Chronik

Endlich wieder Geburtstag!

Anna Maria (Mitte) feiert heuer ihren 24., aber gleichzeitig auch ihren 6. Geburtstag. Bild: /mic SN/sw
Anna Maria (Mitte) feiert heuer ihren 24., aber gleichzeitig auch ihren 6. Geburtstag. Bild: /mic

"Eigentlich würde ich ja heuer erst in die Schule kommen", scherzt Anna Maria vor ihren Freundinnen. Der Grund: Sie ist in einem Schaltjahr geboren, und zwar im Jahr 1996. Also feiert sie heuer - theoretisch - erst ihren 6. Geburtstag. Bemerkt hat die gebürtige Brasilianerin, die im Alter von zwei Jahren nach Österreich kam, diese Besonderheit erst in der Volksschule: "Die haben mich gefragt, wann ich Geburtstag habe, und als ich antwortete 'am 29. Februar', haben alle laut gelacht und gesagt 'den gibt es doch heuer gar nicht'."

Probleme hat ihr das aber nie bereitet. Im Gegenteil: "Viele haben sich meinen Geburtstag besonders leicht gemerkt, weil das ja so ein außergewöhnliches Datum ist. Und auch heute noch rufen mich Freunde von früher an und gratulieren mir, wenn wir, so wie heuer, ein Schaltjahr haben."

Ihren Jubeltag in der kommenden Woche feiert sie eher bescheiden zelebriert. Anna Maria ist zu diesem Zeitpunkt nämlich am Arlberg, und ihre Freunde in Salzburg. Als gelernte Restaurantfachfrau ist sie viel außerhalb Salzburgs im Einsatz, obwohl sie eine kleine Wohnung in Salzburg-Gnigl hat. "Ich habe schon voriges Jahr gewusst, dass ich heuer nicht da sein werde und deshalb entsprechend vorgefeiert. Mit ca. 30 Freunden in einem Lokal in der Stadt." Ansonsten legt sie ihren jährlichen Ehrentag auf den 1. März. Denn Vorfeiern bringt angeblich Unglück.

Verantwortlich dafür, dass wir alle vier Jahre einen Tag im Februar einschieben müssen, ist die Bewegungsgeschwindigkeit der Erde. Diese stimmt nicht mit unserer Zeiteinteilung überein. Denn: Auf ihrem Weg einmal um die Sonne herum verliert die Erde jedes Jahr sechs Stunden. Mal vier gerechnet können diese Stunden in Form eines ganzen Tages ausgeglichen werden.

So weit die mathematischen Details. Aber wie wird der Schalttag von den Menschen emotional wahrgenommen? "Für werdende Eltern ist es auf alle Fälle kein Wunschtermin", weiß Barbara Wymetal-Hochleitner, Hebamme in der Privatklinik Wehrle-Diakonissen. "Eher wünschen sich Eltern heuer, dass ihr Kind am 20. Februar geboren wird."

Traditionell wurde das Datum eher als Unglück statt als Segen wahrgenommen. Sprüche im Stile von "Wer im Schaltjahr ist geboren, hat von Anfang an verloren" waren und sind keine Seltenheit. Dem Aberglauben nach werden Schaltjahre regelrecht als Katastrophenjahre bezeichnet, weil nach diesem gerne alles, was vom Normalen und Geregelten abweicht als "unglückbringend" angesehen wird. Kindern, die am 29. Feburar geboren sind, wird zugeschrieben, Geister sehen zu können. Zudem glauben viele, dass man in einem Schaltjahr keine großen Lebensentscheidungen treffen sollte - vor allem nicht heiraten. Und schon gar nicht am 29. Februar, denn so eine Ehe halte nicht. Was das Standesamt allerdings nicht bestätigt: "2020 ist ein ein ganz normales Jahr", heißt es dort. In Österreich haben etwa 6.000 Menschen am Schalttag Geburtstag, weltweit sind es um die fünf Millionen.

Statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, an einem 29. Februar geboren zu werden, sehr gering. Im Reich der Promis gehören etwa der deutscher Fußball-Nationalspieler und Weltmeister 2014, Benedikt Höwedes, dazu. Auch das deutsche Model Lena Gercke ist am 29. Februar geboren, sowie der Komponist Gioachino Rossini. Er ist unter anderem für die Oper "Der Barbier von Sevilla" bekannt und wurde im Jahre 1792 im italienischen Pesaro geboren.

Wirtschaftlich bedeutet der Schalttag eine Steigerung des Volkseinkommens. Zumindest hat der zusätzliche Arbeits- und Konsumationstag Österreich im vorangegangenen Schaltjahr 2016 ein Plus von geschätzten 1,2 Milliarden Euro eingebracht.

Aufgerufen am 20.09.2020 um 11:02 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/endlich-wieder-geburtstag-83988688

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