Chronik

Der Sarchenmann für Lessach

Polizist, Sportschütze und begeisterter "Holzwurm": die vielen Seiten des Johannes Kröll.

Der Friedhof von Lessach ist so etwas wie eine Berühmtheit. Auf ihm dürfen ausschließlich schmiedeeiserne oder gusseiserne Kreuze verwendet werden. Und: Die Gräber selbst müssen mit einer Sarche eingefasst sein. So sagt es ein Beschluss der Gemeindevertretung. Die Sarche ist ein Holzgeviert aus heimischer Lärche, kunstvoll getischlert und schwarz bemalt.

Der Mann, der für diese einzigartigen Umrandungen der Gräber sorgt, ist Johannes Kröll. Der "Fuchs Hans", wie er in Lessach gerufen wird, ist in seinem Brotberuf Polizist, aber zuallererst hat er das Wagnerhandwerk gelernt. Er kennt sich also aus mit dem Holz. "Es ist für mich eine große Ehre, dass ich diese Sarchen anfertigen darf", sagt er demütig. Jedes Mal, wenn in Lessach jemand stirbt, macht sich Hans daran, eine Sarche zu zimmern. "Aber erst nach einem Jahr, so lange braucht die Erde des Grabes, sich auch richtig zu setzen und zu verfestigen", erklärt er. Etwa 15 Jahre hält eine Lärchensarche, dann muss sie ausgewechselt werden. Der Friedhof in Lessach wird ob dieser Eigenart von vielen Menschen aus aller Welt besucht und bewundert.

Hans Kröll kennen die Lungauer und viele Menschen darüber hinaus vor allem aber als Sportschützen. Er war der Beste in Österreich, wurde drei Mal Einzelstaatsmeister und zwei Mal Staatsmeister mit der Salzburger Mannschaft. Ein einziger Ring fehlte ihm bei der Weltmeisterschaft 2007 in Frankreich für einen olympischen Quotenplatz. Das wäre das Ticket für die Olympischen Spiele ein Jahr später in Peking gewesen. "Natürlich wäre das ein Ziel gewesen, sollte aber wohl nicht sein", blickt Hans Kröll ohne Groll zurück. Wie kommt jemand eigentlich in Lessach zum Schießsport? "Ich glaube schon, dass ich einiges in den Genen habe", lächelt Hans Kröll, "der Großvater mütterlicherseits war Berufsjäger und die Vorfahren väterlicherseits haben auch alle gejagt, aber ohne Jagdschein."

Es war Oberschützenmeister Franz Göschl, der den jungen Fuchs Hans zum Sportschützen machte. 1978 begann er mit dem Luftgewehr, sattelte später aber auf die Pistole um. Und was macht einen guten Sportschützen aus? "Ja, man muss schon generell ein ruhiger Typ sein", ist der Meister überzeugt, "entscheidend aber ist die Konzentrationsfähigkeit während des Wettkampfes, der ja zwei Stunden dauert. Das ist extrem fordernd."
Seit einigen Jahren schießt er nur noch im Verein, unterstützt die Kollegen höchstens noch in der Mannschaft. "Ich habe viele zeitaufwendige Hobbys, da geht sich das Training für Spitzensport nicht mehr aus", versichert der heutige Oberschützenmeister, der bei der Historischen Schützenkompanie Lessach auch als Fähnrich ausrückt.

23 Jahre war Hans Kröll Polizist in Salzburg, ehe er nach Tamsweg sozusagen in die Heimat wechseln konnte. Das macht es jetzt auch leichter, in seiner Freizeit das zu tun, was er besonders gerne macht. Auf den Hochsitz klettern in seinem Jagdrevier etwa, oder eine Skitour im Winter. "Am liebsten bin ich allein unterwegs, da kann ich unsere wunderbare Natur so richtig genießen." Auch das Holzschlägern im familieneigenen Wald gehört dazu. Und er steht stundenlang in seiner Werkstatt, werkt und bastelt, hobelt und leimt. Neben dem Bau der Sarchen unterstützt er dabei auch seinen Bruder Peter, einen Kunsthandwerker, mit der Restauration von religiösen Figuren oder alten Möbeln. Meistens aber dreht es sich schlichtweg um ein hölzernes Utensil für das eigene Haus. "Ja, alles, was mit Holz zu tun hat, liebe ich einfach", sinniert der Fuchs Hans, "dieser natürliche Baustoff ist etwas so Wunderbares, der meine ganze Wertschätzung genießt."



Quelle: SN

Aufgerufen am 24.09.2018 um 07:40 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/der-sarchenmann-fuer-lessach-28653805

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