Chronik

"Es gibt keine Visionäre mehr"

Mit Ende Jänner tritt eine Seilbahner-Legende ab: Der führende Manager von "Snow Space" in Flachau und Wagrain, Ernst Brandstätter, verlässt nach über drei Jahrzehnten das Seilbahnunternehmen.

Der Nachtslalom in Flachau fand zum siebten Mal statt und ist Ernst Brandstätters letztes Rennen als OK-Chef. SN/sw/riedler
Der Nachtslalom in Flachau fand zum siebten Mal statt und ist Ernst Brandstätters letztes Rennen als OK-Chef.

"Drei Jahrzehnte habe ich über alle Investitionen mehr oder weniger alleine entschieden", blickt Ernst Brandstätter, der Geschäftsführer von "Snow Space", zurück. "Vieles war sicher manchmal grenzwertig, doch der Drahtseilakt ist für die Region gelungen", blickt er stolz zurück.

Brandstätter war eine der prägendsten Gestalten bei der Entwicklung des Tourismus und der Seilbahnwirtschaft im Pongau. Er hat den Aufstieg von Flachau zur Top-Winter-Destination vorangetrieben. Brandstätter kam 1986 als gelernter Bankkaufmann zu den Bergbahnen Flachau: "Damals waren diese mit 700 Mio. öS hoffnungslos verschuldet. Es gab eine einzige kuppelbare Seilbahn und nur alte Lifte. Heute haben wir nur noch kuppelbare Seilbahnen mit Sitzheizung. Wir waren die Ersten mit perfekter Beschneiung und zusätzlichem Komfort wie beispielsweise Wetterschutzhauben, beheizten Sitzen, und wir hatten damit auch den ersten 8er-Sessellift."

1996 wurde Brandstätter Geschäftsführer und Mitbegründer der Salzburger Sportwelt. 2000 war er maßgeblich an der Gründung des Skiverbunds Ski amadé beteiligt. Mit der Fusion der beiden Bergbahnen Wagrain und Flachau 2017 wurde er zusätzlich zu einem der drei Vorstände der Bergbahnen AG Wagrain bestellt. Als Alleingeschäftsführer war er drei Jahrzehnte maßgebend für den Aufstieg der Bergbahnen Flachau zu einem Leitbetrieb der österreichischen Seilbahnwirtschaft verantwortlich. "Natürlich habe ich auch die Bedeutung der Skirennläufer für die Region erkannt und war einer der ersten, der etwa Hermann Maier oder Michi Kirchgasser gesponsert hat. Ich habe die Nationen 1989 zuerst zum Trainieren nach Flachau gebracht. Die Marke Flachau zu positionieren, das war mir immer wichtig." Dank seiner Kontakte zur FIS und zum österreichischen Skiverband holte er in Folge den Skiweltcup nach Flachau. "Insgesamt waren es 26 Weltcup-Rennen."

Der jährliche Damen-Nachtslalom hat mittlerweile weltweit Kultstatus erreicht. So war er als treibende Kraft einst hinter der Olympia-Bewerbung von Salzburg, "aber ich habe die politischen Grabenkämpfe völlig unterschätzt".

Gemeinsam mit den Bergbahnen Zauchensee habe man die komplette Bewerbung vorfinanziert, in der Hoffnung, dass es dann übernommen wird: "Ich war immer ein wilder Hund. Vieles ist heute natürlich unvorstellbar, was wir damals gewagt haben. Dafür gibt es heute keine Visionäre mehr. Wir haben sehr viel bewegt und waren in der internationalen Presse. Das war und ist eine nachhaltige Wertschöpfung für die ganze Region Salzburg." Aber damals habe man, bei der Olympia-Bewerbung, zu klein gedacht: "Unsere komplette Bewerbung hat so viel gekostet wie eine Veranstaltung von Putin. "

Die Anfangszeiten seien ohne das "große und übergreifende Denken aller Beteiligter, auch jenes der Gemeinden, Grundbesitzer und aller beteiligten Unternehmer", gewaltig an Investitionen gewesen: "Als alleiniger Geschäftsführer musste ich eine jährliche Umsatzsteigerung von 25 Prozent schaffen und alles alleine entscheiden und dafür haften." So wurden unter der Geschäftsführung von Ernst Brandstätter in den letzten Jahren gut 375 Mio. Euro investiert. Snow Space ist mittlerweile eines der erfolgreichsten Seilbahnunternehmen und schreibt aktuell einen Jahresumsatz von etwa 70 Mio. Euro.

Was der 62-jährige Ebener künftig machen wird, das verrät er nicht, nur: "Ich bekomme viele Anrufe, bis hin nach Russland. Auch viele Angebote für ehrenamtliches Engagement. Aber ich habe mich noch nicht entschieden. Zuerst mache ich eine kleine Auszeit."

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