Chronik

Die Salzburger Innenstadt versinkt im Stauchaos

Tausende Touristen strömen bei Schlechtwetter in die Mozartstadt. Die Stadtpolitik wirkt ob des Verkehrskollapses ratlos, die Kaufleute der Altstadt bangen um ihre Stammkunden.

Sommer plus Regenwetter bringt Verkehrschaos. Diese Faustregel gilt in der Stadt Salzburg seit Jahren. Ebenso lang sucht die Politik Auswege aus dem Verkehrskollaps. Am Mittwoch brauchten Autofahrer erneut viel Geduld auf dem Weg in die Innenstadt. Tausende Urlauber strömten wegen des schlechten Wetters in die Mozartstadt. Ein Auffahrunfall auf der Westautobahn (A1) im Baustellenbereich des Lieferinger Tunnels verschärfte die Situation weiter. Praktisch alle Routen stadteinwärts waren ab den Mittagsstunden blockiert.

Die neuen Pförtnerampeln hätten zumindest am Vormittag gut funktioniert und den Verkehrsfluss in die Innenstadt gebremst, sagt Verkehrsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste). Die Ampeln messen mithilfe von Sensoren die Verkehrsdichte und entzerren den Verkehrsfluss mit längeren Rotlichtphasen. "Das System hat natürlich seine Obergrenzen", sagt Padutsch. Ohnehin seien die Pförtnerampeln nicht eigens für die Schlechtwettertage im Hochsommer installiert worden. Die computergesteuerten Geräte sollen den Verkehr im Zentrum künftig ganzjährig am Laufen halten. "Die Ampeln werden weiter ausgebaut", sagt Padutsch. Das Grundübel ist für Padutsch die schlechte Auslastung der Park-&-Ride-Plätze. "Solange die Parkplätze beim Messezentrum nicht angenommen werden, müssen wir bei Schlechtwetter in den Sommermonaten mit den Staus leben."

Alfred Friese vom Juwelier Kalteis will den Status quo nicht hinnehmen. Der 72-Jährige schließt mit Jahresende sein Schmuckgeschäft am Universitätsplatz. "Unsere Stammkundschaft kommt nicht mehr, weil sie von den ewigen Staus genug hat." Die unzähligen Touristen verirrten sich nur selten ins Geschäft. "Die Touristen werden zu Tausenden durch die Getreidegasse geschoben, aber es ist Masse statt Klasse", sagt er. "Die Schlechtwettersperre ist eine Katastrophe. Sinnvoller wäre eine neue Parkgarage samt ordentlicher Verkehrsplanung."

Ähnlich sieht das Werner Salmen von der Engel Apotheke in der Linzer Gasse. "Der Ausbau der Mönchsberggarage wäre ein Volltreffer", sagt der Apotheker. Auch das gescheiterte Projekt des Tunnels durch den Kapuzinerberg wäre "sehr gescheit gewesen". Jedenfalls bräuchte es ein Konzept gegen das Chaos. "Wir brauchen endlich Politiker, die sich was trauen", sagt Salmen. Die Stammkunden hielten seiner Apotheke die Treue. "Wir spüren die Ferienzeit. Ich glaube nicht, dass die Salzburger die Innenstadt aktiv meiden."

Brigitte Cocron, Verkäuferin bei Lana Strickmoden in der Getreidegasse, merkt hingegen einen deutlichen Unterschied zwischen den Sommermonaten und dem Rest des Jahres. "Viele Salzburger wollen weder die Staus noch das Gedränge in der Getreidegasse." Aussperren sollte man den Verkehr aus der Innenstadt aber nicht: "Eine Stadt ohne Autos ist eine Stadt ohne Leben."

Den Verkehr aus der Altstadt gänzlich verbannen würde hingegen Verena Schrems vom Schmuckgeschäft Deco Art in der Philharmonikergasse. Im Gegenzug sollte das Park-&-Ride-Angebot weiter ausgebaut werden. "Es muss gut beworben werden, günstig sein und einen guten Anschluss an den öffentlichen Verkehr haben", sagt Schrems.

Auch Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) sieht in den Park-&-Ride-Plätzen den Ausweg aus der Verkehrsmisere. Aber: "Eigentlich müssten die Plätze noch weit außerhalb der Landesgrenzen sein, damit das funktioniert - wer einmal im Auto sitzt, will auch so weit wie möglich fahren." Ein "Wundermittel" gegen die Staus im Sommer gebe es schlicht und einfach nicht. "Ein bisschen Gelassenheit und ein bisschen mehr Zeit einplanen", rät Schaden.

Aufgerufen am 24.09.2018 um 08:16 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/die-salzburger-innenstadt-versinkt-im-stauchaos-1170253

Sturmtief führte zu Brand eines Strommasten

Sturmtief führte zu Brand eines Strommasten

Das Sturmtief "Fabienne", das Salzburg in der Nacht auf Montag überquerte, hat, anders als erwartet, zu keinen nennenswerten Schäden oder Verkehrsbehinderungen geführt. In Marktschellenberg im angrenzenden …

Mutmaßlicher Drogenlenker bedrohte Autolenkerin

Mutmaßlicher Drogenlenker bedrohte Autolenkerin

Ein 30-jähriger Pakistani wurde von der Polizei Sonntagabend gleich wegen zweier Delikte angezeigt: Er soll eine Autolenkerin mit dem Umbringen bedroht haben. Zudem fand die Polizei Suchtmittel in seinem Auto.…

Geplanter Ausbau von Spedition erzürnt Anrainer

Geplanter Ausbau von Spedition erzürnt Anrainer

Die Spedition Weiss will in Schallmoos ausbauen. Die Anrainer protestieren gegen eine geplante, 7,5 Meter hohe Lärmschutzwand, die Asphaltierung eines Biotops und fordern, dass die Firma weicht. Dass in …

Schlagzeilen