Chronik

Emissionsfreier Airport: Zwischen "Greenwashing" und "politischem Wahnsinn"

Die Ansage des Flughafens, bis 2050 kein CO2 mehr ausstoßen zu wollen, hat einen politischen Schlagabtausch ausgelöst. Nun fordern auch die Landes-Grünen eine Kapazitätsgrenze für den Airport.

Der Salzburger Flughafen hat kürzlich diesen Elektro-Cargo-Lader angeschafft. SN/airport
Der Salzburger Flughafen hat kürzlich diesen Elektro-Cargo-Lader angeschafft.

Nicht nur die angekündigten Großinvestitionen in eine neue Pistenentwässerung, die Sanierung eines Rollwegs sowie der Neubau des Terminal 1 um in Summe deutlich mehr als 100 Millionen Euro sorgen für Diskussionen. Das werde "zwangsläufig eine Erhöhung der Flugkapazitäten und damit eine unkontrollierte Verstärkung der Lärmbelastungen" zur Folge haben, kritisierte der neue Obmann des Anrainerschutzverbands Salzburg Airport (ASA) Michael Lederer. Er forderte ein "klares Konzept für die mittel- und langfristige Entwicklung des Stadtflughafens Salzburg unter Einbeziehung der Bevölkerung". Bürgerlisten-Stadträtin Martina Berthold meinte, es sei auch die "Standortfrage" zu stellen.

Bürgerliste ortet "Greenwashing"

Nun sorgt eine wesentlich kleinere Investition politisch für Aufregung: Der Salzburger Flughafen hat kürzlich einen Elektro-Cargo-Lader angeschafft und angekündigt, ab 2050 kein CO2 mehr ausstoßen zu wollen. Der Airport könne damit nicht vorgeben, dass der Flugverkehr keine klimaschädliche Wirkung habe, hieß es prompt von Bürgerlisten-Gemeinderat Bernhard Carl. Er forderte ein Konzept "sowohl in Hinblick auf seine Lage als auch als Mitverursacher der klimaschädlichsten Form zu reisen", anstatt "Greenwashing" zu betreiben.

"Wirtschaftspolitischer Wahnsinn"

Mit der Ansage hat Carl den Zorn der Gewerkschaft auf sich gezogen. Es sei viel zu tun, "die Umstellung der Flughafen-Bodenflotte auf Elektrofahrzeuge kann dabei nur der Anfang sein. Aber den Flughafen als solchen in Frage zu stellen ist ein wirtschaftspolitischer Wahnsinn", hieß es von Gerald Forcher, Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG). Der Bürgerliste wirft er Unverhältnismäßigkeit vor. Die FSG werde "den Flughafen verteidigen und auf die Mitarbeiter aufpassen".
In dieselbe Kerbe schlägt die Wirtschaftskammer. "Das sind wichtige Investitionen in den Klimaschutz, die man sich beim Flughafen vorgenommen hat und die nicht kleingeredet werden dürfen", sagte Wirtschaftskammer-Präsident Manfred Rosenstatter. Er stelle sich die Frage, "ob man es den Grünen überhaupt recht machen kann, wenn jede Klimaschutzmaßnahme ohnedies nicht weit genug geht". Er befürchte, dass der Klimaschutz als Vorwand genommen werde, den Flughafen generell in Frage zu stelle.

Landes-Grüne fordern Kapazitätsgrenze

Nach der Bürgerliste in der Stadt machen auch die Landes-Grünen Bedenken geltend. Der Flughafen müsse sich in Zeiten der Klimakrise "die Frage gefallen lassen, in welche Richtung er sich entwickeln will", meinte die grüne Klubobfrau Kimbie Humer-Vogl. Sie forderte vom Airport, eine Kapazitätserweiterung auszuschließen. Derzeit fertigt der Airport etwa 1,8 Millionen Passagiere im Jahr ab.

Quelle: SN

Aufgerufen am 23.01.2020 um 09:17 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/emissionsfreier-airport-zwischen-greenwashing-und-politischem-wahnsinn-80737633

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