Chronik

Ein Notar bewahrt das Reich der Puppen im Salzburger Marionettentheater

Hinter den Kulissen zieht vorübergehend Notar Claus Spruzina die Fäden. Sein Herz schlägt schon seit vielen Jahren für die Kunst.

Notar Claus Spruzina ist auch in seiner Kanzlei in Hallein von Kunst umgeben: „Bei mir im Büro schaut es fast ein bisschen aus wie in einer Galerie.“ SN/marco riebler
Notar Claus Spruzina ist auch in seiner Kanzlei in Hallein von Kunst umgeben: „Bei mir im Büro schaut es fast ein bisschen aus wie in einer Galerie.“

Claus Spruzina ist Notar in Hallein und Präsident der Salzburger Notariatskammer. Seit mehr als 30 Jahren sammelt der 57-Jährige mit seiner Gattin Gabriela moderne Kunst. Die beiden fördern auch junge Künstler. 2010 hat die Familie das Schloss Wiespach aus dem 15. Jh. in Hallein gekauft und saniert und sie hat dort 2015 eine Galerie eröffnet. Gemeinsam mit dem Chef der Marketingagentur P8 GmbH, Toni Santner, hat Spruzina nun einen gemeinnützigen Verein gegründet, in den die Geschäftsanteile der Marionettentheater GmbH eingebracht wurden. Stadt und Land sichern heuer den laufenden Betrieb.

Nüchterne Juristerei und die fantastische Welt der Theaterpuppen. Was reizt einen Notar am Marionettentheater? Spruzina: Das Schöne an der Beschäftigung mit Kunst und Kultur ist, dass man für eine gewisse Zeit den Alltag zurücklassen kann. Mein ganzes Engagement für die Kunst ergibt sich daraus, dass ich sage, es gibt auch etwas anderes als die geradlinige, nüchterne Juristerei, die ich zwar liebe. Den Ausgleich finde ich aber, wenn ich abends ins Schloss Wiespach komme, mit Künstlern spreche und in eine ganz andere Welt eintauche, die faszinierend ist, die kreativ sein kann, die alles infrage stellen darf und die alles auf den Kopf stellen darf.

Woher kennen Sie das Marionettentheater? Ich war als Kind öfter mit meinem Ziehonkel dort. Er hat die Leute im Theater gekannt. Leiterin Barbara Heuberger habe ich erst vor 1,5 Jahren bei einer Veranstaltung unseres Notariats im Marionettentheater kennengelernt. Es gab damals eine kurze Puppenvorführung. Alle waren total begeistert. Bei einem Besuch bei mir im Schloss Wiespach hat mir Frau Heuberger dann die schwierige Lage des Theaters und ihre Sorgen geschildert. Ich habe ihr meine Hilfe angeboten. Sie hat mich im November kontaktiert, nachdem sie die Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet hatte.

Sie waren also der Vermittler für die jetzige Lösung? Ich habe auch mit der anderen Seite, also mit Stadt und Land, Gespräche geführt. Ich habe gemerkt, dass im Wesentlichen ohnehin alle das Gleiche wollen. Man hat einander nur nicht verstanden. Es hat sich ein gordischer Knoten entwickelt. Es bedurfte nur eines kleinen Anstoßes, um ihn zu lösen. Jetzt haben wir einen Kompromiss gefunden, durch den die Eigenständigkeit des Theaters gewahrt wird. Zugleich kommen wir der Forderung von Stadt und Land nach, ein wirtschaftliches und künstlerisches Konzept zu entwickeln.

Worin besteht Ihre Rolle? Zum künstlerischen Konzept kann ich nichts beitragen, da kenne ich mich zu wenig aus. Aber ich werde Frau Heuberger beratend zur Seite stehen.

Bis wann soll der Vorstand des Vereins stehen? Das soll in den nächsten zwei, drei Wochen erledigt sein.

Wer soll ihm angehören? Wir werden Persönlichkeiten aus verschiedensten Bereichen einladen. Wir nehmen die Expertise von Stadt und Land ernst. Beide haben uns schon Namen aus der Kunst- und Kulturszene genannt.

Werden Sie auch an den Intendanten des Landestheaters, Carl Philip von Maldeghem, herantreten? Wir wären glücklich, wenn er mit seiner Fachkompetenz mitarbeiten würde. Wir werden ihn als einen der Ersten ansprechen.

Welche Funktion bekleiden Sie und Herr Santner? Das kommt darauf an, wer mitarbeiten wird. Lieber würden wir in der zweiten Reihe bleiben.

Und wenn das Konzept steht, ziehen Sie sich zurück? Sobald der Verein gut läuft, werde ich mich verabschieden. Der Verein selbst bleibt, er stellt die Selbstständigkeit des Theaters sicher. Es braucht jemanden, der perfekt für die Führung dieses Vereins passt und das auch langfristig machen kann.

Und Herr Santner ist an Bord, weil das Theater ein Marketingproblem hat? Wir brauchen seine Expertise. Herr Santner kennt Frau Heuberger seit vielen Jahren. Das Marketingproblem ist bei der Auslastung von 37 Prozent offensichtlich. Wenn wir es schaffen, die Auslastung zu steigern und fast ausgeglichen zu bilanzieren, können wir die öffentliche Hand rasch wieder aus der Pflicht entlassen. Es wird immer wieder die eine oder andere Investition geben, die man aus dem laufenden Betrieb nicht wird finanzieren können. Unser Ziel ist aber, den Betrieb mit einer schwarzen Null hinzubekommen.

Ist das Marionettentheater überhaupt noch zeitgemäß? Es ist zeitgemäßer denn je. Die Sehnsucht der Menschen nach solchen Dingen besteht, weil sie das Kindliche wecken. Das Theater ist ein Gegenpol zu all den Dingen, die nur noch über Bildschirme flimmern. Aber es muss in die Zukunft geführt werden.

Was muss sich ändern? Es braucht auch moderne Inszenierungen und noch mehr Kooperationen, bei denen Menschen und Puppen gemeinsam auftreten. Es ist ganz wichtig, dass wir mit dem Landestheater, aber auch mit der Stiftung Mozarteum reden. Es wird auch eine große Aufgabe sein, wieder stärker in die Schulen zu gehen und Stücke für Kinder und Jugendliche zu finden. Gerade die Oper kann man Kindern auf diese Weise sehr gut näherbringen.

Waren Sie mit Ihren drei Kindern je im Marionettentheater? Nein, da bin ich ehrlich. Das ist eigentlich furchtbar. Ich werde dieses Manko mit meinen Enkelkindern wettmachen.



Aufgerufen am 02.12.2020 um 08:05 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/ein-notar-bewahrt-das-reich-der-puppen-im-salzburger-marionettentheater-64574014

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