Chronik

Eingedrückte Dächer und geschlossene Schulen: Schneechaos in Salzburg hält an

Große Lawinengefahr, geschlossene Schulen und die Feuerwehr im Großeinsatz: Der Winter hat Salzburg weiter fest im Griff.

Auch am Montag blieb die Wetterlage im Bundesland Salzburg angespannt. Die Feuerwehren mussten seit Samstag fast 300 Mal ausrücken, um umgestürzte Bäume zu entfernen oder Fahrzeuge zu bergen.

Auch bei der Stromversorgung gab es immer wieder Probleme. Aufgrund der enormen Schneemengen blieb die Lawinengefahr praktisch im ganzen Bundesland groß, also Stufe 4 auf der fünfteiligen Skala.

Derzeit abgeschnitten ist Obertauern, eine temporäre Öffnung für Versorgungsfahrten ist - abhängig von der Gefahrensituation - frühestens am Dienstag möglich.

Schulen bleiben geschlossen

Mehrere Schulen und Kindergärten bleiben in den kommenden Tagen wegen der Schneemassen geschlossen. Zumindest heute, Dienstag, und am Mittwoch fällt der Unterricht aus. Betroffen sind: die Volksschule und Neue Mittelschule Faistenau, die Volksschule und Neue Mittelschule in Hof, die Volksschulen in Koppl, Plainfeld, Hintersee, Radochsberg, St. Koloman und Weißbach bei Lofer. Auch das Werkschulheim Felbertal bleibt zu.

Geschlossen sind am Dienstag und Mittwoch auch die Kindergärten in Faistenau und Hintersee. "Wenn es den Bewohnern von Hintersee möglich ist zu Hause zu bleiben, dann sollten sie das auch machen", schreibt die Bezirkshauptmannschaft Salzburg-Umgebung in einer Aussendung. Die Hinterseer Landesstraße (L202) ist derzeit teilweise gesperrt, der Ort ist nur über die Almbachstraße erreichbar. Es sei jedoch nicht absehbar, wie lange diese Umleitung ob des erwarteten Neuschnees noch offen bleiben kann.

Dächer von Schnee befreien

Der Schnee auf den Häusern könnte aber zu statischen Problemen führen. Daher raten Experten Niederschlagspausen zu nützen, um die Dächer abzuschöpfen. Zwischen 50 und 70 Zentimeter Schnee sind es, die derzeit auf vielen Dächern liegen. Weitere Niederschläge werden erwartet. "Es ist in nächster Zeit auch kein Tauwetter in Sicht, was bedeutet, dass das Gewicht durch den Neuschneezuwachs immer mehr wird. Sollte es zwischendurch regnen, so sammelt sich das Wasser in Kanälen im Schnee und das verursacht auf dem Dach punktuell noch höhere Lasten", sagt Bernhard Niedermoser, der Leiter der Lawinenwarnzentrale.

Tipps des Landeskatastrophenschutzes

Der Landeskatastrophenschutz hat einige Empfehlungen für die Bevölkerung zusammengestellt, die unbedingt eingehalten werden sollen. "Skitouristen wird empfohlen, auf Ski- und Schneeschuhtouren sowie auf Abfahrten abseits der freigegebenen und gesicherten Pisten zu verzichten, auch auf Spaziergänge im Wald soll zur eigenen Sicherheit verzichtet werden", sagt Markus Kurcz, Leiter des Landeskatastrophenschutzes.
Weiters wird Hausbesitzern empfohlen, die niederschlagsarmen Phasen für das "Abschaufeln" der Hausdächer zur Minimierung des Schneedrucks zu nützen und gegebenenfalls auch private Firmen hinzuziehen.
Es ist im gesamten Landesstraßennetz mit Schnee oder Schneematsch zu rechnen. In tieferen Lagen sind die Straßen nass. Die Fahrgeschwindigkeit ist den Straßenverhältnissen anzupassen und mit besonderer Aufmerksamkeit zu fahren.
Durch den anhaltenden Wind können Schneeverwehungen den Verkehr zusätzlich behindern. "Nicht notwendige Autofahrten sollen vermieden werden und die Gefahr von Dachlawinen beachtet werden", sagt Kurcz.

