Chronik

Ehemaliger Flüchtling leitet nun selbst Flüchtlingsheim

Baban Mohamed flüchtete 2004 vor dem Irakkrieg nach Salzburg. Jetzt, zehn Jahre später, steht eine lange Reise vor dem Happy-End.

Ehemaliger Flüchtling leitet nun selbst Flüchtlingsheim SN/ANTON PRLIC
Baban Mohamed kam als Flüchtling nach Salzburg, jetzt leitet er das Flüchtlingsheim der Caritas in Mülln.

Baban Mohamed ist einer der Neuankömmlinge im neuen Flüchtlingsheim der Caritas in Salzburg-Mülln. Und das, obwohl seine Flucht schon zehn Jahre zurück liegt. Wir treffen den 38-jährigen Iraker im Garten der ehemaligen Landespflegeanstalt, in der nun Flüchtlinge aus Syrien untergebracht sind. Auf dem Weg nach draußen strömt uns Erdbeergeruch entgegen, der von zwei Wasserpfeifen ausgeht. Vier Männer sitzen vor der Tür, rauchen die Pfeifen und beugen sich über ein Handy, auf dem der Fernsehsender Al Jazeera läuft. Baban Mohamed geht an der Gruppe vorbei, ein paar Worte werden gewechselt, es gibt Gelächter. "Sie haben gesagt, Du sollst lieber einen von Ihnen interviewen", sagt Baban und lächelt. Er spricht mit Akzent, sein Deutsch ist aber beinahe fehlerlos.Kontakt zur Welt außerhalb des HeimsDie Syrer haben momentan nur über Baban Mohamed Kontakt zur Welt außerhalb des Flüchtlingsheims. Er ist der stellvertretende Leiter des Heims und fungiert gleichzeitig als Dolmetscher. Er begleitet die Flüchtlinge bei ihren Behördengängen und Arztbesuchen. Die meisten von ihnen könnten sich sonst nicht verständigen. Das soll sich aber bald ändern. "Heute haben sie ihre zweite Deutschstunde", erzählt Mohamed. Anders als er spricht die Deutschlehrerin kein Arabisch. "Sie ist aber sehr kreativ, hat viele Bilder mit und arbeitet mit Zeichensprache." Und die Syrer haben alle Smartphones, auf denen sie die neuen Wörter sofort übersetzen können.Flucht aus der HeimatAls Baban Mohamed selbst nach Österreich floh, hatte er als Asylbewerber noch keinen Deutschunterricht bekommen. 2004 entschloss er sich dazu, seine Heimat zu verlassen. Mohamed hatte zuvor Englisch studiert. Er studierte in seiner Heimatstadt Sulemani Englisch und arbeitete bei einer Zeitung als Übersetzer. Sulemani liegt im Norden Iraks, rund 90 Prozent der Bevölkerung sind hier Kurden. "Als der Krieg 2003 ausbrach, hatten wir alle Angst. Wir wussten nicht, ob die Regierung in Bagdad uns etwas antut." Mithilfe von Schleppern gelangte er aus dem Land. Seine Eltern, vier Schwestern und drei Brüder blieben zurück. Drei Monate dauerte die Flucht mit dem Bus, mit dem Boot und zu Fuß. Sie endete schließlich in Österreich.Die Wirren des österreichischen AsylgesetzesBaban Mohamed landete in Traiskirchen und schließlich in einem Flüchtlingsheim in Abersee. Dann begann für ihn eine lange Zeit quälender Untätigkeit. Es dauerte zwei Jahre, bis er seine erster Anhörung im Asylverfahren hatte. "Ich konnte bis dahin nichts tun außer zu warten." 2006 bekam er dann seinen Asylbescheid. Er war, wie zumeist in erster Instanz, negativ. "Mein Anwalt hat mir damals gesagt, es wäre ein Wunder, würde der Bescheid in erster Instanz positiv ausgehen." Baban Mohameds Glück: Er wurde als subsidiär schutzberechtigt anerkannt. Das hieß nicht nur, dass er trotz negativen Bescheids vorerst in Österreich bleiben durfte, er bekam sogar eine Arbeitserlaubnis.Abwäscher und StudentBaban Mohamed arbeitete seit 2006 als Abwäscher und begann an der Universität in Salzburg Englisch zu studieren. 2009 wurde sein Asylverfahren auch in zweiter Instanz negativ bescheidet. Er hatte zu dem Zeitpunkt aber bereits lange genug in Österreich gearbeitet, um die Rot-Weiß-Rot-Karte zu bekommen. So konnte er das Asylverfahren schließen lassen.Vom Asylbewerber zum StaatsbürgerDas ist jetzt fünf Jahre her. Mittlerweile hat er in Österreich Fuß gefasst. Im letzten Jahr schloss er sein Englischstudium ab. Seine Diplomarbeit über Kindermigranten erschien auch als Buch. Und vor sechs Monaten beantragte er die Österreichische Staatsbürgerschaft. Vor zwei Wochen hatte er seine Staatsbürgerschaftsprüfung. Er hat bestanden, sagt er, und lächelt wieder. In spätestens zwei Monaten wird er Österreicher sein. Dass er stolz darauf ist, ist ihm anzusehen. Der Job bei der Caritas im Flüchtlingsheim, den er vor zwei Wochen antrat, ist seine erste Arbeitsstelle außerhalb der Gastronomie. Für Baban Mohamed war 2014 ein richtig gutes Jahr.

Quelle: SN

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