Chronik

Dritter IS-Verdächtiger entkam in Salzburg der Polizei

Die Polizei nahm am 10. Dezember 2015 zwei IS-Verdächtige im Flüchtlingslager fest. Laut einem CNN-Bericht waren sie damals zu dritt.

Dritter IS-Verdächtiger entkam in Salzburg der Polizei SN/robert ratzer
Der ;Mann befindet sich mittlerweile in Österreich in Haft.

Es war eine konzertierte Aktion der Salzburger Polizei und internationaler Terrorermittler. Im Dezember 2015, zum Höhepunkt des Flüchtlingsstroms durch Salzburg, stürmten Polizeibeamte das Flüchtlings-Transitquartier auf dem ehemaligen Asfinag-Gelände in Salzburg-Liefering. Dort nahmen sie zwei mutmaßliche IS-Terroristen fest. Die Männer hatten sich laut den Ermittlern in den Flüchtlingsstrom gemischt, um später in Paris Terroranschläge durchzuführen. Die beiden Männer, der Algerier Adel H. und der Pakistaner Muhammad U., waren dort ebenfalls als Selbstmordattentäter vorgesehen. Bekanntlich wurden damals 129 Menschen durch mehrere gleichzeitige IS-Attentate getötet.

Der US-Nachrichtensender CNN hat nun veröffentlicht, dass damals wohl auch noch ein dritter IS-Verdächtiger, der 26-jährige Marokkaner Abid T., in Salzburg war. Und er soll den Ermittlern laut dem Bericht entwischt sein. Der Nachrichtensender beruft sich auf 90.000 Seiten von internen Ermittlungsakten, die US-Journalisten in den vergangenen Wochen durchgearbeitet haben. Diese Informationen - das meiste davon Auswertungen von Telefongesprächen und Konversationen in sozialen Medien - enthalten auch Details über die Festnahme in Salzburg.

Demnach hatte sich der 26-jährige Marokkaner Abid T. mit den beiden anderen Terrorverdächtigen Adel H. und Muhammad U. zu einem Treffen verabredet. Zu dieser Zusammenkunft dürfte es auch gekommen sein.

Zwar streiten die beiden anderen ab, Abid T. zu kennen. Aber die Ermittler fanden sein weißes Handy, das in der Ladestation neben seinem Bett in dem Flüchtlingslager angesteckt war. Auf dem Telefon fanden die Ermittler ein Foto, das ihn mit Adel H. und Muhammad U. in der Unterkunft zeigt. Er hatte sein Bett genau zwischen den beiden bezogen. Das Foto war offenbar eine halbe Stunde vor dem Zugriff der Polizei aufgenommen worden. Abid T. hatte zudem die Nummer eines der beiden Terrorverdächtigen eingespeichert. Ebenfalls auf dem Handy zu finden waren laut CNN Fotos von IS-Kämpfern mit ihren schwarz-weißen Flaggen.

Laut SN-Informationen hat die spätere Analyse seines Handys auch ergeben, dass er Adressdaten von Personen gegoogelt haben soll, die in Zusammenhang mit anderen Attentaten stehen. Er war im November nach Griechenland eingereist. Anfang Dezember kam er über die Balkanroute der Flüchtlinge nach Serbien und schließlich nach Salzburg.

Seit dem Februar 2016 wurde nach Abid T. international gefahndet. Es dauerte bis zum Juli 2016, bis der Marokkaner in Belgien festgenommen wurde. Er war in der Zwischenzeit laut CNN immer wieder auf Facebook aktiv, führte aber keine Kommunikation, die mit dem IS in Zusammenhang steht.

Die Staatsanwaltschaft Salzburg bestätigt, dass sich der Mann mittlerweile in Haft befindet. "Unsere Ermittlungen führten zu dem Mann. Er wurde nach einem von uns ausgestellten Europäischen Haftbefehl festgenommen."

Die beiden anderen Terrorverdächtigen, Adel H. und Muhammad U., wurden mittlerweile nach Frankreich ausgeliefert. Ob es auch gegen Abid T. zu einem Auslieferungsverfahren kommen wird, könne man laut Robert Holzleitner derzeit noch nicht sagen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind noch nicht abgeschlossen.

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.09.2018 um 09:26 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/dritter-is-verdaechtiger-entkam-in-salzburg-der-polizei-1093933

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