Chronik

Flachgauer soll Ehefrau jahrelang misshandelt und auch vergewaltigt haben: Prozess

Mit schweren Vorwürfen ist am Mittwoch ein Ehemann aus dem Flachgau bei einem Prozess am Landesgericht Salzburg konfrontiert worden. Der Mann soll seine Ehefrau über einem Zeitraum von 20 Jahren - von 1998 bis 2018 - körperlich und psychisch misshandelt und mehrmals auch vergewaltigt haben.

Symbolbild.  SN/APA/BARBARA GINDL
Symbolbild.

Die Anklage am Mittwoch im Schöffenprozess lautete auf "fortgesetzte Gewaltausübung". Der 54-jährige Angeklagte beteuerte seine Unschuld.

Die Staatsanwältin listete eine ganze Reihe von Anschuldigungen auf. Wenn das Verhalten der Ehefrau nicht den Vorstellungen des Mannes entsprochen habe, wenn beispielsweise das Essen nicht gut genug war oder sie seiner Meinung nach zu viel Geld ausgegeben hat, habe er ihr Stöße oder Faustschläge verpasst, ihr mit der flachen Hand gegen den Kopf geschlagen, sie geboxt und beim Geschirrabwaschen Töpfe ins Spülbecken geworfen, um ihre Hände zu verletzen. "Sie hat Hämatome, Rötungen an der Haut und Prellungen erlitten."

Weiters sei der Angeklagte seiner Frau mit dem Einkaufswagen über die Zehen gefahren und mit dem Auto in rasantem Tempo auf sie zugefahren. "Sie konnte sich nur mit einem Sprung zur Seite retten", erläuterte die Staatsanwältin. Wenn die Frau beim Autofahren aus Angst geschrien habe, er solle doch langsamer fahren, habe er den Wagen noch beschleunigt und sich dabei amüsiert. Einmal soll er gar

eine Blindschleiche in ihr Oberteil gesteckt haben. Die Frau, die dem Angeklagten in ihrer kontradiktorischen Vernehmung zudem vorwarf, sie wiederholt vergewaltigt zu haben, begehrt im Prozess über Opferanwalt RA Christoph Mandl 5000 Euro Teilschmerzensgeld.

Der Angeklagte wies sämtliche Vorwürfe zurück

Der Flachgauer bestritt die Vorwürfe. "Ich bekenne mich nicht schuldig", sagte er zur Vorsitzenden des Schöffensenates, Richterin Martina Kocher. Er habe seine Gattin weder vergewaltigt noch geschlagen noch habe er einen Polster gegen ihr Gesicht gedrückt, damit sie nicht schreien könne. Er habe auch nicht ihren Tagesablauf kontrolliert oder sie in irgendeiner Form in ihrer privaten Freiheit eingeschränkt und ihr auch nicht gedroht, das Auto wegzunehmen. Der Treibstoffverbrauch habe ihn deshalb interessiert, weil er angenommen habe, dass auch der Sohn auf seine Kosten mittankt. "Der Vorfall mit der Schlange ist auch eine glatte Lüge."

Er habe seine Frau auch nicht finanziell eingeschränkt, erklärte der Angeklagte weiters. Sie habe monatlich rund 400 Euro aus der Familienbeihilfe für die beiden Kinder und zusätzlich noch 300 Euro von ihm erhalten. Diesen Betrag habe er aus Spargründen im Jahr 2011 - bis dahin sei die Mitte der 1990er-Jahre geschlossene Ehe "perfekt" gewesen - auf 100 Euro reduziert. Seinem Vorschlag, ein paar Stunden am Tag arbeiten zu gehen, sei sie nicht nachgekommen. Einkäufe für den Haushalt habe zu 98 Prozent er erledigt. Auch die vielen Behandlungskosten wegen ihrer Schwindelanfälle und anderer körperlichen Beschwerden habe er bezahlt. "Ich habe mein Bestes für die Familie gemacht."

Verteidiger übte scharfe Kritik an der Anklage

Die Anklageschrift basiere nur auf der Aussage der Frau in der kontradiktorischen Einvernahme, kritisierte der Verteidiger des Flachgauers, RA Stefan Launsky. Ihre Aussagen bezeichnete Launsky als falsch, widersprüchlich zum Scheidungsakt, floskelhaft und oberflächlich. "Es gibt in dem ganzen Verfahren keine Sachbeweise. Es steht Aussage gegen Aussage." Es gebe nicht ein einziges Foto von den angeblichen Verletzungen, noch ärztliche Befunde und Diagnosen, gab der Anwalt zu bedenken. Die Frau sei auch nie zu einer Opferschutzvereinigung gegangen. Sie sei extrem eifersüchtig und gekränkt wegen einer späteren Affäre des Mannes gewesen. Zu Beginn des Scheidungskrieges habe sie ihn durch "konstruierte Vorfälle" massiv unter Druck gesetzt, "um das Geld zu kriegen, das sie will", und dann Anzeige erstattet.

Die Vorsitzende Richterin vertagte am Mittwochnachmittag den Prozess auf den 14. Oktober zur Anhörung weiterer Zeugen.

Quelle: APA

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