandelt. Immer mehr Menschen suchen Entschleunigung vom hektischen Alltag. "Innere Einkehr", etwa durch Exerzitien, liegt im Trend.

Fasten ist vielfältig und kennt mittlerweile viele Formen. Angebote dafür gibt es etwa im „Haus der Stille“. Bild: haus der stille SN/sw
Fasten ist vielfältig und kennt mittlerweile viele Formen. Angebote dafür gibt es etwa im „Haus der Stille“. Bild: haus der stille

Beim Schneeschuhwandern nur die Stille rundherum spüren. Den "Weg der Mitte" mit Zen-Meditation oder Yoga auf einer Alm am Hochkönig finden. Oder sich im Gästehaus der Bethlehemschwestern auf der früheren Kinderalm bei St. Veit eine Auszeit des Schweigens nehmen. Neben dem Schweigen gibt es dort nur noch das Angebot, an Liturgiefeiern teilzunehmen.

"Viele, die zu uns kommen, suchen eine Auszeit. Sie möchten aber auch an verschiedensten Kursen teilnehmen oder den klösterlichen Alltag miterleben", sagt David May, Zen-Mönch und Hausleiter auf Puregg, der Alm in Dienten.

Im "Haus der Stille", das 1989 vom Benediktinermönch David Steindl-Rast und dem Buddhismus-Priester Vanja Palmers gegründet wurde, kehren Ruhesuchende aller Religionen ein.

Stress und Reizüberflutung führen immer mehr Menschen - quer durch Österreich und alle Welt - auch während des Jahres hinauf nach Dienten. "Aber es gibt natürlich noch viele andere Beweggründe wie Schicksalsschläge, warum Menschen zu uns kommen. Einsamkeit hat immer weniger Stellenwert in unserer Gesellschaft. Dabei ist weniger mehr. Es braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Wir müssen manchmal allein sein, um uns zu sammeln. Nur wenn ich die Aufmerksamkeit nach innen richte, kann ich herausfinden, wer ich bin und was ich will", erklärt der Zen-Mönch des ökumenischen Hauses.

So bemüht man sich, diese Stille auch zu schützen. Dabei hilft auch eine strenge Tagesordnung, die immer mit einer traditionellen Meditation startet. "Wir leben vorwiegend schweigend miteinander. Handys bleiben während der gesamten Kurszeit ausgeschaltet."

Stille sei ein Geschenk Gottes, sagt der Benediktiner, Weisheitslehrer und Gründer des Hauses, David Steindl-Rast. Er gehört zu den bekanntesten Mystikern der Gegenwart und beschreibt auch in einem Buch diesen Weg, der einen lehren soll, mit seinem Leben und mit sich selbst achtsamer umzugehen. So lerne man, wieder die leisen Schönheiten des Alltags zu entdecken und zu schätzen. "Dadurch, dass das Reden auf ein paar Stunden beschränkt wird, konzentriert man sich mehr auf das, was man gerade tut", meint eine begeisterte Kursteilnehmerin.


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