Chronik

Die letzte Ruhestätte ist immer öfter die Urne

Wer sich zu Lebzeiten mit dem eigenen Tod beschäftigt, hat die Wahl. Immer mehr Menschen entscheiden sich für Urnen- und Naturbestattungen.

Sich zu Lebzeiten mit dem eigenen Tod zu beschäftigen und festzulegen, wie man dereinst bestattet werden möchte, ist nicht jedermanns Sache. "Manchen ist es gut möglich, über dieses Thema nachzudenken und Regelungen zu treffen. Es kann für die Familie hilfreich sein zu wissen, was jemand wollte. Manche möchten aber auch gar nicht mit dem Thema befasst werden. Das ist natürlich genauso zu akzeptieren", sagt die Halleiner Bestatterin und Landesinnungsmeisterin Alexandra Reich-Dertnig.

Wenn zu Allerheiligen wieder viele die Gräber ihrer Angehörigen und Freunde besuchen, rückt auch der Gedanke an die eigene Endlichkeit zumindest wieder für kurze Zeit in den Vordergrund. Mehr Anfragen bezüglich möglicher Bestattungsformen als sonst seien rund um Allerheiligen aber nicht zu verzeichnen, betont Reich-Dertnig: "Das Thema beschäftigt die Menschen eigentlich das ganze Jahr über. Anlass kann auch ein runder Geburtstag, ein Trauerfall im näheren Umfeld oder eine Krankheit sein."

"Das Thema beschäftigt die Menschen das ganze Jahr." A. Reich-Dertnig, Landesinnungsmeisterin der Bestatter

Besonders im Trauerfall fungieren die Bestatter dabei oft auch als Seelentröster in einer emotionalen Ausnahmesituation. Vielen Menschen sei es ein Anliegen, in den Trauerdrucken und Parten die Persönlichkeit des Verstorbenen zum Ausdruck zu bringen. "Wir Bestatter sind da sehr empathisch und für die Familien in der schwierigen Situation da. Wir erfahren sehr viele persönliche Geschichten, dafür nehmen wir uns auch Zeit", sagt Reich-Dertnig. Für jeden Kunden werde dabei auch ein individuelles Preis- und Leistungsangebot erstellt. "Auch wenn nicht so viel Geld da ist, wird das Passende gefunden."

40 Prozent Erdbestattungen

Gesetzlich erlaubt sind hierzulande nur Erd- und Feuerbestattungen. Auf Letztere entfällt mittlerweile der größte Teil der Bestattungen. Anders als im städtischen Bereich liegt der Anteil an Erdbestattungen im kleinstrukturierten Tennengau aber zumindest noch bei über 40 Prozent. "Die Erdbestattung ist in den traditionellen Familienverbänden noch immer ein wichtiges Thema", betont Reich-Dertnig.

Den generell hohen Anteil an Kremationen auf einen Platzmangel auf den Friedhöfen zurückzuführen, greife dabei zu kurz, meint Reich-Dertnig: "Die Gemeinden haben Plätze geschaffen, auch wenn hier und da vielleicht Erweiterungsbedarf besteht. Kremationen passieren aber in erster Linie auf Wunsch der Verstorbenen."

Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von der Überlegung, den Nachkommen nicht nach dem Tod noch zur Last fallen zu wollen - Stichwort Grabpflege -, bis hin zur fehlenden Religiosität. Immer beliebter werden deshalb auch naturnahe Bestattungen, wie sie im Tennengau auch in Hallein (die "Streuwiese"), Oberalm und Puch angeboten werden.

Trauerbegleitung spricht vor allem Frauen an

Der Tod eines Angehörigen oder engen Freundes löst bei vielen Menschen einen Schock aus, den jeder auf andere Art und Weise verarbeitet. Wer nach einem Todesfall das Bedürfnis nach professioneller Begleitung hat, kann sich an die Trauerbegleiterinnen der Hospiz-Initiative Tennengau wenden. Neben der individuellen Trauerbegleitung gibt es die offene Trauergruppe, die sich jeden dritten Montag in der Landesklinik Hallein trifft.

Die Zahl der kostenlosen Trauerbegleitungen im Tennengau steigt seit Jahren kontinuierlich an. 95 Prozent der Klienten sind Frauen. "Ich weiß nicht, warum das so ist. Die Männer hätten es oft genauso notwendig oder sogar notwendiger", sagt Trauerbegleiterin Birgit Rettenbacher. Oft seit es nur ein kurzes Gespräch, das einen Menschen wieder aus dem tiefsten Tal herausholen könne. Andere werden mehrere Jahre begleitet. "Es dauert immer so lange, wie es der Betroffene braucht", sagt Rettenbacher und betont, dass es sich bei der Trauerbegleitung nicht um eine psychologische Behandlung handelt. "Wir Trauerbegleiter sind gut ausgebildet und haben einen Hospiz- sowie einen Trauerbegleitungslehrgang absolviert. Wir sind aber keine Psychologen." Vielmehr begleite man Trauernde im Alltag. "Das kann ein Spaziergang, ein Kaffeehausbesuch oder ein Gespräch daheim sein."
Kontakt Birgit Rettenbacher: 0676/84 82 10-558

Aufgerufen am 17.11.2018 um 10:12 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/die-letzte-ruhestaette-ist-immer-oefter-die-urne-56432668

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