Chronik

"Ein Winter, wie er früher oft gewesen ist"

Wegen Lawinengefahr müssen immer wieder Straßen gesperrt werden. Umgestürzte Bäume sorgen zusätzlich für Probleme.

Eine Staublawine führte vergangenen Donnerstag am Pass Lueg zu einer Sperre der Bahnstrecke. Die Geleise wurden nicht verschüttet, doch die Verbindung zwischen Golling und Werfen vorübergehend gesperrt. Weil die Salzachtalstraße (B 159) ebenfalls seit Tagen wegen der Lawinengefahr gesperrt war, musste ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden.

Wann kommt der Ausbau
der Bahnstrecke Pass Lueg?

"Ein sicherer Ausbau dieser Bahnstrecke mit einer Tunnelkette ist für uns im Pongau nach wie vor ein wichtiges Anliegen", meint der Abgeordnete und Tourismussprecher der ÖVP, Hans Scharfetter, im Gespräch mit den Pongauer Nachrichten. "Eines unserer wichtigsten mittel- bis langfristigen Verkehrsprojekte", so Scharfetter. "Die Notwendigkeit ist ja nicht nur aufgrund der Schnee- und Lawinensituation, sondern auch wegen einer nötigen Beschleunigung des Verkehrs etwa für Pendler zu sehen." Mit Nachdruck weise man wieder auf dieses große Investitionsprojekt hin und auch Landeshauptmann Wilfried Haslauer hätte dies auf seiner Prioritätenliste.

Herausforderungen

früherer Winter

Das hohe Tempo, in dem die Schneemassen in den vergangenen Tagen niedergingen, sei rekordverdächtig, so Bernhard Niedermoser, Leiter der Lawinenwarnzentrale. Von den Schneehöhen her gesehen, ist dieser Winter noch kein Rekordwinter.

"Früher gab es viel heftigere Winter", sagt Paul Kreuzberger, einer, der es wissen muss. Selbst ist er "im Katastrophenwinter 1954 geboren. Damals gab es viel Schnee und Lawinen mit Toten. In Böckstein starb etwa eine ganze Bauernfamilie durch eine riesige Lawine. Bei einem Bauern am Haidberg mussten Kinder das Dach abschöpfen und eines oder zwei sind dabei tödlich verunglückt." Paul und Peter Kreuzberger wuchsen auf einem Bergbauernhof bei Bischofshofen auf: "Wir waren zehn Kinder. In die Schule fuhren wir mit Skiern und so ging es auch zu Fuß wieder heim. Es gab ja auch keine so perfekte Straßenräumung wie heutzutage", erinnern sie sich: "Ins Tal ging es mit Holzfuhrwerken und auch die Viecher wurden zur Straßenräumung runter- und wieder raufgetrieben."

"Wir haben oft

Schutzengel gehabt"

Von 1967 bis 2005 waren die beiden Hüttenwirte auf der Mitterfeldalm (Hochkönig). Dort erlebten sie zahlreiche Lawinenabgänge und auch Unglücke hautnah mit: "1967 etwa - in einem weiteren Katastrophenwinter -, da gingen viele Lawinen ab. Unsere Schwägerin, die beim Arthurhaus gearbeitet hat, die wurde durch den Druck einer Lawine beim Fenster rausgeschleudert und harrte sechs Stunden beim Kamin aus."

Sie selbst hätten auch oft Glück und Schutzengel gehabt. "Wir waren die erste Schutzhütte mit einer öffentlichen Wetterbeobachtung und auch in der Lawinenwarnkommission seit Beginn an dabei. Öfter einmal waren wir eingeschneit", erzählt Peter, "auf einmal habe ich neben der Hütte einen Hubschrauber landen gehört. Die haben nachgeschaut, weil man von der Hütte nur mehr den Kamin gesehen hat."

Mit Skiern ins Tal

zum Impfen unterwegs

Wenn die Straßen gesperrt waren, dann fuhren sie mit den Skiern ins Tal: "Zum Impfen etwa. Da haben wir die Kinder in den Rucksack gepackt und sind los." Zurück mussten sie wieder gut zwei Stunden aufsteigen. "In den 70er-Jahren, da war im Winter einmal auch alles gesperrt und plötzlich hat es an der Tür geklopft. Zwei unerfahrene Skifahrer ohne jegliche Kenntnisse. Wir mussten das Pärchen natürlich aufnehmen, auch wenn wir geflucht haben. Sie war Französin und musste schließlich wieder dringend ins Tal. Da habe ich sie halt hinten am Rücken raufgeschnallt, sie war ja nicht so schwer. Dann sind wir zu viert mit Berta und unserem Sohn Peter über die Stegalm ins Tal gefahren. Das war aber ganz schön gefährlich, überall neben uns sind die Lawinen runtergerauscht."

Aufgerufen am 23.09.2019 um 09:59 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/ein-winter-wie-er-frueher-oft-gewesen-ist-64179436

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