Chronik

Er ist der Hahn im Korb der Tagesmütter

Gerade einmal vier von rund 280 Tageseltern salzburgweit sind Männer. Einer davon ist der 50-jährige Kuchler Helmuth Atzmüller, der im Jänner seine Tätigkeit beim Salzburger Hilfswerk aufnimmt.

Helmuth Atzmüllers 19-monatige Enkelin Savannah kann sich freuen: Sie bekommt bald Spielgefährten.  
Helmuth Atzmüllers 19-monatige Enkelin Savannah kann sich freuen: Sie bekommt bald Spielgefährten.  

Helmuth Atzmüller hat in den vergangenen 20 Jahren die KOWE-Behindertenwerkstätte in Puch mitaufgebaut und geleitet, nun möchte er sich in der Kinderbetreuung engagieren. "Ich war bereits neben meinem Studium einmal in einer Krabbelgruppe tätig und wollte jetzt wieder mit kleinen Kindern arbeiten", sagt der 50-Jährige. Für die Arbeit als Tagesvater hat er sich bewusst entschieden: "Man kümmert sich um weniger Kinder, kann individueller auf sie eingehen. Und hier kann ich mich innerhalb unserer pädagogischen Richtlinien bei der Gestaltung unseres gemeinsamen Alltags besser von den Kindern und meinen eigenen Vorstellungen leiten lassen. "

Die meisten Kinder, die bei Tageseltern betreut werden, sind ein bis drei Jahre alt, und gerade dieser Lebensabschnitt sei prägend wie kein anderer, sagt der studierte Psychologe, der gerade berufsbegleitend noch die obligatorische Zusatzausbildung des Hilfswerks für Tageseltern absolviert. Deshalb seien ihm auch die Selbstwirksamkeit der Kinder und das individuelle Eingehen auf die Kinder besonders wichtig: "Es ist eine sehr unterschätzte Zeit. Die Inhalte dieser Jahre sind zwar später selbst nicht mehr erinnerbar, aber sehr wirkmächtig. Was ich da an guten oder auch schlechten Erfahrungen gesammelt habe, begleitet mich ein ganzes Leben lang."

"Manche Eltern wollen explizit einen Mann als Betreuung"

Erfahrungsgemäß gebe es bei manchen Eltern zwar Vorbehalte gegen einen Mann als Kinderbetreuer, sagt Dorina Simko, Hilfswerk-Bereichsleiterin für Kinderbetreuung im Tennengau: "Umgekehrt gibt es aber auch das genaue Gegenteil, nämlich dass Eltern explizit einen Mann wollen. Grade für Alleinerzieherinnen ist es vielleicht ein Argument, dass die Kinder eine männliche Bezugsperson bekommen."

Insgesamt arbeiten mehr als 280 Tageseltern in Salzburg für die Anbieter Hilfswerk und Tageselternzentrum (TEZ), 51 davon im Tennengau. Salzburgweit hat das TEZ drei Männer "im Einsatz", je einen im Flachgau, Tennengau und in der Stadt Salzburg, beim Hilfswerk ist Helmuth Atzmüller derzeit der Hahn im Korb unter mehr als 100 Tagesmüttern.

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