Chronik

Ein Trio sagt dem blauen Dunst ade

Was passiert in einer Nichtraucherschulung? Josef Kienast, Jacqueline Schrott und Josef O. wollen über sie mit dem Rauchen aufhören. Wir begleiten das Salzburger Trio bei diesem Unterfangen - sechs Wochen lang.

Etwa 3600 Österreicher sterben pro Jahr an Lungenkrebs, bei vier von fünf gilt Rauchen als Ursache.   SN/robert ratzer
Etwa 3600 Österreicher sterben pro Jahr an Lungenkrebs, bei vier von fünf gilt Rauchen als Ursache.  
Josef Kienast. SN/sw/vips
Josef Kienast.
Jacqueline Schrott. SN/sw/vips
Jacqueline Schrott.
Josef O. möchte anonym bleiben. SN/sw/vips
Josef O. möchte anonym bleiben.

Alle drei haben sie es schon probiert, zum Teil mehrmals. Offenbar aber ohne dauerhaften Erfolg, denn seit einer Woche sitzen sie gemeinsam in einem Kurs zur Rauchentwöhnung. Der intensive Geruch nach kaltem Rauch sticht bei dem Treffen als Erstes in die Nase. Das, obwohl weit und breit kein Aschenbecher zu sehen ist.

"Ich rauche seit meinem zwölften Lebensjahr. Aktuell eine Schachtel am Tag, vorher sogar zwei", erzählt Josef Kienast, Pensionist aus Taxham. Beim Minigolf hätten sie ihm gesagt, er solle mit dem Rauchen aufhören - wegen des Hustens, auch "seine Frau Doktor" sage ihm das.

Ob das als Antrieb reicht, ist fraglich. "Ohne eigene Motivation geht es nicht. Das ist die Basis", erklärt Kursleiterin Beatrix Höllbacher-Kneip. Sie ist Psychologin, seit 2013 in der Rauchentwöhnung tätig. Pro Jahr macht sie vier, fünf Kurse (siehe Kasten).

Bei der ersten Einheit vorigen Dienstagabend bekamen ihre elf Schützlinge gleich ein paar Hausaufgaben aufgebrummt. Sie müssen in einem ersten Schritt eine Stricherlliste anlegen für jede Zigarette, die sie rauchen - und zwar, bevor sie sie anzünden. Und: Sie müssen zwei Tage lang eine Art Tagebuch führen: Zu welcher Zeit rauche ich? Mit wem? Unter welchen Umständen? Welche Gefühle gehen damit einher?

"Damit lenken die Teilnehmer ihre Aufmerksamkeit auf jede einzelne Zigarette, machen sich ihr Verhalten und Risikosituationen bewusst", sagt Höllbacher. Später gehe es dann darum, für solche Situationen Alternativen in den Alltag einzubauen. "Ich will mein Doppelleben beenden", sagt Jacqueline Schrott, 29-jährige Lehramtsstudentin. Ihr Freund wisse nicht, dass sie raucht. "Ich habe das ständige Händewaschen und Zähneputzen satt. Für die Haare gibt es einen eigenen Spray, der den Zigarettengeruch dämpft. Dieses Versteckspiel will ich beenden. Ich bin ja keine 14 mehr." Dass sie ihre Sucht geheim halten konnte, liegt an ihrem Job. Schrott arbeitet zwei Mal die Woche als Kellnerin in einem Restaurant. Vier bis acht Zigaretten raucht sie am Tag - und jede Menge passiv bei der Arbeit.

Risikosituationen gilt es sich bewusst zu machen

Stichwort Risikosituationen: Die sind individuell verschieden, können sich laut Höllbacher im Beruf oder privat mit den Kindern ergeben. Immer, wenn es für die Menschen stressig ist, steigt das Verlangen nach einer Zigarette. Oder: Man ist unterwegs mit Freunden, trinkt Alkohol. "Da sinkt die Hemmschwelle", sagt Höllbacher.

Schrott hat sich zu ihrer persönlichen Risikosituation bereits Gedanken gemacht. "Meinem Chef habe ich schon gesagt, er möge mich in den nächsten Wochen nicht im Raucherbereich einteilen. Es gibt 15 Kellner in dem Restaurant und einen Raucherbereich. Ich muss dort nicht drinstehen."

Beim nächsten Treffen besprechen die Teilnehmer Auffälligkeiten in ihren Beobachtungen. Am Ende kommt ein Apotheker, der sie über Nikotinersatzprodukte aufklärt. "Sie bekommen Vorschläge, Literatur, Informationen - aber ihre jeweilige Strategie müssen die Raucher dann selbst festlegen", sagt Höllbacher. Beim dritten Treffen fixieren sie ihren individuellen Rauchstopptag - irgendwann zwischen Woche drei und vier. Von dem Erfahrungsaustausch in der Gruppe profitieren alle. Josef O. (15 Zigaretten am Tag) hat davor schon eine Therapie über die Suchthilfe gemacht: "Dort sagte man mir: Du musst glücklich werden, dann kannst du auch mit dem Rauchen aufhören. Jetzt bin ich glücklich, rauche aber immer noch so gern." Wie lange noch, wird sich weisen. Die "Stadt Nachrichten" begleiten das Trio während der nächsten Wochen. Daten & Fakten

zu den "Salzburg rauchfrei"-Schulungen: Mit finanziellen Mitteln der Gebietskrankenkasse veranstaltet AVOS - Prävention & Gesundheitsförderung Schulungen. Jede besteht aus sechs Modulen, die je 1,5 Stunden dauern und ein Mal wöchentlich stattfinden. Die Kosten liegen bei 150 Euro pro Teilnehmer. Wer vier Mal anwesend ist, bekommt von der Sozialversicherung 75 Euro zurück. Schwangeren, Eltern eines Kindes von bis zu drei Jahren, Beziehern der Mindestsicherung oder Teilnehmern bis zu 25 Jahren werden bis zu 120 Euro rückvergütet. Tel.: 0662/88 75 88-0 (AVOS) oder www.sgkk.at/rauchfrei

Die Kurse bestehen aus drei Phasen: einer Beobachtungs-, einer Veränderungs- und einer Stabilisierungsphase. Ihre Grundlage bietet das Tübinger Modell. Es zielt darauf ab, dass

die Teilnehmer nach sechs Wochen dauerhaft rauchfrei bleiben können. Durchgeführt werden die Einheiten von Psychologen.

Auf den Rauchausstieg bereitet Kursleiterin Beatrix Höllbacher-Kneip die Teilnehmer schrittweise vor. Sie schärfen zunächst ihre Selbstaufmerksamkeit und erfahren praktisch und theoretisch Wissenswertes (u. a. über die Folgen des Rauchens). Im zweiten Modul werden Auffälligkeiten im eigenen Konsum besprochen. Dann legt jeder individuell für sich einen "Rauchstopptag" fest - zwischen drittem und viertem Modul. Die letzten drei Einheiten widmen sich der Stabilisierung des neuen Verhaltens. In der Gruppe diskutiert man Zwischenerlebnisse, analysiert Risikosituationen und baut gegebenenfalls Alternativen in den Alltag ein. Außerdem werden Entspannungstechniken geschult.

Aufgerufen am 19.02.2018 um 06:36 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/ein-trio-sagt-dem-blauen-dunst-ade-23988349

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