Chronik

"Ein Studium in Österreich war schon immer mein Traum"

Alessia ist 19 Jahre alt, kommt aus Russland und studiert in Salzburg. Als ausländische Studentin hatte sie es nicht einfach, sich in Österreich zu integrieren. Mittlerweile weiß sie gar nicht mehr, ob sie in ihre Heimat zurückkehren will. Über eine junge Frau mit ehrgeizigen Plänen.

"Ein Studium in Österreich war schon immer mein Traum" SN/privat
Alessia in ihrem neuen Zuhause.

Mit Salzburg verbindet Alessia eine lange Geschichte. Das erste Mal hat sie die Stadt mit acht Jahren gesehen. Mit elf Jahren besuchte sie für einige Monate eine Internatsschule und zwei Jahre später zog die Russin als Gastschülerin des musischen Gymnasiums für rund zwölf Monate nach Salzburg. "Ein Studium in Österreich war schon immer mein Traum", erzählt Alessia. Darauf wollte sie sich bestmöglich vorbereiten. Heute hat die 19-Jährige mit den blauen Haarspitzen dieses Ziel erreicht und studiert im vierten Semester Biologie in Salzburg.

Die Sprache war die erste große Herausforderung, der sich Alessia in Österreich stellen musste. Wobei die Österreicher dann nicht mal "richtig Deutsch" sprechen, wie sie bemerkte. ",Grüß Gott, ich bin Alessia und komme aus Rostow-am-Don - das ist in Russland'. Das war alles, was ich damals auf Deutsch sagen konnte", erinnert sie sich lachend zurück. Damit einher ging die Schwierigkeit der sozialen Anbindung. Wo zu Beginn noch große Aufregung um den ausländischen Neuling herrschte, schien nach einigen Wochen dessen Existenz beinahe vergessen. Auch als die Sprachbarriere überwunden schien, "hat der Integrationsmoment immer noch gefehlt", beschreibt Alessia.

Seit diesem Jahr fühlt sie sich jedoch wohl in Salzburg. Alessia spricht nicht nur ein (fast) perfektes Deutsch - und lernt dazu aus Interesse Französisch - sie hat auch viele Bekanntschaften und Freundschaften geknüpft. Ein Verständnis für die Kultur, Politik und Geschichte des Landes betrachtet sie ebenso als wichtige Bestandteile der Integration.

"Ich habe keine Zeit zum Vermissen"

Nach Russland hat Alessia derweil viele Brücken abgebrochen. Freilich fehlen der jungen Frau ihre dortigen Kontakte. "Aber bei allem was ich hier zu tun habe, habe ich gar nicht richtig Zeit zum Vermissen", sagt Alessia. Außerdem hat sie ihre zehn Jahre ältere Schwester ganz in der Nähe. Sie hat in Salzburg studiert und ist nach Abschluss des Studiums geblieben. "Die österreichische Ausbildung kannst du mit der russischen einfach nicht vergleichen", erläutert Alessia. Neben dem Niveau ist es auch das System, das Österreich für die Studierenden attraktiv macht. "Es geht viel demokratischer zu. Es herrscht mehr Respekt", beschreibt die Russin die Situation. Sich nach diesen Erfahrungen, vor allem auf gesetzlicher und bürokratischer Ebene, wieder in Russland zu integrieren, stellt sich Alessia nicht einfach vor.

Was die Zukunftspläne betrifft, ist sich die junge Russin noch unsicher. Sicher ist lediglich: Ihr ursprünglicher Plan, nach dem Studium in die Heimat zurückzukehren, löst sich auf. Zum einen laufe ihr Leben zum Großteil bereits in Österreich ab, zum anderen seien es wirtschaftliche Gründe, die Alessia zum Nachdenken bringen. So würde in Österreich ein Studienabschluss mehr zählen als in Russland, da hier nicht jeder über einen verfügt. Tatsächlich ist der Bildungsstand, quantitativ betrachtet, in Russland überdurchschnittlich hoch: Im internationalen OECD-Vergleich rangiert Russland gar an der Spitze. Zudem gebe es in Russland weniger Arbeitsplätze, wobei es nicht nur darum geht "eine Arbeit zu finden, sondern vor allem eine interessante Arbeit zu finden". Für die nahe Zukunft strebt Alessia erstmal den Master in Biologie an, wozu sie gerne einen zweiten Abschluss hätte, in Medizin vielleicht oder in Jura. "Meine Pläne sind sehr weitreichend", ergänzt die junge Frau. Gerichtsmedizinerin zu sein, würde sie reizen, aber auch die Mikrobiologie findet sie spannend.

"Ich fühle mich international"

Mittlerweile fühlt sich Alessia mehr als Österreicherin, denn als Russin - "aber eigentlich fühle ich mich international", fügt sie hinzu. Sie liebt typisch österreichische Sportaktivitäten wie Wandern oder Skifahren. In ihrer Freizeit unterrichtet sie Slawistik-Studenten Russisch, singt oder spielt Gitarre. Auch bei "The Voice of Germany" hat sie sich schon versucht. Dass es nicht geklappt hat, findet sie nicht schlimm. Momente, an denen Alessia ihr Russland fehlt, gibt es, wenngleich sie auch immer seltener werden. "Silvester ist bei uns wie Weihnachten. Das ist eine nationale Feier, Zauberzeit, alles leuchtet, die Menschen sind so fröhlich", schwärmt die junge Frau, "Da wollte ich glatt mein letztes Geld sparen und ein Ticket zu meiner Familie kaufen." Für die Hochzeit einer russischen Freundin fährt Alessia nun tatsächlich wieder einmal in die Heimat. Zwei Wochen bleibt sie, wobei ihr das schon fast zu lang erscheint. "Fünf Tage Russland wären ausreichend", sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Dieser Beitrag wurde von Studenten der Universität Salzburg im Rahmen einer Lehrredaktion in Kooperation mit den "Salzburger Nachrichten" erstellt.

Quelle: SN

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