Chronik

Ein Drittel der Salzburger Lenkerinnen und Lenker greift beim Fahren zum Handy

Ablenkung ist Ursache für jeden dritten tödlichen Unfall. Eine Studie der Asfinag kommt zu einem beunruhigendne Ergebnis.

Die Asfinag befragte Autofahrer zu ihrem Handyverhalten am Steuer. SN/APA (Symbolbild/dpa)/Monika Skol
Die Asfinag befragte Autofahrer zu ihrem Handyverhalten am Steuer.

Eine aktuelle IFES-Umfrage im Auftrag der ASFINAG zeigt: Acht von zehn Lenkerinnen und Lenkern in Salzburg sagen, dass das Schreiben oder Lesen von Nachrichten stark ablenkt. Aber ein Drittel gibt zu, das Handy hinter dem Steuer dafür zu benützen, obwohl es verboten ist. Jede und jeder Zehnte macht das sehr häufig. Bei Stop-and-Go-Verkehr macht es fast jede und jeder Dritte oft.

Auf dem Vormarsch sind dabei Fotos oder Videos mit dem eigenen Smartphone: Ein Drittel (33 Prozent) sagen, dass sie schon Motive während der Fahrt aufgenommen haben. Fast die Hälfte (46 Prozent) musste daher in den vergangenen zwölf Monaten plötzlich in einer gefährlichen Situation voll abbremsen, weil sie oder er abgelenkt war - jeder und jede Vierte rasch die Spur wechseln, das Lenkrad verreißen.

Im Rahmen von "Hallo Leben", der Initiative für ein sicheres Miteinander auf Österreichs Straßen, setzt die ASFINAG daher heuer einen Info-Schwerpunkt zum Thema Ablenkung.

Expertin: Falsche Selbsteinschätzung

Warum kann man nicht widerstehen, eine Nachricht zu lesen - obwohl man weiß und erlebt hat, dass es stark ablenkt? Die renommierte Verkehrspsychologin Dr. Bettina Schützhofer liefert Erklärungsansätze: "Es liegt ein gefährlicher Mix aus positiver Einstellung zum Handy am Steuer, subjektiver Wahrnehmung der Anderen und falscher Selbsteinschätzung vor." Zusammengefasst in etwa: "Multitasking ist gut und spart Zeit", "fast alle nutzen das Smartphone am Steuer" und "außerdem fahre ich besser als die meisten anderen". Erschwerend kommt hinzu, dass Handygebrauch - obwohl seit fast 20 Jahren verboten - sowie andere Nebentätigkeiten am Steuer für viele bereits zur alltäglichen Gewohnheit wurden.

Asfinag: "Sicherheit ist Teamwork"

"Die Asfinag sorgt für möglichst sichere Autobahnen und Tunnel. Sicherheit ist aber Teamwork - wenn sich die Lenkerinnen und Lenker an die wichtigsten Regeln halten, werden wir nochmals eine große Verbesserung bei der Sicherheit auf Salzburgs Autobahnen erreichen. Wie das geht - ganz einfach: Handy weglegen und die Augen auf die Straße", sagt das Asfinag-Vorstandsduo Karin Zipperer und Klaus Schierhackl.

Mit der Kampagne ,Hallo Leben' wolle man das Bewusstsein dafür schaffen, dass man mit Ablenkung und Blindflug sich selbst und andere gefährde.

Das sind die Unfallfakten für Salzburg

Im Jahr 2016 (die jüngste verfügbare Statistik) ereigneten sich auf Salzburgs Autobahnen 176 Unfälle mit drei Todesopfern und 282 Verletzten. Ablenkung/Unachtsamkeit (45 Prozent), zu hohe Geschwindigkeit (16 Prozent) und zu wenig Sicherheitsabstand (16 Prozent) - das sind jedes Jahr die zentralen Unfallursachen auf Salzburgs Autobahnen.

Übermüdung folgt mit sieben Prozent. Viele Verkehrsunfälle sind Kombinationen mehrerer Ursachen, wobei in sehr vielen Fällen zu wenig Sicherheitsabstand eine negative Rolle spielt. (Quelle: Unfallzahlen 2016 Statistik Austria).

