Chronik

Die mühsame Suche nach Fachkräften

Im Hotel- und Gastgewerbe sind im Pinzgau rund 1300 offene Stellen gemeldet. Die Personalsuche läuft auf Hochdruck - und manchmal unfair.

Fast verwaiste Küche. Viele Köche – nicht der im Bild – müssen deshalb permanent an ihre Leistungsgrenzen gehen.   Joli
Fast verwaiste Küche. Viele Köche – nicht der im Bild – müssen deshalb permanent an ihre Leistungsgrenzen gehen.  

Es ist eine Art Kopfjagd. Quer durch Österreich und weit darüber hinaus werden im Tourismus Arbeitskräfte für die bevorstehende Wintersaison gesucht. Karin Eiwan, Leiterin des Arbeitsmarktservice (AMS) Zell am See, hat die Zahlen im Bereich Gastronomie für den Pinzgau: "Offen sind aktuell gesamt 1300 Stellen. Im Detail sind es 445 im Service, 370 in der Küche - sprich Köche -, 100 Abwäscher, 180 Stubenmädchen, 100 Rezeptionisten und 100 Hausmeister."

Beim AMS sind bereits Leute vorgemerkt - aber: "800 haben eine Einstellungszusage, nur ca. 40 haben keine. Das heißt, die Gastronomie ist intensiv auf der Suche nach Kräften, wir unterstützen sie dabei mit allen unseren Mitteln." Der Tourismus ist sehr personalintensiv, allein im Pinzgau finden durchschnittlich 7250 Personen dort ihren Arbeitsplatz, in Spitzenzeiten sind es mehr als 11.000.

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, setze das Arbeitsmarktservice in den Tourismusregionen auf innovative Projekte und forciere die überregionale Vermittlung, sagt AMS-Salzburg-Chefin Jacqueline Beyer. So pflegt das AMS Zell am See intensiven Kontakt mit den Arbeitsmarktservice-Organisationen im Osten Österreichs, vor allem in Wien mit dem AMS Huttengasse, erläutert Eiwan. Denn in Wien gebe es ein Arbeitskräftepotenzial, das im Pinzgau gesucht werde.

AMS-Stellen stehen in Konkurrenz zueinander

Es gibt ein riesiges touristisches Jobangebot in Österreich, vor allem in Tirol. Auf die Daten und Fakten über die gemeldeten offenen Stellen und Angebote in ganz Österreich haben alle AMS-Stellen Zugang. "Alle greifen darauf zu und schöpfen die Daten ab, da liegt man auch in Konkurrenz zueinander", sagt Eiwan und betont: "Es ist wichtig, dass es uns gelingt, uns abzuheben. Der Pinzgau, die Regionen, die Orte, die Betriebe müssen die Vorteile hervorheben. Wir haben eine wunderschöne Region und ausgezeichnete Betriebe. Und dazu haben die Dienstgeber in den vergangenen Jahren immens in qualitätsvolle Mitarbeiterhäuser investiert." Auch der Umgangston und die Mitarbeiterführung seien heute viel besser. "Wichtig sind vielen Mitarbeitern Freizeitangebote, sie wollen nicht nur in ihren Zimmern sitzen."

Das AMS Zell am See führe ein "Matching" durch, vergleiche die Anforderungen am Arbeitsplatz mit den Eigenschaften und Kompetenzen von Bewerbern, erklärt Hermann Unterberger, stellvertretender Geschäftsstellenleiter. Das Zeller AMS ist auch auf vielen Jobmessen vertreten. "Wir versuchen, über die EURES-Beratung Personal aus dem Ausland zu rekrutieren, vor allem in Belgien, Holland, Kroatien und Slowenien. Partner haben wir nahezu in jedem EU-Land. Wir sind täglich am Vermitteln." Erfolge seien dabei wichtig, denn viele Betriebe könnten wegen Mitarbeitermangel nicht die optimale Wertschöpfung herausholen, sagt Unterberger. Sehr hilfreich seien auch Aktionen vor Ort, etwa "Komm-Bleib" der Wirtschaftskammer oder "Job4U" der Tourismusregion Zell am See-Kaprun.

Ab Jänner 2019 soll eine regionale Mangelberufsliste gelten. Was hält das AMS davon? "Sie würde uns zweifellos helfen", sagt Eiwan. "Ob sie auch arbeitsmarktpolitisch sinnvoll ist, darüber gehen die Meinungen auseinander", ergänzt Unterberger.

Voll aus der Praxis kennt Ewald Kreml vom Restaurant Kupferkessel in Zell am See die Situation: "Und das seit 40 Jahren." Ihm gelinge es gut, das Personal in seinem Ganzjahresbetrieb zu halten, aber die Bandagen in der Branche würden härter. "Es gibt ,liebe' Kollegen, die vorbeikommen und in einem passenden Moment die Köche abwerben. Sie sprechen sie an und versprechen das Doppelte. Verschwiegen werden die Arbeitszeiten und dass es sich nur um Saisonarbeitsplätze handelt", so Kreml.


Aufgerufen am 20.11.2018 um 04:09 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/die-muehsame-suche-nach-fachkraeften-49470664

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