Chronik

Frau Breitfuß wird 100

Seit Barbara Breitfuß denken kann, sind die Berge ihr Ein und Alles. Jetzt feiert sie ihren 100. Geburtstag, mit Blick auf ihren Lieblingsberg.

Barbara Breitfuß (r.) und ihre Tochter Margit Kern kramen in Erinnerungen. Am 6. Dezember begeht die rüstige Dame ihren 100. Geburtstag.  BILD: RICKY Knoll SN/sw/Ricky Knoll
Barbara Breitfuß (r.) und ihre Tochter Margit Kern kramen in Erinnerungen. Am 6. Dezember begeht die rüstige Dame ihren 100. Geburtstag.  BILD: RICKY Knoll

Gut 70 Jahre lang hat Barbara Breitfuß in Lehen, in der Scherzhauserfeld-Siedlung, gelebt. "Am 1. April 1943 bin ich in meine Wohnung in der Nelkenstraße eingezogen, als eine der Ersten im so genannten ,Heeresbau'. Erst heuer im Sommer bin ich dort aus- und im Seniorenheim Grödig eingezogen", schildert Barbara Breitfuß.

Obwohl sie eine Ur-Lehenerin ist, entschädigt sie ihr neues Zuhause außerhalb der Stadt. "Jetzt habe ich sogar ein Zimmer mit Blick auf meinen geliebten Untersberg", schwärmt sie. Die Berge waren stets ihr Ein und Alles. Von 1943 bis 1947 hat sie mit ihrem ersten Mann die Tappenkarseehütte betrieben. "Meine Mutter war auch immer oben. Sie war eine hervorragende Köchin - ich hatte damit ja nichts am Hut, ich war zuvor in einem Büro", schildert sie. Ein schreckliches Unglück zu Weihnachten 1947 machte dem ein Ende. Eine Lawine zerstörte die Schutzhütte am 23. Dezember, die Mutter kam dabei ums Leben. "Wir konnten erst am nächsten Tag hinauf, und ich wollte immer, dass ich aus diesem Albtraum aufwachen könnte", erinnert sie sich.

Dennoch übernahm sie ein Jahr später die damalige Skiclubhütte auf der Gaisbergspitze bis 1950, bis ins erste Volksschuljahr von Tochter Margit. Die musste den Schulweg von und bis zur Zistelalm zu Fuß oder per Ski und oft schon in der Dämmerung bewältigen, von dort brachte sie der Bus bis nach Parsch.

Auch wenn Barbara Breitfuß das Hüttenwirtin-Dasein nicht besonders erfüllte, so war sie damit doch immer ihren geliebten Bergen nah. "So schön es am Tappenkarsee war, aber mir fehlte die Aussicht auf das Tal sehr. Und wenn die Bergsteiger weitergingen, habe ich sie unendlich beneidet, am liebsten wäre ich mitgegangen", so Breitfuß.

In der ersten Zeit musste alles per Rucksack hinaufgeschleppt werden, erst später hatte sie einen Esel und ein Muli als Tragetiere. "Kühlschank gab es auch keinen, so mussten wir alles in einem Erdloch vergraben." Einmal hat sie schon von weitem einen nicht enden wollenden Zustrom an Touristen kommen sehen. "Da habe ich mich gefürchtet, denn ich hatte nur 40 Paar Würstel. Aber satt sind dann doch immer alle geworden."

Wieder zurück in Salzburg, heiratete sie ihren zweiten Mann und konnte sich in der Freizeit ausgiebig dem Bergsteigen widmen. "Und mit dem Fahrrad bin ich viel gefahren." In den Sommermonaten ist sie oftmals um drei Uhr früh auf den Untersberg, damit sie rechtzeitig um acht Uhr am Arbeitsplatz erscheinen konnte. "Oder ich fieberte bereits in voller Montur dem Dienstschluss um 16.15 Uhr entgegen, damit ich die letzte Gondel um 16.45 Uhr noch erwischen konnte." Im Winter war ihre Leidenschaft das Skifahren am Untersberg. "Ich habe oft an einem Tag vier Mal die Abfahrt geschafft. Das war ganz genau ausgerechnet: zwölf Minuten mit der Gondel hinauf, zwölf Minuten rüber zur Piste, zwölf Minuten Abfahrt und wieder zwölf Minuten von Fürstenbrunn bis zur Seilbahn. Aber es ging sich aus", schwelgt sie in Erinnerungen.

In den letzten Jahren haben Mutter und Tochter, die nach ihrer Scheidung wieder zurückgekommen ist, sich die Wohnung in Lehen geteilt. Gemeinsam verbringen sie viel Zeit auf ihrer Hütte in Leogang oder fahren auf Urlaub an die Adria. Morgen, 6. Dezember 2019, feiert die rüstige Dame, die sogar noch ohne Brille lesen kann, recht gut zu Fuß ist und sich generell bester Gesundheit erfreut, ihren 100. Geburtstag. "Gesundheit, das ist alles, was ich mir wünsche. Falls es einmal nicht mehr gut ist, möchte ich schon, dass mich der Herrgott gehen lässt. Und dass mich Margit noch oft zu Ausflügen abholt, das wünsche ich mir auch."

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