Chronik

"Es ist kein Kavaliersdelikt, Tiere auszusetzen"

Vor allem in der Urlaubszeit mehren sich die Fälle von ausgesetzten Hunden, Katzen oder auch Meerschweinchen. Kürzlich wurde eine Achatschnecke in freier Wildbahn gefunden. Tierexpertin Gundi Habenicht vergleicht die ausgesetzten Tiere mit "Wanderern in Bergnot".

Landesrätin Maria Hutter mit Rotwangen-Schmuckschildkröte aus dem Zoo Salzburg.  SN/lmz/thomasser
Landesrätin Maria Hutter mit Rotwangen-Schmuckschildkröte aus dem Zoo Salzburg.

Zurückgelassen, angebunden, weggeworfen: Jedes Jahr zur Urlaubszeit trifft dieses Schicksal Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und andere Heimtiere. Immer öfter werden auch exotische Arten ausgesetzt. Gundi Habenicht von der Naturschutzabteilung des Landes: "Kürzlich wurde in Salzburg eine tropische Achatschnecke in freier Wildbahn gefunden, wie sie häufig in Zoohandlungen angeboten wird. Diese Tiere können den strengen Winter bei uns nicht überleben und sterben qualvoll." Habenicht vergleicht die ausgesetzten Tiere mit "Wanderern in Bergnot".

Landesrätin Hutter appelliert an das Verantwortungsbewusstsein

Natur- und Tierschutzreferentin Landesrätin Maria Hutter appelliert in den ersten Ferienwochen an das Verantwortungsbewusstsein: "Wer ein Tier nicht mehr halten kann oder will, soll sich an Tierheime, Zoos oder fachkundige Stellen wie Tierärzte wenden. Meist findet man gute und einfache Lösungen, die kein Leid verursachen."

Wer ein Tier aussetzt, macht sich strafbar

Wer ein Tier aussetzt, begeht Tierquälerei und macht sich strafbar. Dasselbe gilt für das Einbringen von exotischen Tieren, die das heimische Ökosystem gefährden. Das Salzburger Tierschutzgesetz sieht Geldstrafen von bis zu 14.600 Euro vor. Bei Vorliegen besonders erschwerender Umstände - wie etwa nicht wieder gutzumachender abträglicher Auswirkungen oder großer wirtschaftlicher Vorteile der Tat - können sogar Geldstrafen von bis zu 36.500 Euro verhängt werden. Landesrätin Hutter rät, sich schon vor der Anschaffung eines Tieres damit zu befassen, mit welchem Zeit- und Kostenaufwand das verbunden ist. "Man muss sich klar sein, dass man die Verantwortung für dessen gesamte Lebenszeit übernimmt". Experten raten darüber hinaus davon ab, sich Exoten ins Wohnzimmer zu holen. Schlangen, Echsen, Spinnen und andere benötigen meist mehr Pflege als gedacht oder werden einfach zu groß für das eigene Terrarium.

Schildkröten und Waschbären passen sich an

Einige "Fremdlinge" sind so anpassungsfähig, dass sie andere Arten verdrängen. Vor allem die aus Nordamerika stammenden Gelbwangen- oder Rotwangen-Schmuckschildkröten fühlen sich in heimischen Gewässern mittlerweile sehr wohl. Sie ernähren sich überwiegend von Amphibien und stellen für viele gefährdete Arten eine zusätzliche, ernstzunehmende Bedrohung dar. "Problematisch sind auch eingewilderte Waschbären, die unsere Kleintiere, Vögel und Pflanzen fressen und damit Nahrungsnetze gravierend verändern", sagt Habenicht.

Eine EU-Verordnung listet 37 Pflanzen und Tiere auf

Seit 2015 regelt eine EU-Verordnung den Umgang mit invasiven, gebietsfremden Arten. 37 Pflanzen und Tiere sind aufgelistet, die nicht in die EU-Länder eingeführt, dort gehalten oder freigelassen werden dürfen. Dazu zählen Waschbär und Rotwangen-Schmuckschildkröte so wie der Signalkrebs und der Rote amerikanische Sumpfkrebs - ein Überträger der für heimische Arten tödlichen Krebspest.

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