Chronik

Dieselboom in Salzburg: Kritik an Steuerbegünstigung

In Salzburg fahren fast zwei Drittel der neu zugelassenen Pkw mit Diesel. Der VCÖ kritisiert die Steuerbegünstigung für Diesel trotz hoher Schadstoffbelastung.

Dieselboom in Salzburg: Kritik an Steuerbegünstigung SN/bernhard schreglmann
Symbolbild.

In Salzburg fahren fast zwei Drittel der neu zugelassenen Pkw mit Diesel, macht der Verkehrsclub Österreich aufmerksam. Der Dieselboom ist aber laut VCÖ für die Luftqualität schlecht. Eine aktuelle europäische Studie zeigt, dass neue Diesel-Pkw beim Fahren im Schnitt sieben Mal mehr gesundheitsschädliche Stickoxide verursachen als der Grenzwert vorschreibt. Eine Analyse des VCÖ zeigt, große SUV fahren fast ausschließlich mit Diesel, während Kleinwagen vor allem Benziner sind. Der VCÖ kritisiert, dass der gesundheitsschädliche Diesel niedriger besteuert wird als Benzin.Bundesweit höchster Anteil an Diesel-Pkw 62,6 Prozent der seit Jahresbeginn in Salzburg neuzugelassenen Pkw fahren mit Diesel. Damit hat Salzburg laut VCÖ im Bundesländer-Vergleich den höchsten Anteil an Diesel-Pkw. Der VCÖ weist darauf hin, dass für den Dieselboom nicht die privaten Haushalte verantwortlich sind. Nur 29 Prozent der neuen Diesel-Pkw werden auf private Haushalte zugelassen, aber 71 Prozent auf "juristische Personen", das sind Unternehmen, Organisationen oder öffentliche Stellen.

"Wer glaubte, dass mit den neuen Diesel-Pkw die Schadstoffprobleme der Autos gelöst wären, hat sich leider geirrt. So sauber die Werte bei den Messungen im Labor sein mögen, im realen Verkehr werden die Grenzwerte von vielen neuen Diesel-Pkw massiv überschritten", sagt VCÖ-Expertin Bettina Urbanek und verweist auf eine neue Studie des unabhängigen europäischen Forschungsinstituts ICCT (International Council on Clean Transportation).Sieben Mal höhere Abgaswerte als erlaubt 15 verschiedene neue Diesel-Pkw Modelle (Abgasnorm Euro 6) wurden getestet: Im Schnitt verursachten sie sieben Mal so hohe Stickoxid-Emissionen wie der Grenzwert vorschreibt. Statt den laut EU-Abgasnorm Euro 6 erlaubten 80 Milligramm je Kilometer wurde die Luft im Schnitt mit 560 Milligramm pro Kilometer verschmutzt. Ein Fahrzeug hat den Grenzwert sogar um das 23,5 fache überschritten. Stickoxide sind ein Reizgas und können Atemwegserkrankungen verursachen. Vor allem für Kinder, die im Wachstum sind, und für ältere Menschen sind Stickoxide sehr gesundheitsschädlich. Hohe Werte ohne "extreme" Fahrsituationen Die stark erhöhten Stickoxidwerte wurden übrigens nicht bei "extremen" oder "untypischen" Fahrsituationen festgestellt. "Natürlich beeinflusst auch die Fahrweise den Spritverbrauch und die Schadstoffbelastung. Aber die ICCT-Studie zeigt, dass selbst bei normaler Fahrweise die Grenzwerte nicht eingehalten werden. Damit widerlegt die Studie jene, die die Schuld für eine höhere Schadstoffbelastung oder einen höheren Spritverbrauch den Autofahrern in die Schuhe schieben möchten", sagt Urbanek.VCÖ kritisiert niedrige Mineralölsteuer auf DieselDie VCÖ-Analyse zeigt, dass in Salzburg der Diesel-Anteil bei den großen und teuren Modellen besonders hoch ist. So fahren rund 83 Prozent der neuzugelassenen Pkw der Oberklasse mit Diesel, bei den großen SUV beträgt der Anteil sogar rund 93 Prozent. Hingegen fahren nur 18 Prozent der Kleinwagen mit Diesel. Trotz der hohen Gesundheitsschädlichkeit der Dieselabgase ist die Mineralölsteuer auf Diesel in Österreich um 8,5 Cent pro Liter niedriger als auf Benzin, macht der VCÖ aufmerksam. Dass es auch anders geht, zeigt die Schweiz: Dort wird Diesel höher besteuert aus Eurosuper. Der VCÖ spricht sich für eine Abschaffung der Steuerbegünstigung auf Diesel aus.SCR-Katalysatoren gefordert Zudem fordert der VCÖ gesetzliche Regelungen, damit die Fahrzeuge nicht nur bei den Messungen im Labor, sondern auch beim Fahren auf der Straße die Grenzwerte einhalten. Die Studie des ICCT zeigt, dass es ein Diesel-Pkw mit SCR-Katalysator (Reinigung der Abgase mittels einer Harnstofflösung) schaffte, den Grenzwert auch beim Fahren einzuhalten. Dieser SCR-Katalysator wurde zuletzt im VW Passat Blue TDI eingeführt. "Die technische Lösung für schadstoffarme Diesel-Fahrzeuge gibt es also bereits. Es braucht eine gesetzliche Regelung, damit im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung diese Technologie bei allen Fahrzeugen eingebaut wird", fordert Urbanek.

Quelle: SN

Aufgerufen am 17.11.2018 um 10:31 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/dieselboom-in-salzburg-kritik-an-steuerbeguenstigung-3095887

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