Chronik

Ein Mann für die Artenvielfalt

Biologe Robert Junker von der Uni Salzburg will gestörte Ökosysteme "reparieren" und bekommt dafür jetzt einen Start-Preis von 1,2 Millionen Euro.

Das Problem ist brisant: Fast täglich sterben Arten aus. Umweltverschmutzung, Klimawandel und Landnutzungsänderungen sind verantwortlich dafür, dass Lebensräume mit den darin lebenden Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen verschwinden.

Gegensteuern, die biologische Vielfalt in gestörten Ökosystemen wieder herstellen - das ist das Ziel des 37-jährigen Nachwuchsforschers Robert Junker an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg. Er startet sein Projekt demnächst mit einem rund zehnköpfigen Team. Möglich macht das die mit 1,2 Millionen Euro dotierte Start-Förderung von Wissenschaftsfonds FWF und dem Ministerium für Wissenschaften. Junker bekommt den Preis am 12. September in Wien überreicht. An einen Forscher der Uni Salzburg wurde erst zum zweiten Mal eine derart hohe Fördersumme vergeben.

Junker ist Deutscher und lebt seit 2013 im Stadtteil Leopoldskron. Nach Salzburg zog ihn ein sehr attraktives Jobangebot, wie er sagt. Zuvor hatte der Baden-Württemberger in Konstanz und Würzburg Ökologie studiert und lehrte danach zwei Jahre in Düsseldorf.

In nächster Zeit wird er viel an den Gletschervorfeldern Österreichs unterwegs sein. Das dramatische Abschmelzen der Gletscher ist letztlich sein Glück. "Es legt Flächen frei, die davor Tausende Jahre von Eis bedeckt waren. Hier fangen Lebensräume bei null an", begeistert sich Junker. Die Forscher können relativ gut datieren, seit wann ein Gebiet eisfrei ist. In Folge schauen sie sich Sequenzen von Altersstufen an und vergleichen sie miteinander. "Was ist nach zehn Jahren da, was nach 50, was nach 150, und unterscheidet sich eine 150 Jahre alte Fläche von einer, die 500 Jahre alt ist?", sinniert der Biowissenschafter.

Handlungsanweisungen für Landschaftsplaner inklusive

Ein völlig neuer Ansatz ist, sowohl auf Tiere und Pflanzen als auch auf Mikroorganismen ein Auge zu werfen. Das macht Junker, weil er starke Wechselwirkungen vermutet. In einem zweiten Schritt wird das System ins Labor geholt. So können die Biologen überprüfen, ob ihre Entdeckungen am Feld in einem kausalen Zusammenhang stehen. Für diese Auswertungen entwickeln Junker und ein befreundeter Mathematiker soeben eine eigene Statistik. Der Abschluss des Projekts sieht dann gewissermaßen Management-Empfehlungen für Politiker und Landschaftsplaner vor. Zum Beispiel: Gibt es Schlüsselarten, die die Diversität beschleunigen? Muss man auf eine Pilzdiversität achten, wenn man viele Pflanzen will? Spannende Fragen, die in den nächsten sechs Jahren beantwortet werden wollen. Eine erste Hürde ist genommen: die der Finanzierung. Das Salzburger Projekt hat sich aus über 80 Einreichungen durchgesetzt. Mitmachen durfte nur wissenschaftlicher Nachwuchs: Forscher, zwei bis acht Jahre nach ihrer Promotion. In Salzburg hat einen Preis in dieser Höhe zuvor erst ein anderer abholen können: Manuel Schabus. Der Psychologe betreibt Schlafforschung.

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