Chronik

Es liegt viel gefährliches Holz im Wald

Die enormen Schneemassen im Winter haben Bäume erdrückt. Die könnten schon bald für Wildbäche ein gefundenes Fressen sein.

Lawinenkegel und Wildbäche werden im Pongau seit Jahrzehnten verbaut. Warum Gebietsbauleiter Anton Pichler und seine Kollegen dennoch keine "ruhige Zeit" ins Haus steht, beantwortet der Experte im "Pongauer Nachrichten"-Gespräch vor Beginn einer erneut bauintensiven Saison und lobt die Arbeit der ehrenamtlichen Lawinenwarnkommissionen im Pongau:


Redaktion: Sind wir in Anbetracht der enormen Schneemassen und der Lawinengefahr in diesem Winter glimpflich davongekommen?


Pichler: Durchaus! Verbauten wie bei der Einödlawine haben dazu geführt, dass in dem Winter die Landesstraße nach Kleinarl nicht wieder gesperrt werden musste. Besonders war, dass in kurzer Zeit so viel Schnee fiel. Dadurch ergab sich das eine oder andere Lawinenphänomen - wie Gleitschneelawinen in Werfen und Wagrain. Dabei gerieten in kurzer Zeit entstehende Schneemengen auf Wiesenflächen langsam in Bewegung. Diese waren nicht zu stoppen und haben glücklicherweise nur ein kleines Wirtschaftsgebäude weggerissen. Bis zu 20.000 Tonnen setzten sich da in Bewegung. Mit Aufforstungen und kleinen Lawinenverbauten kann man reagieren.

Redaktion: Wo stehen die wichtigsten Lawinenverbauten an?

Pichler: Vorrangig ist die Ostermaislawine. Sie gefährdet das Ortsgebiet von St. Martin und die dortige Landesstraße auf Pongauer Seite. 2,5 Millionen Euro werden investiert. Dort wie anderswo bauen wir Wetterstationen in exponierter Lage, um noch mehr Details über Wind, Schneelage und dergleichen zu erfahren.

Redaktion:Sie bekleiden das Amt im Bezirk seit 2006. Geht irgendwann die Arbeit an den Wildbächen aus?

Pichler: Die nächsten 20 Jahre werden unsere Auftragsbücher sicher voll sein. In den vergangenen Wochen haben die enormen Schneelasten Bäume - speziell in Höhenlagen zwischen 1000 und 1400 Metern - geradezu erdrückt. Da wird es dringend nötig sein, das Holz aus dem Wald zu bringen. Zum einen freut sich sonst der Borkenkäfer, zum anderen könnte das Holz im Einzugsgebiet von Bächen bei Unwettern große Schäden verursachen. Genossenschaften, Grundbesitzer und Gemeinden sind gefordert.

Redaktion: Wo sind ihre Großbaustellen in den kommenden Monaten?

Pichler: Der Schiedbach in Großarl und der Kötschachbach in Bad Gastein erforderten nach Unwettern rasches Handeln - was gelang. Die Wagrainer Ache wird mit einem Wildholzfilter versehen. Sie ist, im Gegensatz zur Gasteiner Ache, ein von uns zu betreuender Wildbach. Das liegt an Geschiebemengen und dergleichen.

Beim Großprojekt Gainfeldbach in Bischofshofen soll 2019 die Genossenschaft gegründet und danach das Projekt rasch umgesetzt werden. Wir können da und dort aber auf lokale Ereignisse auch rasch reagieren. Es geht um den Zustand unserer 4500 Bauwerke im Pongau. Die haben wir in einem Lawinen- und Wildbachkataster erfasst, um sie stets auf optimalem Stand zu halten.

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