Chronik

Fast 50 Jahre als Nikolaus unterwegs

Wolfgang Saliger war als Schulbua Engerl, später Krampus. Dann arbeitete er sich zum Nikolaus hinauf. Fast 50 Jahre tat er Kindern viel Gutes, besonders in Plainfeld.

Es war schon eine große Sache, als Schulbub ein Engerl zu sein. Und mit dem Alter wuchsen auch die Kompetenzen von Wolfgang Saliger, der in Aigen aufwuchs. So jagte er ab 14 Jahren mit einer Maske aus Pappkarton den Kindern einen Schrecken ein. Und im Erwachsenenalter stieg er die Karriereleiter hinauf und wurde Nikolaus.

Diesen Brauch nahm er vor etwa 40 Jahren mit nach Plainfeld, wo er mit seiner Frau sieben Kinder großzog.

"Ich bin verliebt in dieses Dorf", sagt Wolfgang Saliger. In seiner Siedlung wohnten "lauter junge Leute, so haben wir gemeinsam mit der Feuerwehr die Nikolausbesuche organisiert". Noch heute gehen sieben Nikoläuse durch das Dorf, "damit alle Kinder am 5. und 6. Dezember abends besucht werden können". Einen Chef-Nikolaus gab es nie in Plainfeld, "Nikoläuse bleiben immer Freunde", sagt der 74-Jährige. Vor zwei Jahren hat er krankheitsbedingt mit den Besuchen aufgehört, die Organisation übernimmt in gewohnter Manier die Freiwillige Feuerwehr rund um Hauptmann Thomas Sattler.

Meist ging's ums Sauberwerden oder darum, ohne Schnuller auszukommen

Nicht mehr in die Hose machen und den Schnuller weglegen, das waren meistens die Themen, mit denen der Nikolaus konfrontiert war. "Am Ende hatte ich einen Sack voller Schnuller, freilich habe ich diese vor der Haustür zurückgelassen", sagt er. Freundlich war er, der Wolfgang-Nikolaus, "so, wie ich mir den Nikolaus auch immer wünschte". Das schätzten über die Jahre alle Kinder, die ihm zum Dank schöne Bilder malten, Gedichte vorlasen oder etwas vorspielten.

Ein armseliger Kramperl, der musste draußen warten

Einen Kramperl, "armselig mit altem Mantel, Kette, Rute und Plastiklarve ausgestattet", nahm er zwar mit, er musste meistens vor der Tür warten. Oft war es fürchterlich heiß unter dem Kostüm, und die weißen Handschuhe waren immer noch zu klein.

Das störte niemanden, auch nicht seine eigenen Kinder und Enkelkinder. Zuerst waren aber die anderen dran, um dann den Abend zu Hause ausklingen zu lassen. Entlarvt wurde der Nikolaus einmal an seinen Schuhen. "Ich weiß, wer du bist, ich kenn' diese Schuhe", offenbarte ihm einst die Tochter eines Freundes. "Seitdem hat der Nikolaus andere Schuhe angezogen."

Und in den 1970er-Jahren wurde er fast überführt, weil "kein Nikolaus eine Haut hat". Gerührt war er oft, besonders bei Besuchen in Familien, wo sich kurz zuvor ein Todesfall ereignete. "Und wenn dann die Kinder noch ein Gedichterl für die Oma vorgetragen haben, da hat's dir selber oft den Hals zugeschnürt."

Und zum Ausklang ging's zum Seppenbauern

Lustig hatten's die Nikoläuse aber immer in Plainfeld, besonders wenn der letzte Besuch des Abends ins Haus stand. Das Los entschied am Vortag darüber, welcher von den ehrwürdigen Männern zuletzt zum Seppenbauern in Pabenschwandt durfte. "Der musste noch Alkohol vertragen, denn der alte Seppenbauer Franz kredenzte auf seinem Gut eine Jause, dazu ein paar Bier."

Diese und viele mehr Geschichten hat Saliger, Bildungswerkleiter von Plainfeld und Vize-Landtagspräsident a. D., auf Lager. Seine Nikolaus-Zeit "war immer nett, und ich freue mich, dass es weitergeht", sagt er.

Ein Buch mit den schönsten und originellsten Geschichten rund ums Nikolaus-Sein

Die schönsten und originellsten Geschichten rund um den weisen Mann aus Myra sammelte der Plainfelder in einem Büchlein, das er "aus Langeweile" bei seinem Spitalsaufenthalt verfasst hat. "Ich habe zwei, drei Wochen so dahingeschrieben."

Das Buch "Ja, ja, der Nikolaus", erschienen in der Edition "Pro Flachgau", ist garniert mit köstlichen Karikaturen von Thomas Wizany und wunderbaren Zeichnungen vieler besuchter Kinder. "Ich habe hier nur eine kleine Auswahl drin, ich könnte 20 Bücher damit füllen."

"Mit dem Buch habe ich mir auch selbst ein Geschenk gemacht", sagt er. Kaufpreis gibt es keinen, so ist das Werk für eine Spende zugunsten des Soforthilfefonds der Freiwilligen Feuerwehr Plainfeld (Raiba Flachgau-Mitte, IBAN: AT98 3501 5000 0151 6814) zu haben. Bestellung unter: wolfgang.saliger@sbg.at

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