Hubschrauber war ihm zu teuer: Bergretter mussten Wanderer zu Fuß bergen

Er war schlecht ausgerüstet und wollte trotzdem auf den Untersberg. Dann verließen ihn die Kräfte. Der Polizeihubschrauber stieg auf - und musste wieder abdrehen.

Hubschraubereinsatz – einem Wanderer auf dem Untersberg war das zu teuer ...

Am Dienstagnachmittag ist die Bergrettung Grödig zum dritten Mal in kurzer Zeit zu einem Einsatz am Untersberg alarmiert worden: Wieder einmal galt es einen Wanderer zu bergen, der aufgrund der Bedingungen nicht mehr weiterkonnte.

Der 22-jährige US-Amerikaner war am Dopplersteig unterwegs, als er auf etwa 1300 Metern Höhe die Einsatzkräfte verständigte. "Drei unserer Bergretter wurden vom Team des Polizeihubschraubers zu dem schlecht ausgerüsteten Mann geflogen. Er hatte eine Taubergung durch die Polizei aus Kostengründen verweigert", sagt Manfred Haas, der Ortsstellenleiter von Grödig. "Unsere Leute brachten ihn dann zu Fuß ins Tal."

Ohne Versicherung wird es teuer

Das Innenministerium betrachtet seine Hubschrauberflotte nicht als Lufttaxi: Für die Bergung von Wanderern im Gebirge fallen im Schnitt Kosten in Höhe von rund 3500 Euro an. Und wenn Ausflügler keine Bergekostenversicherung haben, müssen sie eben tief in die Tasche greifen (Ausnahmen sind medizinische Notfälle o. Ä.).

Auch die Bergrettung rückt nicht um "Gottes Lohn", sprich: kostenlos, aus. Pro Einsatzkraft und pro Einsatzstunde dürfen die Ehrenamtlichen 46 Euro verrechnen. Da können schon einmal ein paar Hundert Euro zusammenkommen, der Mindestsatz beträgt nämlich 250 Euro. Der Fördererbeitrag für die Bergrettung beträgt hingegen nur 28 Euro pro Jahr. Damit sind Bergekosten bis 25.000 Euro abgedeckt. Und zwar für den Förderer und dessen Angehörige im selben Haushalt...

"Es ist noch immer gefährlich"

Das war bereits der dritte Einsatz innerhalb kürzester Zeit für die Grödiger Bergretter. Zuvor verstiegen sich deutsche Wanderer bei der Klingeralm und am Reitsteig: "Die ohnehin noch gesperrten Steige und Wege am Untersberg sind teilweise vereist und weiter oben liegt noch pickelharter Schnee. Das ist für die teilweise doch schlecht ausgerüsteten Wanderer auch sehr gefährlich, im vergangenen Jahr hatten wir zu dieser Zeit auch Abstürze", warnt Haas.

Allein ein Blick auf den Untersberg würde reichen, um zu erkennen, dass auf dem mehr als 1800 Meter hohen Gebirgsmassiv vor allem an der Nordseite noch viel Schnee liegt. Die Schneegrenze liegt in etwa bei 1000 Metern Seehöhe. Und an der Nordseite befinden sich eben die erwähnten Routen Dopplersteig, Reitsteig und Klingersteig ...

Leichtsinnige und zumeist ortsunkundige Wanderer sind aber nicht nur auf dem Untersberg unterwegs. Am Wochenende mussten Bergretter in St. Wolfgang (OÖ) gleich drei schlecht ausgerüstete Wanderer vom Schafberg holen. Eine vierte Beteiligte kam zuvor nach einem medizinischen Notfall per Hubschrauber ins Krankenhaus.