Chronik

Ernst Wageneder und die rote Couch: "Der Herr Pfarrer strahlt etwas Positives aus"

Seit Wochen ist Seelsorger Ernst Wageneder mit seiner roten Couch in der Mozartstadt unterwegs und leiht den Salzburgern sein Ohr.

Ernst Wageneder auf der roten Couch im Gespräch mit Liselotte Fally. SN/susanna berger
Ernst Wageneder auf der roten Couch im Gespräch mit Liselotte Fally.

Ernst Wageneder hält eine Zeitung in der Hand. Mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht geht er auf eine ältere Frau zu. "Darf ich Ihnen das ,Rupertusblatt' mitgeben, gnädige Frau?" Diese schüttelt den Kopf und geht weiter. Dann bleibt sie doch stehen und schaut sich neugierig um. Wie fast jeden Donnerstag ist Ernst Wageneder - seit September 2021 in der Seelsorge der Erzdiözese Salzburg tätig - auch an diesem unfreundlichen Wintertag auf der Salzburger Schranne unterwegs. Gemeinsam mit der roten Couch, die hinter ihm vor dem Eingangsportal der Andräkirche steht. Sie ist zu einem Markenzeichen geworden. Sie lädt zum Gespräch ein. "Normalerweise predigen wir Pfarrer von der Kanzel und die Menschen hören uns zu. Hier ist es einmal umgekehrt", sagt Wageneder.

Wenig später nimmt die Salzburgerin Liselotte Fally darauf Platz. Sie erzählt aus ihrem Leben. Dann unterhält sie sich mit Wageneder über das aktuelle Corona-Geschehen. Irgendwann landen sie bei der Position der Kirche, was diese Thematik angeht. "Ich hatte ein Gespräch über die Haltung des Papstes zur Impfpflicht", sagt Hermann Signitzer, der wie Wageneder Mitglied im Team "Pastorale Innovation" der Erzdiözese ist und ihn an diesem Tag begleitet.

"Aber am häufigsten geht es in den Gesprächen um die Spaltung in der Gesellschaft. Darüber, dass es viel besser wäre, wenn wir zusammenhalten würden", so Wageneder. Dem stimmt die Musikstudentin aus dem Waldviertel zu. Sie findet es gut, dass ein Mann der Kirche aktiv auf Menschen zugeht. "Es ist schön, dass er das in Angriff nimmt. Da gibt es viel zu tun." Sie habe kein Problem damit, von Wageneder einfach so angesprochen zu werden. "Ich kenn' den Herrn Pfarrer zwar nicht. Aber er strahlt etwas Positives aus."

Und so spricht Wageneder an diesem Vormittag gut 20 Menschen an. Manche gehen weiter, andere bleiben stehen. Er könne mit jeder Reaktion umgehen. "Ich bin doch Pfarrer." Sein Erscheinungsbild - der weiße Kollar sowie die Jacke mit dem Emblem der Erzdiözese darauf - helfe ihm dabei, Kontakt aufzunehmen. Die Gesprächsthemen hält der gebürtige Oberösterreicher in einem Tagebuch fest. Der Inhalt soll aufzeigen, was die Menschen bewegt. Dazu gehörten hin und wieder auch harsche Kritik an der Kirche oder völlig neue Denkansätze. Kürzlich habe ein Mann in einem Gespräch dazu angeregt, die Marke Kirche zu überdenken. "Nach dem Motto, es ist nicht so schlecht, was wir in der Kirche machen, aber mit dem Begriff Kirche könne man das niemandem mehr verkaufen." Da müsse er schon schlucken.

 Hier trifft Ernst Wageneder auf der Schranne – stehend, ohne Couch – Maria und Rudolf Nobis aus Michaelbeuern.  SN/susanna berger
Hier trifft Ernst Wageneder auf der Schranne – stehend, ohne Couch – Maria und Rudolf Nobis aus Michaelbeuern.

Zehn Gespräche werden es an diesem Vormittag. Unter die Gesprächspartner gesellt sich auch das Ehepaar Nobis aus Michaelbeuern, das die kirchliche Gemeinschaft in seinem Heimatort lobt. Dann erblickt Wageneder zwei bekannte Gesichter aus seiner Zeit als Pfarrer in Mondsee. Man tauscht sich kurz aus, freut sich über das unverhoffte Wiedersehen. Mit Grüßen an Freunde verabschiedet er sich. Dann wird die Couch in der Andräkirche verstaut.

Für die kalten Wintermonate hat Ernst Wageneder schon einen neuen Standplatz für das Möbelstück im Auge. "Ich würde gerne im Europark mit Menschen ins Gespräch kommen." Die Verantwortlichen dort würden sich noch zurückhaltend geben. "Ich verfasse gerade ein Exposé, damit man dort weiß, was es mit mir und der Couch auf sich hat."

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