Chronik

Ein Schwergewicht auf der Bühne

Eigentlich wollte sie Opernsängerin werden. Es kam anders. Aber ihr Drang zur Bühne ließ sich nicht aufhalten. Bina Blumencron wurde Schauspielerin.

Sich zu bewegen, ist im "Fatsuit" nicht einfach, jeder Schritt wird gebremst, jede Geste erhält einen anderen Schwung. Eine Herausforderung, die Bina Blumencron gerne annimmt und mit Bravour meistert. Im Stück "Fettes Schwein" schlüpfte sie in die Titelrolle einer selbstbewussten Dicken.

"Jedes Kostüm macht etwas mit einem, man hat ein anderes Körpergefühl. Der Satz ,Kleider machen Leute' stimmt auf jeden Fall, auch wenn es nicht immer so extrem ist wie in dieser Rolle", so Bina Blumencron, die seit einem Jahr mit ihrer Familie in Nußdorf lebt.

Als "Fettes Schwein" ein neues Körpergefühl

In dem Stück des Theaters Ecce über Vorurteile und sozialen Druck steckt viel Gesellschaftskritik. "Die Botschaft, dass man sich so annehmen soll, wie man ist, ist zeitlos gültig", sagt Blumencron. Die letzten Aufführungen am Kleinen Theater gingen vergangene Woche über die Bühne, der geplante Auftritt im Emailwerk Seekirchen musste coronabedingt leider abgesagt werden. "Ich hoffe, dass im Dezember ,Eine Weihnachtsgeschichte' nach Charles Dickens im Schauspielhaus gespielt werden kann."

Im Frühjahr "Black Rider" im Schauspielhaus

Könnten die Theater im Dezember wieder öffnen und kein weiterer Lockdown mehr folgen, wäre Bina Blumencron durchgehend bis Mitte 2021 mit Theaterprojekten beschäftigt. Im Frühjahr steht die Premiere von "Black Rider" von William Burroughs, Tom Waits und Robert Wilson mit ihrer Beteiligung im Schauspielhaus Salzburg auf dem Programm. "Ich hoffe, dass alle kleinen Theater diese schwierige Zeit überstehen. Gerade die freien Bühnen haben es schwer. Kunst und Kultur sind ein Grundbedürfnis für die Menschen." Gerade die Kultur sei aber abhängig von politischen Entscheidungen. Viele Existenzen, die gerade im Kulturbereich oft am finanziellen Limit agieren, würden ruiniert.

Entschleunigtes Leben durch Corona

Den ersten coronabedingten Lockdown im Frühjahr hat Bina Blumencron mit ihrer Familie, ihrem Partner, dem Schauspieler Gerhard Greiner, dem zweieinhalb Jahre alten Sohn Severin und Hündin Ilse allerdings gut überstanden. "Das Leben hat sich dadurch entschleunigt. Wir haben in Nußdorf einen großen Garten. Durch die Beschäftigung mit meinem kleinen Sohn war ich irgendwie abgenabelt vom restlichen Geschehen", so Bina Blumencron, die die Entscheidung, aufs Land zu ziehen, nicht bereut. "Die Leute sind total nett in Nußdorf und haben uns sehr herzlich willkommen geheißen." Blumencron gesteht, keine Hausfrau zu sein.

"Mein Mann muss kochen. Eine Herausforderung ist es auch, wenn mein Sohn um 5 Uhr Früh aufwacht, ich aber am Abend Aufführung habe." Sie gibt zu, dass sie sich manchmal ein geregeltes Leben wünsche, das es aber in ihrer Branche nicht gebe.

Die Schauspielkarriere war der 1980 in Frankfurt am Main geborenen, aber in Salzburg aufgewachsenen Bina Blumencron nicht unbedingt vorgezeichnet. "Ich habe erst mit 23 die Schauspielausbildung in Salzburg begonnen. Eigentlich wollte ich Opernsängerin werden, dazu fehlte mir aber die Disziplin."

Musikalische Leidenschaft der Frontfrau von "N' Aschling Brass"

Nach der Matura hat sie drei Jahre in den USA verbracht, war unter anderem Au-pair in Los Angeles. An einem College hat sie erste Bühnenluft geschnuppert. Nicht als Opernsängerin, aber als Sängerin in verschiedenen Bands frönt Blumencron ihrer musikalischen Leidenschaft. Als Sängerin ist sie vielen als Frontfrau von "N' Aschling Brass" aus dem Innviertel, als Bassistin der österreichischen Kabarettgruppe Bluespension und als Elva, die weibliche Reinkarnation von Elvis Presley, bekannt. "Ich singe aber auch bei Hochzeiten und habe schon vor 8000 Besoffenen am Münchner Oktoberfest gesungen. Bierzelte sind generell eine ganz besondere Erfahrung", sagt sie mit einem Schmunzeln. Ihr pragmatischer Ansatz: "Grundsätzlich mache ich alles, was mir angeboten wird und was ich kann."

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