1586 Feuerwehrleute im Einsatz

Bis Montag um 6 Uhr verzeichnete die Landeswarnzentrale 289 Feuerwehreinsätze in den Landbezirken. 1586 Feuerwehrleute waren damit beschäftigt, umgefallene Bäume zu beseitigen, Fahrzeuge zu bergen oder Hausdächer von der massiven Schneelast zu befreien. Bis am Montag um 14 waren die Helfer noch bei 80 Fällen mit rund 400 Mann im Einsatz. Am stärksten betroffen waren die Bezirke Flachgau und Tennengau. Alleine in Thalgau musste die Feuerwehr zu 26 verschiedenen Einsätzen ausrücken, in Abtenau wurden die Helfer 22 Mal gerufen. In Koppl stürzte das Dach des Gewächshauses einer Gärtnerei ein. Verletzt wurde niemand. Die Feuerwehr übernahm die Aufräumarbeiten und befreite das Dach von der Schneelast.

Stromausfälle fordern Techniker und Monteure

Aufgrund der Schneemengen gab es auch am Montag bei der Stromversorgung weiterhin große Probleme. Um etwa 9 Uhr waren laut Salzburg AG noch rund 1500 Haushalte ohne Strom, gegen 14 Uhr waren es noch rund 520 Haushalte. Diese Zahl ändere sich aber laufend, denn kaum seien an einem Ort die Schäden behoben, komme es wo anders zu einem neuen Problem, sagte eine Unternehmenssprecherin zur APA. Betroffen waren vor allem die Gemeinden Hintersee, Faistenau und Fuschl im Flachgau sowie Abtenau, St. Koloman und Annaberg-Lungötz im Tennengau. Am Montagvormittag standen rund 200 Techniker und Monteure im Einsatz.

Enorme Schneemengen auf den Bergen

Der Lawinenwarndienst des Landes berichtete am Montag von einer weiterhin angespannten Lage aufgrund der enormen Schneemengen. Die Gefahr, dass Lawinen spontan abgehen, sollte aber heute abnehmen. Einzelne große bis sehr große Abgänge aus stark eingewehten Bereichen seien aber weiter denkbar, betroffen sind alle Hangrichtungen. Auch größere Gleitschneelawinen sind möglich, und zwar im extrem steilen Grasmatten-Gelände. Da die oberste Schneeschicht noch instabil sei, wird vor Skitouren und Fahrten im freien Gelände weiterhin abgeraten. Aussicht auf wirkliche Entspannung gibt es dem Bericht zufolge keineswegs, vielmehr werde sich die Situation im Lauf der Woche wieder deutlich zuspitzen.

Auch die Liste der wegen Lawinengefahr gesperrten Straßen blieb zu Wochenbeginn lang. So war Obertauern weiterhin von beiden Passseiten abgeschnitten. Auch die Pinzgauer Bundesstraße B311 musste zwischen Saalfelden und Weißbach wegen Lawinengefahr gesperrt werden, ebenso die Salzachtal Bundesstraße B159 im Bereich Pass Lueg.

Ausgewählte Daten und Fakten

  • 700 bis 800 ehrenamtliche Mitglieder der 90 Lawinenwarnkommissionen schätzen die Lage im ganzen Land laufend ab und treffen kurzfristig Entscheidungen.
  • Bislang waren insgesamt 71 Feuerwehren bei 289 Einsätzen mit 1586 Mann im Einsatz.
  • 1500 einsatzfähige Bergretter stehen bereit, 500 weitere Helfer übernehmen organisatorische und logistische Aufgaben.
  • Vier Lawineneinsatzzüge des Bundesheeres in Hochfilzen, Tamsweg, St. Johann im Pongau und Saalfelden sind in Rufbereitschaft. Ein Zug besteht aus bis zu 32 Soldaten.
  • 180 Landes-Mitarbeiter stehen für den Räum- und Streueinsatz der 1400 Kilometer Landesstraßen mit bis zu 50 Lastwagen und Unimogs mit Pflügen, Streugeräten und -fräsen zur Verfügung.
Quelle: SN

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