Chronik

Die Stadt Salzburg braucht mehr Campingplätze

Zwischen "netter Begleiterscheinung" und Touristenmagnet: Camping wird in der Stadt Salzburg sehr unterschiedlich beurteilt. Ein Lokalaugenschein.

Österreichweit liegen die Camping-Nächtigungen auf dem höchsten Wert seit 1992. In der Stadt Salzburg fallen sie mit jährlich 160.000 bei insgesamt drei Mio. Nächtigungen kaum ins Gewicht. "Das sind fünf Prozent, wobei in dieser Zahl sogar noch die Jugendherbergen mit drinstecken, weil wir die Campingurlauber nicht einmal gesondert ausweisen", sagt Bert Brugger, oberster Touristiker in der Stadt. Er nennt diese Gruppe eine "nette Begleiterscheinung". In Summe sei in der Mozartstadt aber Grund und Boden zu teuer, als dass sich da jemand mit einem Campingplatz große Erfolge ausrechne.

Eine Einschätzung, die Alfred Chyma nicht teilt. Er betreibt seit Jahresanfang den Reisemobil-Stellplatz Kasern, einen auf Reisemobile spezialisierten Parkplatz mit 106 Stellplätzen. Die Übernachtung kostet inklusive Strom, Wasser und Abwasser 21 Euro. Anders als auf Campingplätzen gibt es bei ihm abgesehen von Sanitäranlagen keine Infrastruktur. Damit komme man dem geänderten Verhalten der Urlauber entgegen. "Die Leute lassen sich heute nicht mehr 14 Tage lang stationär nieder, sie wollen in einer Woche drei, vier Städte sehen", sagt Chyma. Das Reiseportal camping.info legt Zahlen vor, wonach der durchschnittliche Campinggast vier Tage bleibt und pro Tag rund 50 Euro ausgibt. Im Vergleich: Der durchschnittliche Salzburg-Stadt-Tourist bleibt 1,7 Tage und gibt täglich 160 Euro aus. Die Reisemobile hätten Salzburg bislang gemieden, weil es kein adäquates Angebot für sie gab, sagt Chyma. Er geht davon aus, mit seinem Stellplatz jährlich 30.000 Gäste nach Salzburg zu bringen. In zehn Jahren will Chyma die schwarze Null erreicht haben. Bruggers Ansicht teilt er nur insofern, als auch er glaubt, dass man aufgrund der hohen Bodenpreise keine großartigen Zuwächse an Stellflächen für Reisemobile mehr erwarten wird können. Chyma: "Österreich hat da ganz klar einen Trend verschlafen." Die Deutschen etwa hätten 6500 Reisemobil-Stellplätze, die Österreicher nur vier.

Reisemobile: Österreich hat da einen Trend verschlafen

Auf den Campingplatz Schloss Aigen (daneben gibt es noch jene in Nord-Sam und Rauchenbichl) rollen seit 1959 die Wohnwagen. "Und es ist immer noch ein Geschäft", sagt Betreiberin Eva Getzinger: "Der Campingplatz für sich - und in Kombination mit dem Wirtshaus sowieso." Die Unternehmerin sagt, es bräuchte mehr Campingplätze in Salzburg-Stadt, die Nachfrage sei groß. Im Hochsommer werde der Platz knapp. Gäste würden wieder wegfahren, weil es zu voll sei. Die Salzburger ihrerseits kommen in Aigen gern auf ein Grillhendl vorbei, dazwischen tummeln sich zwischen Ende April und Ende September die Campinggäste aus aller Welt.

Jan Rosenberg treffen die "Stadt Nachrichten" auf dem Weg zur Dusche. Er ist ein eingefleischter Camper und tourt mit seiner Frau zwei Monate lang durch Europa. Drei Nächte bleiben sie in Salzburg, die Fahrräder im Gepäck. Pro Nacht zahlen sie in Aigen inklusive Strom 27 Euro. "Das geht, aber andernorts knöpfen sie dir für eine fünfköpfige Familie 80 Euro am Tag ab - nur für den Standplatz", sagt Rosenberg mit unverkennbar holländischem Akzent. Der Familie seines Sohnes sei es mehrfach so ergangen. Rosenberg: "Camping ist längst kein billiger Urlaub mehr." Auch Eva Getzinger sieht eine große Bandbreite. "Den typischen Camper gibt es nicht", sagt sie. Die meisten suchen die Natur. Während die einen aber aufs Zelt setzen, rollen die anderen in luxuriösen Wohnmobilen vor, die mit Ledersitzen, Waschmaschine und Solaranlage aufwarten. Nicht unwichtig: Das Miteinander funktioniert - unabhängig der sozialen Herkunft.

Daten & Fakten

6,4 Millionen Nächtigungen verzeichneten Österreichs Campingplätze 2017. Das Bundesland Salzburg mit 81 Plätzen lag bei rund 704.000 Übernachtungen, ein Plus von 9,5 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Salzburg liegt hinter Kärnten und Tirol auf Platz drei. Laut Europa-Top-100-Ranking befindet sich auch der beliebteste Campingplatz Europas im Salzburger Land: Der Campingplatz Grubhof in St. Martin bei Lofer machte zum zweiten Mal in Folge das Rennen. (camping.info)

26.230 Reisemobile sind laut Zahlen des ARBÖ in Österreich zugelassen, der Zuwachs betrug fünf Prozent in nur einem Jahr. Rund 38.000 Wohnwagen gibt es aktuell. Die Trends gehen in Richtung Green Camping, Glamping (glamouröses Camping), aber auch der einfache Zelturlaub erfährt gerade eine Renaissance.

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