Chronik

Die Impfmoral in Salzburg sinkt dramatisch

Im Tennengau wurde zuletzt jedes vierte Kind nicht gegen Masern geimpft. Auch im Flachgau ist die Durchimpfungsrate unterdurchschnittlich.

Symbolbild SN/APA (dpa)/Julian Stratenschulte
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Wie es aussieht, ging der aktuelle Masernausbruch in Österreich von Salzburg aus. Ein 15-Jähriger dürfte sich in Zell am See angesteckt haben, bevor er in Graz in die Ambulanz einer Kinderklinik ging. Bei einem Blick auf die Durchimpfungsraten in Salzburg zeigt sich, dass das kein Zufall ist. Die Impfmoral im Bundesland ist niedrig. Bei den Jugendlichen der Geburtsjahrgänge 2001 bis 2003 haben nur 85 Prozent beide Masern-Teilimpfungen erhalten. Das zeigt eine Statistik der Avos-Gesellschaft für Vorsorgemedizin. Um die Masern auszurotten, bräuchte man laut WHO eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent.

Und die Impfmoral sinkt dramatisch. Das zeigen die aktuellen Zahlen bei den Kleinkindern: Im Jahr 2017 absolvierten in Salzburg nur 80 Prozent der Einjährigen die erste Masern-Teilimpfung. Besonders niedrig ist die Impfmoral im Tennengau: Hier wurden nur 76 Prozent aller Kinder gegen Masern geimpft. Jedes vierte Kind hat hier also keinen Schutz gegen die hochansteckende und potenziell tödliche Krankheit.

Besonders bei Masern ist die Impfmoral niedrig, das bestätigt auch Kinderarzt und Avos-Impfreferent Holger Förster. "Die Masernimpfung bekommt man erst nach dem ersten Geburtstag. Da sind viele Eltern schon fehlinformiert und stehen der Impfung skeptisch gegenüber."

Viele bekämen in Spielgruppen falsche Informationen. So seien auch große regionale Unterschiede zu erklären, sagt Förster. "Es gibt einzelne Ärzte, die bei Impfungen nicht so dahinter sind. Und dann gibt es Mutter-Kind-Gruppen, da werden die Mütter mit Fehlinformationen so zugedröhnt, dass ganze Ortsteile ungeschützt sind."

Die Kinderärzte gingen sehr unterschiedlich mit den Impfverweigerern um, sagt Förster. "Es gibt Kollegen, die nehmen Patienten gar nicht mehr, wenn sie nicht geimpft sind. Das halte ich für falsch." Bei Personen, die ihre Kinder nicht impften, gebe es zwar einige erklärte Impfgegner, mit denen man nur schwer argumentieren könne. "Da ist es wirklich schade um die Zeit." Viele seien aber nur skeptisch. Diese verunsicherten Personen könne man schon von der Notwendigkeit einer Impfung überzeugen.

"Wer sich nicht impfen lässt, bei dem vermerke ich das im Impfpass. Das ist einerseits wichtig, da ich mich ja auch rechtlich absichern muss. Und andererseits kann ich die Eltern dann immer wieder fragen, ob eine Impfung nicht doch infrage käme."

Und es stehe außer Frage, dass gerade die Masernimpfung unbedingt notwendig sei, sagt Kinderarzt Holger Förster. Auch weil die Krankheit so ansteckend sei. "Die Personen sind ja schon ansteckend, bevor die ersten Symptome auftreten. Derzeit haben wir sieben Fälle im Bundesland. Wenn die alle in den Kindergarten gingen, dann hätten wir plötzlich 200 Masernfälle."

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