Chronik

"Diese Rennen sind für uns ein Lotto-Sechser"

Die Saalbacher rüsten sich für die Weltcup- Bewerbe der Herren am 19. und 20. Dezember. Kurzfristig wurde auch der Slalom übernommen.

Februar 2015: Insgesamt 22.000 Fans strömten zu den Speed-Rennen nach Hinterglemm. 
Februar 2015: Insgesamt 22.000 Fans strömten zu den Speed-Rennen nach Hinterglemm. 

Das Scheitern bei der WM-Vergabe für 2023 haben die Glemmtaler längst abgehakt. Nun geht's darum, die eigene Visitenkarte für die nächste Bewerbung weiter aufzuwerten. Die unverhofften Technik-Bewerbe kommen dazu gerade recht. "Es geht darum, als Ausrichter im Gespräch zu bleiben. Solche Rennen, um diese Zeit kurz vor der Hauptsaison, sind für uns wie ein Lotto-Sechser", sagt der Hinterglemmer Bartl Gensbichler.

Der Präsident des Salzburger Landesskiverbandes war nach dem abgesagten Rennen in Sölden auf der Heimfahrt, als er im Radio davon hörte, dass das Rennen auf jeden Fall nachgetragen werden soll, und zwar in Österreich. Telefonisch klapperte er die wichtigsten Partner ab - Schiclub, Tourismusverband, Bergbahnen. Bei ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel stieß Gensbichler auf Anhieb auf Zustimmung, wenig später stand Saalbach als Ausrichter des Weltcup-Riesentorlaufs fest. "In 15 Minuten hatten wir geklärt, dass wir zuschlagen wollen." Einen wichtigen Mann hatte Gensbichler nicht erreicht: Alois Hasenauer, schon Chef des Organisationsteams bei der WM-Bewerbung. Der Bürgermeister (ÖVP) erinnert sich schmunzelnd: "Ich war zu der Zeit im Urlaub, hatte unzählige Anrufe in Abwesenheit am Handy. Als ich den Bartl zurückgerufen habe, war längst alles fix. Aber ich bin ihm nicht böse."

Die Organisation innerhalb von knapp zwei Monaten aufzustellen, sei eine Herausforderung, aber kein Problem gewesen, sagt Gensbichler: "Wir haben eine eingespielte Mannschaft, sind irrsinnig gut aufgestellt. Es war schon immer eine Stärke unseres Organisationsteams, Rennen zu übernehmen." Hasenauer hat wieder die Rolle als OK-Chef übernommen. "Es war und ist sehr viel zu organisieren. Aber bei diversen Entscheidungen kaum Zeit zum Überlegen zu haben, muss kein Nachteil sein. Es kann sehr Gutes entstehen - davon bin ich auch überzeugt. Wir wollen wieder unter Beweis stellen, ein Top-Weltcuport zu sein." Die Saalbacher Bewerbung für die WM 2025 muss der ÖSV bis zum 1. Mai 2019 einreichen, die Vergabe erfolgt im Mai 2020.

Schon nach den bisher letzten Weltcuprennen in Saalbach im Februar 2015 - Matthias Mayer feierte einen Doppelsieg - haben die Glemmtaler gelauert. Gensbichler: "Wir haben immer deponiert: Bei Absagen stehen wir Gewehr bei Fuß."

Die Rennen sollen speziell auch viele junge Leute begeistern. Salzburgweit haben die Veranstalter alle Volksschulen und Neuen Mittelschulen eingeladen. "So rechnen wir mit mindestens 1200 Schülern, die kommen", sagt der SLSV-Präsident. Insgesamt gehe er von bis zu 10.000 Zuschauern für den Riesentorlauf (Zielbereich und entlang der Strecke) aus. Und es werden wohl noch mehr werden. Wie Mittwochmittag bekannt wurde, tragen die Saalbacher auch den am Sonntag in Val d'Isere abgesagten Slalom aus.

Weltcup-Riesentorlauf in Saalbach - da werden bei Gensbichler Erinnerungen an den 6. Jänner 1998 wach. Damals war er bei einer Sternstunde von Hermann Maier Rennleiter. "Auch dieses Rennen hatten wir sehr kurzfristig übernommen. Es war der erste Riesentorlauf nach jenem in Val d'Isère, bei dem Maier der Sieg nachträglich aberkannt wurde." Aufgrund der regeltechnischen Lappalie, dass er einen Ski vor der roten Linie im Zielraum abgeschnallt hatte. "In Saalbach hat der Maier mit der Wut im Bauch dann alle zertrümmert, mit 2,44 Sekunden Vorsprung vor Legende Alberto Tomba gewonnen. Im Ziel hat er mit dem Stecken in die rote Linie gestochen, dass es nur so gespritzt hat."

Die Startzeiten der Rennen am kommenden Mittwoch (Riesentorlauf), 19. Dezember, und Donnerstag (Slalom), 20. Dezember: jeweils um 10 und 13 Uhr.

PINZGAU-NEWSLETTER

Jetzt kostenlos anmelden und wöchentlich topaktuelle Informationen aus Ihrer Region kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 27.11.2020 um 03:15 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/diese-rennen-sind-fuer-uns-ein-lotto-sechser-62461363

Schöne Heimat

... gerade aufgegangen

Von Georg Ackerer
26. November 2020
Über dem Hochkönigmassiv

Schlagzeilen