Chronik

Fall Roland Krenn - Beschuldigte bestreiten Mordabsicht

Nachdem die Staatsanwaltschaft Salzburg von einem Geständnis eines Musikers im Fall Roland Krenn berichtet hatte, meldete sich nun der Verteidiger des 24-Jährigen zu Wort.

Nach dem Verschwinden von Roland Krenn im Juli des Vorjahres suchten Kriminalisten erfolglos nach dem Vermissten. SN/polizei
Nach dem Verschwinden von Roland Krenn im Juli des Vorjahres suchten Kriminalisten erfolglos nach dem Vermissten.

Sein Mandant habe keinen Mord zu verantworten und dazu auch kein Geständnis abgelegt, sondern er habe einen Raub gestanden, sagte Rechtsanwalt Franz Essl.

"Mein Mandant hatte nie vor, Herrn Krenn zu töten", sagte der Verteidiger. Der Musiker hatte in dem Geständnis erzählt, er sei mit seiner 20-jährigen Freundin den 63-Jährigen am 19. Juli 2016 nach der Verabreichung von Schlaftabletten, die sie in drei weiße Pralinen gemischt hätten, zu dessen Villa in die Stadt Salzburg gefahren und habe den bereits Schlafenden dort im Keller gefesselt, geknebelt und ihm einen Beutel für Steiff-Teddybären über den Kopf gestülpt. Anschließend hätten sie ihn alleine im Keller zurückgelassen.

Der vermögende Mann dürfte den Ermittlungen zufolge erstickt sein. Roland Krenn sei unglücklicherweise verstorben, erklärte der Verteidiger. "Er wurde in dem Keller seitlich auf einer Matratze so gelagert, dass er durch die Nase gut atmen konnte."

Bei dem Sack, der dem Mann über den Kopf gezogen worden war, habe es sich um einen "atmungsaktiven Stoffsack" gehandelt, erläuterte Essl. Der Musiker sagte in dem Geständnis, sie hätten sich nicht gedacht, dass Krenn ersticken könnte.

Der Tote wurde Anfang Mai 2017 im Futtertrog eines aufgelassen Schweinestalls im Innviertel in Oberösterreich entdeckt. Das Anwesen gehört einem 29-jährigen Gastwirt. Laut dem Geständnis des Musikers haben er und der Wirt die Leiche in dem Stall vergraben. Der Wirt habe ihn dazu angestiftet, den Salzburger zu betäuben und zu berauben, weil er noch 10.000 Euro Schulden wegen Kokainkonsums bei dem Gastronom hatte, erzählte der 24-Jährige.

Der Wirt hat den Angaben des Musikers zufolge nach dem Tod des Salzburgers zahlreiche Wertgegenstände aus der Villa geholt. Die Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft Salzburg, Barbara Fischer, hatte am Dienstag vor Journalisten erklärt, dass sowohl gegen den Musiker als auch dessen Freundin und den Wirt weiterhin wegen Verdacht des Mordes und nun auch wegen Raubes ermittelt werde. Alle drei befinden sich derzeit in U-Haft.

Auch die Freundin beteuert Unschuld

Kurt Jelinek, der Verteidiger der mitbeschuldigten Freundin des verdächtigen 24-jährigen Musikers erklärte unterdessen, dass die junge Frau ihre Unschuld beteuert. Sie habe mit der Tat nichts zu tun und auch nichts davon gewusst, sagte Rechtsanwalt Kurt Jelinek.

Der Musiker habe in dem Ermittlungsverfahren ständig seine Aussagen geändert, er habe schon sechs verschiedene Versionen geliefert, erklärte der Verteidiger der bisher unbescholtenen Frau.

Das Geständnis des Mannes vom vergangenen Montag sei nur eine Variante mehr. "Und so jemandem glaubt man? Das ist für mich befremdlich", zeigte sich der Anwalt verwundert.

Bei dem 24-Jährigen handle es sich um eine psychisch hochgradig auffällige Persönlichkeit, zog Jelinek die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten in Zweifel. Die Staatsanwaltschaft habe nicht grundlos am 6. Juli bezüglich des Musikers ein psychiatrisches Gutachten zur Frage der Zurechnungsfähigkeit und einer allfällig vorliegenden geistigen oder seelischen Abartigkeit höheren Grades in Auftrag gegeben. Die Expertise werde von Psychiaterin Adelheid Kastner erstellt.

Quelle: APA

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