Chronik

Ferienbetreuung in der HTL Hallein: Wenn Schüler zu Lehrern werden.

Sommerbeschäftigung der anderen Art: Vier Wochen bekamen Kinder in der HTL Hallein Unterricht in künstlerischen Fächern - an Schule im klassischen Sinn fühlte sich dabei keiner erinnert. Die vier Wochen sind nun zu Ende und die Verantwortlichen ziehen eine positive Bilanz.

Die neunjährige Miriam Krof aus Hallein schleift eifrig ihren Speckstein. Das würde sie von all den Dingen, die sie diese Woche in der HTL Hallein gelernt hat, am liebsten tun. Ihrer zehnjährigen Freundin Lara Ernjes aus Kuchl gefällt die tägliche Turnstunde im Freien oder in der Sporthalle am besten. Gleich danach zählen sie aber auch noch andere Dinge auf: "Der Traumfänger hat mir auch gefallen. Und wir haben ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielfeld gebastelt", erzählt Miriam begeistert. Die zwei Mädels haben Ferien - und sind dennoch in der Schule.
Wie das zusammenpasst, ist einfach erklärt: Zusammen mit dem Hilfswerk bietet die HTL Hallein jeden Sommer eine Ferienbetreuung an. Dabei schlüpfen Schüler der Fachschule in die Rolle der Lehrer und unterrichten die Kinder in künstlerischen Fächern - von Malen bis hin zum Modellieren mit Ton und Steinbearbeitung mit Speckstein ist alles dabei. Johann Gutschi ist Abteilungsvorstand für Kunst und Design an der HTL und Initiator des Projekts: "In den Ferien wissen viele Eltern nicht, wohin mit den Kindern. Deshalb wollten wir ein zusätzliches Angebot schaffen, das sowohl den Kindern Spaß macht, als auch unseren Schülern etwas bringt." Wichtig sei, dass die künstlerische Tätigkeit auf einer professionelleren Basis passiert: "Es wird nicht "nur" gebastelt - wir lernen den Kindern, wie man professionell künstlerisch tätig ist. Unsere Schule eignet sich perfekt dafür: sowohl die notwendigen Materialien, als auch fachlich geschulte Betreuer in Form unserer Schüler stellen wir bereit."
Auch wenn die Kinder künstlerisch unterrichtet werden - um Schule im klassischen Sinn handelt es sich nicht. Spiel und Spaß stehen im Vordergrund. Deshalb bleibt zwischen den kreativen Arbeiten immer noch genug Zeit für Spiele und sportliches Austoben. Insgesamt vier Wochen ging das Programm. Die Eltern konnten ihre Kinder pro Woche anmelden. Kostenpunkt: 60 Euro pro Tag mit dem Familienpass des Landes, 50 Euro ohne. Insgesamt 75 Kinder nutzten das Angebot. Sie wurden von zwei Schülern der HTL Hallein und einer Angestellten des Hilfswerks betreut.
Das Projekt kommt bei den Kindern an, sagt Julia Franek. Sie studiert Kindergartenpädagogik und arbeitet im Sommer für das Hilfswerk. Franek stellte das Programm für die vier Wochen zusammen und betreute die Kinder über die gesamte Zeit: "Die Kinder sind begeistert, wenn sie etwas ausprobieren können. Das sind einfach Anreize, die sie aus der Schule nicht kennen. Es gefällt ihnen auch, dass sie für ihre Basteleien viel Zeit haben und nicht, wie sonst in der Schule, oft nur ein oder zwei Stunden in der Woche."
Das Projekt ist nicht nur beliebt, sondern auch erfolgreich: "Vor fünf Jahren begann alles mit einer Woche und zehn Kindern. In diesem Sommer waren die vier Wochen restlos ausgebucht. Auch für nächstes Jahr gibt es nur noch wenige Plätze", sagt Johann Gutschi.

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