Chronik

Ein Urgesteingeht in Pension

Ende des Jahres wird Rupert Höller nach über 40 Jahren als Amtsleiter der Gemeinde Kleinarl seinen Ruhestand genießen können.

Für alle Anliegen der Bürger zuständig und erreichbar, der Kleinarler Amtsleiter Rupert Höller.  SN/sw/riedler
Für alle Anliegen der Bürger zuständig und erreichbar, der Kleinarler Amtsleiter Rupert Höller.

"Natürlich hat sich viel in dieser langen Zeit im Gemeindeamt verändert", schmunzelt der Nebenerwerbsbauer und "waschechte" Kleinarler: "Vor 40 Jahren gab es nur ein Ein-Mann-Büro in der Gemeinde. Alles wurde händisch gemacht, ein kleiner Ölofen heizte damals die Stube. In meinem Büro waren auch der Bürgermeister und die komplette Gemeindevertretung bei Sitzungen einquartiert. Wenigstens hat sich das Rauchen in der Gemeindestube so von allein aufgehört", fügt der 62-Jährige augenzwinkernd hinzu. Insgesamt waren es fünf Bürgermeister, die Höller in seiner Amtszeit erlebte. Erst im Jahr 2001 bekam in Kleinarl der Bürgermeister übrigens ein eigenes Büro.

Seine Arbeit dokumentierte er zu Beginn noch mit einer mechanischen Schreibmaschine, erst 1991 zog der erste Computer in die Gemeindestube ein: "Der Bildschirm hatte damals eine Größe von einem jetzigen Tablet. Und die erste große technische Innovation war für uns das Fax."

Doch mit den 2000er-Jahren "ging alles ruckzuck und durch das Internet hat sich schon sehr vieles für unsere Arbeitsaufgaben beschleunigt."

Zu Beginn seiner Tätigkeit nannte man Amtsleiter übrigens "Gemeindesekretär" oder umgangssprachlich "Gemeindeschreiber". In die Amtsstube kamen die Einwohnerinnen und Einwohner zu nun eigenartig anmutenden Anliegen: "Wir haben zum Beispiel damals Tier-Pässe in der Gemeinde ausgestellt. Wenn ein Bauer ein Rind in eine andere Gemeinde transportierte, so musste er sich diesen in der Gemeinde holen. In einer Liste haben wir da nachgeschaut, ob sein Vieh auch gesund und geimpft ist." Verteilt wurden durch ihn auch sogenannte "Brot-Mehl-Scheine". Wo selbst Brot gebacken wurde, konnte man damit günstiger Mehl einkaufen. "Ich war wohl für fast alle Angelegenheiten in Kleinarl zuständig", lächelt Höller, "wenn etwa ein Bauer zu mir kam und mich darum bat, dass ich ihm eine Zeitschrift abbestellen soll, weil sie seine Frau nicht mehr lese." Auch übers Wochenende und selbst während seiner Urlaube war Höller immer für alle erreichbar: "Oft haben die Berufsschüler am Sonntagnachmittag eine Meldebestätigung gebraucht oder ein Auto musste dringend angemeldet werden. Dann bin ich halt von der Waldarbeit rasch in die Gemeinde gefahren und habe das erledigt."

Seine Arbeitszeiten und die 40-Stunden-Woche wurden dabei wohl nie korrekt eingehalten, "aber auf die Uhr schaut auch mein langjähriger Kollege und nunmehriger Nachfolger als Amtsleiter, Hans Schaidreiter, noch immer nicht."

Bürokratisch und etwas unangenehm hat Höller die damaligen "Todesfall-Aufnahmen" in Erinnerung: "Wenn es in der Gemeinde einen Sterbefall gab, so mussten wir für die Verlassenschaft alles an Besitz für die Erben dokumentieren." In den Amtsstuben herrschte früher noch teilweise Hierarchie. Während die Gemeinde nun als Servicestelle der Bürgerinnen und Bürger gilt, fürchtete man sich vor so manchem Amtsträger. "Das galt auch für uns. Denn wenn eine Reisepass-Unterlage nicht ganz korrekt ausgefüllt war, dann gab es von der Bezirkshauptmannschaft gleich ordentliche Rüffel."

Auch so mancher Bürgermeister sprach früher einfach ein Machtwort und entschied so manche Gemeindeangelegenheiten wie etwa Bauvorhaben selbst. Etwas, das nun komplett undenkbar ist: "Jede Entscheidung wird natürlich korrekt über die Gemeindevertretung abgewickelt. Im Gegenteil. Überall muss nun auch juristisch alles kontrolliert werden, denn zumeist sind bei Bauverhandlungen Rechtsanwälte eingeschaltet." Manche Aufgaben wurden dem gewissenhaften "Gemeindesekretär" auch nicht ganz freiwillig übertragen, so war er anfangs sogar noch Vorstand der Raiffeisenbank - und Obmann der Agrargemeinschaft Tappenkar Alm - mit immerhin 22 Gemeinden als Mitglieder. "Ich war ebenso Obmann und Stellvertreter unserer Musikkapelle", erzählt der frühere Tubaspieler. Höller sieht sich selbst als eher "pedantischen Menschen", doch positiv ausgedrückt müsste man eher von einem äußerst korrekten Amtsleiter sprechen. Phänomenal ist etwa sein Gedächtnis, er kennt etwa alle Kfz-Kennzeichen in der Gemeinde und kann sie ihren Besitzern zuordnen. Wichtige Ereignisse in der Gemeinde und Geburtstage hat er alle im Gedächtnis abgespeichert. Immer sei er gerne zur Arbeit gegangen, erzählt Höller, dessen letzter Arbeitstag am 31. Dezember sein wird.


Aufgerufen am 30.11.2020 um 02:29 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/ein-urgesteingeht-in-pension-94618750

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