Umfrage-Ergebnisse im Detail

- Grundsätzlich ergibt die Umfrage, dass jede dritte Salzburgerin, jeder dritte Salzburger während der Fahrt zum Handy greift.

- 48 Prozent geben an, mit dem Handy während der Fahrt gelegentlich ohne Freisprecheinrichtung zu telefonieren, 13 Prozent machen das "oft". Und das, obwohl es als stark ablenkend empfunden wird.

- SMS/E-Mail/Messages lesen während der Fahrt - 26 Prozent der Befragten gaben an, das gelegentlich oder öfter zu machen. 15 Prozent gaben an, SMS/E-Mails/Messages gelegentlich bis oft während der Fahrt zu schreiben.

- Mehr als die Hälfte, ganze 56 Prozent geben an, das Navi auch während der Autofahrt zu bedienen.

- Kurios: "Schminken, Rasieren, Frisieren während der Fahrt": 23 Prozent sagen, das zumindest "ab und zu" zu machen.

- Alarmierend: Ein Drittel (33 Prozent) geben an, dass sie als Fahrerin bzw. Fahrer während der Fahrt fotografieren oder filmen. Die beliebtesten Motive: "Besondere Wetterverhältnisse" und "Naturereignisse".

- Im Stop-and-Go-Verkehr, der besondere Konzentration erfordert, gaben 23 Prozent der befragten Salzburgerinnen und Salzburger an, "oft" zum Handy zu greifen - Sechs Prozent sagten, das "eigentlich immer" zu tun. Interessant dabei die Tätigkeit mit dem Handy im Stop-and-Go-Verkehr: Rund die Hälfte sagten, dann "jemanden eine Nachricht zu schreiben, dass es später wird".

- Gefährliche Folgen: Fast die Hälfte, 46 Prozent gaben an, dass sie so in den vergangenen zwölf Monaten plötzlich vollbremsen mussten, weil sie abgelenkt waren. Ein Viertel musste das Lenkrad verreißen, rasch die Spur wechseln. 30 Prozent gaben an, jemanden durch Ablenkung zu dicht aufgefahren zu sein.

Ablenkunge: Das sind die größten Risiken

Aufmerksame Lenker haben eine Reaktionszeit von einer Sekunde oder weniger. Wer mit dem Smartphone hantiert, braucht oft mehrere Sekunden, um auf eine Gefahr reagieren zu können.
Bei 130 km/h auf der Autobahn fährt man pro Sekunde etwa 36 Meter - nur drei Sekunden unaufmerksames Fahren genügen, um mehr als die Länge eines Fußballfeldes "blind" zu fahren. Und ist man etwa mit 130 km/h im - zu geringen - Abstand von 50 Metern zum vorderen Fahrzeug unterwegs und dieses bremst plötzlich ab, dann genügen schon zwei Sekunden Unachtsamkeit, um so gut wie ungebremst in den Vordermann zu krachen. Wer abgelenkt ist, hält zudem die Spur sehr schlecht, verwendet keinen Blinker und ist oft langsam oder zu schnell unterwegs.

Drei Tipps gegen Ablenkung

- Erledigen Sie alles, was nicht zum "reinen Fahren" gehört, vorher oder nachher. Egal ob Trinken, Essen, Rauchen, Einstellen des Navis, ein Telefonat oder der letzte Check der Mails. Oder machen Sie eine Pause.

- Elektronische Geräte nach Möglichkeit nicht bedienen: Egal ob Nutzung des Handys oder Einlegen einer CD - die Beschäftigung mit elektronischen Geräten dauert zu lange.

- Gegenstände griffbereit hinlegen: Etwa die Sonnenbrille auf einen bestimmten Platz legen, um "blind" darauf zugreifen zu können. Alles andere wie Zeitschriften, Unterlagen, Trinkflaschen etc. gehört in den Kofferraum oder im Fahrgastraum sicher verstaut und nicht auf den Beifahrersitz. Damit es bei einem Bremsmanöver nicht von diesem rutscht - und man versucht ist, während der Fahrt etwas aufzuheben.

Quelle: SN

Aufgerufen am 18.01.2021 um 09:43 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/ein-drittel-der-salzburger-lenkerinnen-und-lenker-greift-beim-fahren-zum-handy-31207414

Kommentare

Schlagzeilen