Chronik

Ein Meter Neuschnee in den Salzburger Bergen

Winter gab mit Orkanböen bis 169 km/h, bis zu einem Meter Neuschnee in den Bergen, großer Lawinengefahr sowie gesperrten Lifte und hängen gebliebenen Autos ein kräftiges Lebenszeichen.

"Es ist noch keine Entspannung in Sicht." So kommentierte am Mittwoch Michael Butschek, Meteorologe der Wetterdienststelle Salzburg und Experte in der Salzburger Lawinenwarnzentrale die Situation. Die Messwerte hatten es in sich: "Beim Fuscher Törl sind bei einer neuen Lawinenwarnstation Orkanböen von bis zu 169 km/h registriert worden", so Butschek. In den höheren Lagen seien durchwegs Windspitzen zwischen 90 und 120 km/h gemessen worden - und eben dieser starke Wind mache es schwer, die exakten Neuschneemengen anzugeben, weil viel Schnee verweht werde. "Dennoch können wir sagen, dass wir am Mittwoch in Saalbach seit der Früh einen Zuwachs von rund 33 Zentimeter, in Abtenau 19 Zentimeter und in Radstadt rund 12 Zentimeter hatten", sagte der Meteorologe. Parallel sei es in den Bergen eisig kalt. Minus zehn Grad in Obertauern und gar minus 20 Grad am Sonnblick.

Aus dem Gasteinertal meldete Roland Pfund von der Bergrettung 90 Zentimeter Schnee im Tal und 150 Zentimeter am Berg sowie Sturmspitzen von bis zu 150 Stundenkilometer.

Für die kommenden Tage werde sich laut Wetterdienststelle die Situation im Land nicht viel ändern, im Gegenteil: Für heute, Donnerstag, und morgen, Freitag, werden zwischen 20 und 40 Zentimeter Neuschnee erwartet. Am Samstag soll nochmals ein ordentlicher Schwung Schnee mit bis zu einem Meter im Gebirge dazukommen. Mit der Folge, dass weiterhin für die Hohen und Radstädter Tauern Lawinenwarnstufe 4 herrsche. "Ohne Erfahrung sollten sich bei derartigen Verhältnissen Tourengeher und Skifahrer nicht ins freie Gelände wagen", warnte Michael Butschek.

Der starke Wind dämpfte am Mittwoch auch die Freude vieler Skifahrer in den Salzburger Skiorten. Mancherorts mussten, wie beispielsweise in Obertauern, zahlreiche Liftanlagen aus Sicherheitsgründen abgestellt werden. Lediglich kleiner Schlepplifte auf Übungshängen konnten weiter betrieben werden.

Einen vergleichbar kleineren Geschmack von einem Wintersturm verspürten am Mittwochnachmittag auch die Menschen in und rund um die Landeshauptstadt. Binnen Minuten verdunkelte sich der Himmel und dichter Schneefall mit starkem Wind verwandelte Straßen und Gehsteige in eine weiße, fast undurchsichtige, fast schon gespenstische Landschaft. Radfahrer hatten Mühe, ihre Spur zu halten, ebenso zahlreiche Lenker von Lastwagen und Autos. "Schon am Vormittag mussten die Feuerwehren zu mehreren Fahrzeugbergungen in Bergheim, Neukirchen am Großvenediger, Abtenau, Rauris und St. Margarethen im Lungau ausrücken", hieß es aus der Feuerwehrzentrale an der Karolingerstraße. In Summe seien es 25 Bergungen gewesen.

So blieb in Neukirchen ein mit 40 Personen besetzter Reisebus auf der Fahrt zum Hotel Venedigerhof im Schnee stecken. Am Bus waren keine Ketten montiert. Ortsfeuerwehrkommandant Thomas Scheuerer zu den SN: "Für uns keine große Herausforderung, solche Hilfseinsätze haben wir immer wieder."

Schneekettenpflicht gab es am Mittwoch auch für den Radstädter Tauern, nachdem zahlreiche Fahrzeuge hängen geblieben waren und die Straße für mehrere Stunden gesperrt werden musste. Auch im Raum Saalfelden, Maishofen und Zell am See sorgten die winterlichen Bedingungen für massive Behinderungen.

Viel Geduld und viel Gefühl mussten auch die Lenker auf der Tauern- und Westautobahn rund um Salzburg aufbringen. Bis zu 21 Kilometer Stau vom Knoten Salzburg bis zurück nach Kuchl meldete am Vormittag der Autobahnbetreiber Asfinag. Knapp sieben Kilometer Stau bauten sich am Nachmittag nach einem Unfall im Bereich Salzburg-Nord auf, ehe ein weiterer Unfall mit einem Lastwagen an der Landesgrenze zwischen Thalgau und Mondsee für zusätzliche Behinderungen bei den winterlichen Fahrverhältnissen sorgte.

Die bayrische Autobahn A8 in Richtung München musste am Mittwochnachmittag zwischen Anger und Neukirchen die Richtungsfahrbahn gesperrt sowie der gesamte Verkehr umgeleitet werden, damit die Schneeräumfahrzeuge durchkamen.

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