Chronik

Die kostenlose Nachhilfe für Schüler ist online

Der Mittersiller Raphael Eder leitet in London eine Nachhilfe-Plattform für sozial benachteiligte Schüler. Wegen der Coronakrise hat er sie mit drei Freunden auch in Österreich gestartet.

Raphael Eder aus Mittersill ist einer der vier Gründer der Plattform. SN/privat
Raphael Eder aus Mittersill ist einer der vier Gründer der Plattform.

Noch länger müssen die österreichischen Schüler im Homeoffice arbeiten und erhalten per Internet Materialien von den Lehrern. Nach Ostern soll sich darunter auch neuer Stoff befinden. Wenn Eltern ihre Kinder beim Lernen nicht unterstützen können oder wollen, besteht bei diesen jetzt noch leichter wie gewöhnlich die Gefahr, dass sie den Anschluss verlieren.

Der Mittersiller Raphael Eder (24), der gerade sein Wirtschaftsstudium in London abgeschlossen hat, sagt, er und drei Freunde seien durch einen Zeitungsartikel auf das Problem aufmerksam geworden. Das war vor etwa zwei Wochen. Inzwischen ist ihr Beitrag zur Lösung, die kostenlose Nachhilfe-Plattform www.weiterlernen.org, schon online. Sie vermittelt zwischen Schülern, die Hilfe brauchen, und Studenten, die helfen können, zum Beispiel Lehramtsstudenten. Man muss sich nur auf der Plattform anmelden. Die Studenten werden eingeschult. Eder: "Die Schüler können sich zur Lernunterstützung oder für jegliche Fragestellungen über die Plattform an die Studierenden wenden und sagen, wo sie Hilfe brauchen. Die Studenten versuchen daraufhin, individuell auf die Fragen der Schüler einzugehen." Meist passiert das mit direkten Videotelefonaten. Es stehen aber auch andere E-Learning-Methoden zur Verfügung. Die Studenten profitieren insofern, als sie Erfahrungen beim Vermitteln von Lerninhalten sammeln und sich so auch selbst weiterbilden. "Und es ist eine gute Tat", sagen die Projektinitiatoren.

Die Plattform wurde sehr schnell umgesetzt. Möglich war das aber nur, weil sie schon eine längere Vorgeschichte hat. Während seines Studiums hat Eder 2017 an der Universität Oxford zusammen mit Kollegen aus England und Dänemark die Wohltätigkeitsorganisation project access gegründet. Ihr Zweck: Talentierten, aber sozial benachteiligten Schülern soll der Zugang zu den besten Universitäten ermöglicht werden, indem sie von Studenten kostenlos unterstützt werden.

Raphael Eder ist inzwischen hauptberuflicher Leiter dieser Organisation, die vor allem von Mäzenen finanziert wird. Zwei der Mitarbeiter sind Alexander Hutterer (24) aus Elsbethen, der in Cambridge Philosophie studiert, und der Vorarlberger Paul Müller (20), der in London Computerwissenschaften studiert. Die drei holten Pauls Cousine Johanna Teufel (22) ins Boot, die in Wien Marketing und Kommunikation studiert, und gründeten www.weiterlernen.org.

Die Adaptierung der Plattform "project access" für Österreich habe zwei bis drei Tage gedauert, sagt Raphael Eder. Von 27. bis 29. März nahmen sie am Wettbewerb "Hack the Crisis" für österreichische Start-ups teil, bei dem rund 100 Teams innerhalb von 72 Stunden Ideen entwickelten, um die Coronakrise zu bewältigen. "Wir haben den zweiten Platz erreicht", sagt Eder. Dafür erhielten sie einen kleinen Preis. Am Montag, den 30. März, ging ihre Plattform online. "Nach einer Woche haben wir 350 Anmeldungen, davon sind etwa 60 Prozent Studenten und 40 Prozent Schüler." Wenig überraschend sind die meisten Schüler auf der Suche nach Mathematik-Nachhilfe. Oft geht es nur um Fragen zu einzelnen Themen oder Aufgaben. "Viele sind gerade bei der Vorbereitung für die Matura."

Eder und seine Mitstreiter sehen die Plattform nicht nur als kurzfristige Lösung während der Coronakrise, sondern als Projekt, das langfristig Schülern helfen soll. "Wir wollen die Plattform in Österreich etablieren", sagt der Mittersiller. "Ich denke, der Bedarf ist auch nach der Coronakrise noch da."

Aufgerufen am 02.12.2020 um 11:21 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/die-kostenlose-nachhilfe-fuer-schueler-ist-online-85940812

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