Chronik

Frau nach Behandlungsfehler halbseitig gelähmt: Facharzt jetzt angeklagt

Der Mediziner aus dem Pinzgau verwechselte laut Strafantrag zwei Spritzen. Er soll das falsche Präparat in die Vene der Frau gespritzt haben. Die Frau ist seither auf den Rollstuhl angewiesen.

Eine falsche verabreichte Spritze dürfte schwere gesundheitliche Folgen für eine Patientin gehabt haben.  SN/APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand
Eine falsche verabreichte Spritze dürfte schwere gesundheitliche Folgen für eine Patientin gehabt haben.

Die Staatsanwaltschaft Salzburg hat Strafantrag wegen grob fahrlässiger Körperverletzung gegen einen Facharzt im Pinzgau eingebracht. Der Mediziner soll am 14. Juni 2018 einer damals 51-jährigen Patientin für eine Magenspiegelung irrtümlich ein Anti-Schaummittel anstatt eines Narkotikums in die Vene gespritzt haben. Die Frau ist seither halbseitig gelähmt und sitzt im Rollstuhl.

Dem Beschuldigten ist in seiner Ordination offenbar der fatale Irrtum passiert. Er soll zwei für die Gastroskopie vorbereitete Spritzen verwechselt haben. Der Arzt habe die Spritze mit dem Anti-Schaummittel, das oral in den Magen eingeführt wird, offensichtlich für die Spritze mit dem Narkotikum gehalten und das Anti-Schaummittel irrtümlich intravenös verabreicht, entnahm der Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, Marcus Neher, am Dienstag auf Anfrage der APA dem Strafantrag.

Frau sitzt seit der Behandlung im Rollstuhl

Die Folgen für die Patientin waren dramatisch. Laut Neher kam es zu einer Blutgerinnung und Thrombose, einer Durchblutungsstörung im Gehirn mit Einblutung im Kleinhirn, einer Lungenembolie und einer Durchblutungsstörung des Herzens. Sie musste mehrere Wochen in einer Klinik behandelt werden. Die rechte Körperseite der Frau sei bis heute gelähmt, so dass sie auf den Rollstuhl angewiesen sei, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Prozess am 19. November

Die schwere Körperverletzung ist dem Strafantrag vom 16. Oktober 2019 zufolge grob fahrlässig herbeigeführt worden. Ein Prozesstermin ist bereits fixiert. Die Hauptverhandlung findet am 19. November am Landesgericht Salzburg statt.

Der Arzt wird von Rechtsanwalt Thomas Schwab verteidigt. "Meinem Mandanten tut der äußerst tragische Vorfall beziehungsweise sein Irrtum extrem leid", so der Verteidiger zu den SN. Es sei bereits eine hohe Summe an Entschädigung geleistet worden. Und es gebe "auch Bemühungen, dass mein Mandant über die Haftpflichtversicherung die Frau bei der Reha unterstützt".

Den Inhalt des Strafantrags müsse er, Schwab, erst genau prüfen: "Von dessen Einbringung bei Gericht habe ich zudem erst aus den Medien erfahren."

Die nunmehr 52-jährige, im Pinzgau lebende Frau war vor dem Drama als Reinigungskraft tätig. Sie wird von den Rechtsanwälten Katharina Sedlazeck-Gschaider und Kurt Jelinek vertreten: "Unserer Mandantin geht es auch psychisch sehr schlecht."

Aufgerufen am 18.01.2022 um 02:47 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/frau-nach-behandlungsfehler-halbseitig-gelaehmt-facharzt-jetzt-angeklagt-78081970

Kommentare

Schlagzeilen