Chronik

Ein gestörtes Waldidyll im Angertal

Starke Stürme verursachten großflächigen Windwurf. Das Aufkommen eines Jungwaldes werde durch starken Wildverbiss infolge eines zu hohen Rotwildbestandes verhindert, beklagen die Bundesforste.

Dort, wo Hegemeister Andreas Hörtnagl, der Betriebsleiter des Forstbetriebes Pongau, Hannes Üblagger, und Revierleiter Wolfgang Buder stehen, sollte eigentlich schon ein dichter Jungwald gewachsen sein. Wildverbiss habe dies verhindert, so die Vertreter der Bundesforste. SN/sw/brinek
Dort, wo Hegemeister Andreas Hörtnagl, der Betriebsleiter des Forstbetriebes Pongau, Hannes Üblagger, und Revierleiter Wolfgang Buder stehen, sollte eigentlich schon ein dichter Jungwald gewachsen sein. Wildverbiss habe dies verhindert, so die Vertreter der Bundesforste.

Über Wildverbiss und seine Folgen werde ja oft geredet und auch geschrieben, wie das aber tatsächlich aussehe und vor allem welche Folgen das habe, wüssten aber die wenigsten, erklärten die Pongauer Vertreter der Bundesforste und luden deshalb zu einem Lokalaugenschein ins Angertal.

Der Wald im Forstrevier Gasteinertal und seinen Nebentälern - wie eben auch dem Angertal - hat in den vergangen Jahrzehnten einiges durchmachen müssen. Im November 2002 gab es den Föhnsturm Uschi, Schäden verursachten 2007 der Sturm Kyrill oder ein starker Föhnsturm im Dezember 2017, berichtet Hannes Üblagger, der Leiter des Forstbetriebes Pongau. Als Folge dieser Stürme gab es großflächige Windwürfe, deren Folgen durch nachgelagerten Borkenkäferbefall weiter verstärkt wurden.

Die Natur weiß sich zu helfen, das zeigt sich bei einem Areal, bei welchem durch Naturverjüngung in den vergangenen knapp zwei Jahrzehnten ein Jungwald mit teils doppelt mannshohen Bäumen, großteils Fichten, der hier dominanten Baumart, gewachsen ist. Dass hier die Bäume so gut gewachsen sind, liegt daran, dass sich der Wildverbiss in Grenzen hielt. "Ein wenig Wildverbiss ist normal, problematisch wird es, wenn die Wildpopulation zu hoch wird und so die Schäl- und Verbissschäden überhandnehmen", erklärt Üblagger. Um dies zu verdeutlichen, wurde ein Areal besichtigt, das sich in der Nähe einer Wildfütterung eines Gasteiner Hoteliers befindet. 237 Stück Wild seien dort gezählt worden, berichtet Hegemeister Andreas Hörtnagl. Verträglich wären rund 100 Stück, so der Hegemeister. Mit dem Streit um die Stückzahl wurde das Landesverwaltungsgericht befasst. Dem Urteil zufolge ist das Wild bis Jänner 2020 auf 125 Stück und im Folgejahr auf 100 Stück zu reduzieren. Allerdings hat der Unternehmer dagegen Revision eingelegt.

Das Bild, das sich hier zeigt, ist kein schönes. Bei einem Waldstück mit einem 40 Jahre alten Baumbestand sieht es für Laien so aus, also ob es gebrannt hätte. Tatsächlich aber sind die Bäume von Braunfäule betroffen. Dies ist eine Folge von durch Wild verursachten Schälschäden. Die Rinde ist von schwarzem Pech überzogen, die Stämme sind im Inneren von Fäule befallen. "Das ist eine Sollbruchstelle", so Üblagger, beim nächsten schweren Sturm würden sie an den befallenen Stellen abknicken. Von Schutzwaldfunktion könne keine Rede sein. Ein Stück weiter, an einem steilen Hang, gibt es einige verkrüppelte Fichten, Lärche ist keine einzige zu sehen, und das, obwohl hier massiv und mit hohem Geldeinsatz aufzuforsten versucht wurde. Wildverbiss hat den Lärchen den Garaus gemacht, die übrig gebliebenen Fichten sind schwer geschädigt. So haben sich schon deutliche Anzeichen von Erosion gezeigt. Es drohen Muren und Lawinen. Um diese Negativentwicklung zu stoppen, sei eine Verminderung des Wildbestandes unumgänglich, zeigen sich die Vertreter der Bundesforste überzeugt.

Aufgerufen am 19.10.2019 um 04:53 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/ein-gestoertes-waldidyll-im-angertal-75671137

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