Chronik

Die Handwerksbranche trotzt der Krise

Während des Lockdowns sind viele Menschen auf die Idee gekommen, ihr Zuhause zu verschönern. Das lässt Handwerksbetriebe besser durch die Corona-Pandemie kommen als andere Branchen.

Handwerk hat goldenen Boden. Auch und gerade in Zeiten von Corona. Während in anderen Branchen bereits Kündigungen eingeläutet werden, haben viele Meisterbetriebe volle Auftragsbücher.

Der Lockdown hat dem Baunebengewerbe vom Tischler, Zimmerer über den Dachdecker, Pflasterer bis zum Installateur nicht wirklich etwas anhaben können. Zwar standen Baustellen im März von einem auf den anderen Tag still, wenig später haben die Arbeiter allerdings wieder Hammer und Meißel in die Hand genommen, eine Atemschutzmaske aufgesetzt und weitergemacht, wo sie aufgehört hatten.

Die drei Techniker von Bogner Bad in Schneegattern können ohne Probleme kontaktlos arbeiten. "Die Leute haben uns einfach ihre Schlüssel gelegt, und wir haben Badewannen versiegelt, während sie in der Arbeit waren", erzählt Claudia Bogner. Aber genauso, dass vor allem ältere Kundschaften geplante Projekte auch verschoben hätten. Trotzdem sind die Auftragsbücher des Unternehmens voll und die Mannschaft aktuell bis Jänner ausgebucht. Verschlechtere sich die Situation nicht nochmals in Richtung zweiter Lockdown, falle für sie das Corona-Jahr 2020 sogar etwas besser aus als 2019.

Optimistisch äußert sich auch Charly Vieselthaler vom gleichnamigen Geschäft für Farben und Lacke in Steindorf bei Straßwalchen (großes Bild). Er ist mit seinem 7-köpfigen Team mit etwas Urlaub, aber ohne Kurzarbeit über den Sommer gekommen. "Wir haben nach dem Lockdown rasch reagiert, die Ware zuerst auf Rechnung vor die Tür gestellt und danach Rampenverkauf angeboten. Das hat in kürzester Zeit eine unglaubliche Dynamik aufgenommen." Man habe flexibel sein müssen, es sei dieses laufende Jahr ein durchaus hartes Jahr, aber er werde heuer "sicher mit einem Plus" aussteigen, gibt sich Vieselthaler zuversichtlich.

Im Bauhilfsgewerbe sei es nach der Vollbremsung fast eins zu eins weitergegangen, heißt es in der Wirtschaftskammer Salzburg. "Bis Jahresende ist genug Arbeit da", sagt Wolfgang Hiegelsperger, Spartenchef für das Gewerbe und Handwerk. Der Arbeitsdruck sei nach dem Lockdown sogar gestiegen, ergänzt Bernhard Seidl, Innungschef für das Bauhilfsgewerbe. Insgesamt sei das Handwerk bis auf einzelne Ausnahmen gut durch die Krise gekommen, resümiert der Beton-, Bohr- und Sägeunternehmer aus Obertrum. Nicht wenige Eigenheimbesitzer haben sich im Homeoffice zu Verschönerungsmaßnahmen entschlossen. Was Bodenlegern, Trockenbauern oder auch Pflasterern, Sand- und Kieslieferanten zugute kam.

Bei den großen Einrichtern zeigt sich ein ähnliches Bild. Lutz-Geschäftsführer Thomas Saliger geht von einem dauerhaften Umsatzplus aus und stockt sogar Personal auf. Mit der Auto- und Reisebranche sei die größte Konkurrenz vorübergehend weggefallen. "Das Zuhause hat definitiv einen neuen Stellenwert bekommen." Dieselbe Ansicht vertritt Reinhold Gütebier, Geschäftsführer von Kika/Leiner: "Wir haben sämtliche Verluste des Lockdowns bereits im Juni wieder aufgeholt." Es werden Millionen in den Ausbau investiert. Das neu umgebaute Haus in der Stadt Salzburg hat erst am 20. August eröffnet.

Ob man auf lange Sicht gesehen bereits über den Berg ist, ist eine andere Frage, die sich unter anderem Daniela Schober von Schober Holzbau in Lengau stellt. Ihr Mann Manuel und sie haben von einem Lockdown gar nichts gespürt. Das Geschäft sei nahtlos weitergelaufen, Kurzarbeit musste nicht in Anspruch genommen werden. "Im Gegenteil: Die Anfragen häuften sich, weil die Leute zu Hause waren", sagt der Chef. Es gebe auch jetzt genug Arbeit für seine 35 Mitarbeiter, erteilt er Auskunft.

Unterm Strich wird auch die florierende Dienstleistungs- und Handwerksbranche heuer Rückschläge hinnehmen. Eingetrübt wird das Bild durch hart getroffene Berufsgruppen wie Veranstaltungstechniker, Fitnesstrainer, Gesundheitsberufe. 2019 erwirtschaftete die Sparte salzburgweit 7,3 Mrd. Euro - heuer werden es laut KMU-Forschung Austria 6,3 bis 6,5 Mrd. Euro sein.

Spannend werde es 2021, "wenn wir in der Realität landen und die künstliche Situation durch die staatlichen Hilfen endet", meint Spartengeschäftsführer Hiegelsperger. Innungsobmann Seidl setzt auf die Konjunkturmilliarden des Bundes und vertraut dem Überlebenswillen der Menschen. "Das Vertrauen muss zurückkehren, damit der Wagen wieder ins Rollen kommt." Und so wird sich wenig daran ändern, dass Sie Ihrem Tischler des Vertrauens monatelang nachlaufen müssen, ehe er Zeit hat. Oder dass Sie einen neuen finden müssen, weil der alte nur noch in Kitzbühel arbeitet, wie es einem Salzburger Ehepaar vor Kurzem passiert ist.

Aufgerufen am 26.10.2020 um 08:24 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/die-handwerksbranche-trotzt-der-krise-93488929

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