Chronik

Die Universität Salzburg will an die Spitze

Große Ziele hat der Rektor für seine Universität Salzburg. Heinrich Schmidinger spricht aber auch über deutsche Studierende, neue Heime und Orchideenfächer.

Die Universität Salzburg will an die Spitze SN/robert ratzer
Rektor Heinrich Schmidinger.

Am Montag startet ein neues Semester. Für 2047 Studierende ist es ein besonderer Tag: Sie betreten das erste Mal einen Hörsaal. Wie die Uni Salzburg es an die Spitze Österreichs schaffen soll und wie das mit den Aufnahmeprüfungen ist, erklärt Rektor Heinrich Schmidinger.

SN: Ist es auch für Sie noch aufregend, wenn ein neues Semester startet?
Schmidinger: Ja, weil man nur begrenzt weiß, was wirklich sein wird. Bei Kommunikationswissenschaften und Psychologie wissen wir aber die Zahl der Studierenden, sie ist ja begrenzt.

SN: In Psychologie sind 72 Prozent der Anfänger Deutsche. Stört Sie das?
Wir können nur reagieren wie bisher: Es gibt Aufnahmetests, die die Studierenden bewältigen müssen. Wir können da die Österreicher nicht anders bewerten als andere EU-Bürger.

SN: Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner hat angekündigt, künftig Studiengänge je nach Zahl ihrer Absolventen zu finanzieren.
Ich weiß nicht, was hinter den Überlegungen steckt. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sich eine Finanzierung ausschließlich an den Absolventen orientiert. Die Unis müssen viel mehr Studierende betreuen, weil es in vielen Fächern keine Zugangsregelungen gibt. Eine solche Finanzierung ginge nur dann, wenn sich das Gesetz ändert.

SN: Die Unis sollen festlegen können, ob es Aufnahmeprüfungen gibt?
Ja, die Frage der Zugangsregelung müsste neu geklärt werden. Es kann dann keinen beliebigen Hochschulzugang mehr geben.

SN: Wollen Sie einen beschränkten Hochschulzugang?
Für mich bilden freier Hochschulzugang und Zugangsregelungen keinen Widerspruch.

SN: Wie können ein freier Hochschulzugang und eine Zugangsregelung kein Widerspruch sein?
Ich sehe das so: Wählen kann jeder das Studium oder die Studien, die er will. Darin ist jeder Studierende frei. Um diese freie Wahl realisieren zu können, muss jeder sich einer Qualifikationsprüfung oder einem Aufnahmetest stellen. Darin vermag ich keinen Widerspruch zu erkennen.

SN: Im Frühjahr haben Sie eine Mensa angekündigt, um Salzburg als Studienstadt zu beleben. Was ist passiert?
Wir hatten den Posthof im Blick, der aber anders vergeben worden ist. In der Stadt geschieht viel. Ich weiß von drei neuen Studentenheimen, die in Planung sind.

SN: Wann werden die fertig sein und wie viele Plätze gibt es?
In absehbarer Zeit. Die Zimmerzahl weiß ich nicht, aber es handelt sich um drei Pläne.

SN: Neu sind zudem 15 Doktoratskollegien. Werden dadurch mehr Frauen dissertieren?
Unsere Universität bietet Doktorats- und Habilitationsstipendien für Frauen. Die Kollegien selbst sind nicht für Männer oder Frauen reserviert. Der überwiegende Teil der Studierenden sind aber Frauen, das zieht sich in den Kollegien durch.

SN: Österreichweit sind nur 22 Prozent der Professuren von Frauen besetzt.
Unsere Universität ist unter jenen, die einen sehr hohen Anteil an Frauen berufen hat: zuletzt etwa drei Theologinnen.

SN: Was wollen Sie tun, damit demnächst die Hälfte aller Professoren weiblich ist?
Das ist schwierig. Wir können als Uni nichts anderes tun, als bei gleicher Qualifikation einer Frau den Vorrang zu geben.

SN: Sie sind noch drei Jahre Rektor. Was haben Sie bis 2018 vor?
Das Wichtigste ist der Entwicklungsplan, der bis zum Jahr 2024 gelten wird.

SN: Wo sehen sie die Uni Salzburg 2024?
An der Spitze in Österreich. Das war immer mein Ziel.

SN: Wie wollen Sie das erreichen?
An einer Schwerpunktsetzung führt kein Weg vorbei. Diese ist momentan auf Molekularbiologie, Hirnforschung und Europastudien fokussiert.

SN: Was heißt das für die Altertumswissenschaften und andere Orchideenfächer?
An einer Universität dürfen nicht nur die ökonomischen Kriterien den Ausschlag geben, sondern auch inhaltliche. Es ist notwendig, dass es Altertumswissenschaften gibt. Unsere Uni ist zu einem überwiegenden Teil eine geisteswissenschaftliche.

SN: Wird sich die Uni weiter in der Stadt ausdehnen?
In absehbarer Zeit nicht. Wir haben 26 Gebäude, hauptsächlich in der Stadt. Und im März werden wir das neue Laborgebäude in Itzling in Betrieb nehmen. Das fordert uns genug.

Daten und Fakten zur Uni Salzburg

Die Paris Lodron Universität Salzburg besteht seit fast 400 Jahren: Der Fürsterzbischof und Namenspatron gründete sie 1622.

Heute hat die Uni vier Fakuläten sowie 2800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit 15.000 Studierenden liegt Salzburg an siebter Stelle. Die Uni Wien ist die größte Österreichs mit 90.000 Inskribierten, gefolgt von der Uni Innsbruck (27.781).

Das beliebteste Studium in Salzburg sind Rechtswissenschaften: 1736 Studierende sind in das Diplomstudium inskribiert. Recht und Wirtschaft studieren 1326 Interessierte, Pädagogik 1022.

Im Wintersemester 2016/17 sind 2047 Studienanfänger das erste Mal an der Uni. Die Zahl ist aber nicht endgültig, bis Ende November kann noch inskribiert werden.

40 Professorinnen lehren an der Uni Salzburg. Sie haben 102 Kollegen. Mit 28 Prozent liegt Salzburg damit leicht über den Österreich-Schnitt von 22 Prozent.

Psychologie ist das Studium mit dem größten Anteil an deutschen Inskribierten. 79 Prozent der Master-Studenten sind Deutsche.

Quelle: SN

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