Chronik

Freizeitbranche will durchhalten

Veranstaltungen im Sitzen, ohne Konsumation, seien eine Hiobsbotschaft, sagen Eventmanager. Aufgeben will deshalb so schnell keiner.

Die zweite Corona-Welle trifft viele Dienstleister hart, vor allem die Eventbranche. SN/sw/gw-eventtechnik
Die zweite Corona-Welle trifft viele Dienstleister hart, vor allem die Eventbranche.

Wenn aktuell die Corona-Maßnahmen kontinuierlich verschärft werden, hört man in der Salzburger Eventagentur Chaka2 besonders genau zu. Die Atmosphäre und der Ernst, mit der die Politik auftrete, erinnerten ihn an Freitag, den 13. März, als der Lockdown verhängt wurde, sagt Agenturchef Martin Kaswurm. Das im Gusswerk in Kasern angesiedelte Unternehmen fährt schon seit Monaten im Krisenmodus. Man telefoniert täglich mit den Kunden, zu denen so prominente Firmen wie Red Bull, Audi, Adidas, KTM, Seat oder SAP gehören. Denn wegen Corona hängen unzählige Veranstaltungen in der Luft.

Agenturgründer Martin Kaswurm ist auch Sprecher der Freizeit- und Sportbetriebe in der Wirtschaftskammer Salzburg. Die Fachgruppe vereint eine bunte Palette von Dienstleistungsberufen rund um Fitness, Gesundheit und Vergnügen - vom Campingplatzbetreiber, Fitnesstrainer, Fremdenführer bis hin zum Reiseleiter (siehe Kasten). "Es ist eine Hiobsbotschaft, wenn Veranstaltungen nur mehr im Sitzen und ohne Konsumation stattfinden dürfen. Das trifft uns in unserer Existenzgrundlage. Egal, ob ich die Technik verleihe oder als Caterer Essen liefere oder als Security am Eingang stehe", so Kaswurm. Der Branche seien heuer 80, 90 Prozent der Umsätze weggebrochen. "Das kann man ein halbes Jahr finanziell und psychologisch überdauern." Jetzt aber gehe es um die Zukunft, die Wintersaison.

"In meiner Branche sind die Weihnachtsfeiern ein Riesen-Einkommenszweig. Größere Betriebe mieten häufig eine eigene Location, etwa die Halle am Flughafen. Die ordern ein Catering für 300 Leute und Unterhaltungsaspekte. Da hängen sehr viele Wirtschaftszweige daran. Wenn das ausfällt, das ist bitter", so Kaswurm. Und schließlich: Was wird aus den vielen Ski-Openings und Skirennen? Eines sei klar: "Ein zweiter Lockdown wäre der finale Nackenschlag für uns."

So arbeitet das Team des Electric Love Festivals unvermindert an der Umsetzung der Veranstaltung für Sommer 2021. 60 Mitarbeiter sind noch bis März in Kurzarbeit. Ob es stattfindet - wer weiß es? Für das Virus wäre das Open-Air-Festival mit 150.000 Besuchern aus 50 Nationen ein gefundenes Fressen.

Robert Herbe aus Lehen ist Lichttechniker und -designer sowie Musiker. Rund 20 Konzerte hat er in den vergangenen zwei Jahren gegeben. Mit dem Lockdown im März sind ihm beide Standbeine fast zur Gänze weggebrochen. Auch wenn ihm jegliche Planungssicherheit fehlt, blickt er nicht ängstlich in die Zukunft: Acht Wochen war er im Sommer bei den Festspielen angestellt. Mit den Aufträgen, die er bis Ende des Jahres hat, kommt er heuer über die Runden. Dann muss Herbe entscheiden, ob er sein Gewerbe weiterbetreibt. "Wie ich mich kenne, werde ich das tun. Unter uns sind viele gelernte Optimisten, denen es weniger darum geht, wahnsinnig viel Geld zu verdienen, als darum, dass die Balance zwischen Spaß und Einkommen stimmt", sagt Herbe. Nicht zuletzt halten ihn auch die staatlichen Hilfen über Wasser, wenngleich die Antragstellung kompliziert ist - schon aufgrund der Tatsache, dass in der Branche viele angestellt und selbstständig gleichzeitig sind.

Was zu komplizierten Situationen führen kann. Sie habe bitterste Erinnerungen mit der staatlichen Unterstützung, erzählt eine Fitnesstrainerin aus der Stadt. "Ich habe nichts bekommen, obwohl ich überall gewesen bin, beim AMS, bei der Wirtschaftskammer." Die trainierte, gepflegte 50-Jährige überstand den Lockdown mit der berufstypischen Disziplin. "Ich habe mich mental zusammengerissen und zu jonglieren begonnen. Nach dem Motto, zahle ich zuerst die Miete oder esse ich tagelang Kartoffeln?"

Martin Kaswurm wünscht sich ein Paket der Politik für die Freizeitwirtschaft. Für Spartengeschäftsführerin Birgit Huber ist jetzt eines völlig klar: "Wir müssen zusammenhalten und die Regeln einhalten, damit die Betriebe ihrer Geschäftstätigkeit nachkommen können. Die Menschen wollen Sport betreiben und sich da und dort vergnügen."

Dienstleister für die Freizeitgesellschaft

In einer an Fitness, Gesundheit und Freizeit interessierten Gesellschaft entstehen neue Dienstleistungsberufe. Die Fachgruppe Freizeit- und Sportbetriebe in der WKS umfasst 35 Berufsgruppen und wächst. Waren 2010 noch 322 Mitglieder registriert, sind es heuer 451 Unternehmen. Diese sind oft auch Einzelkämpfer - als Sporttrainerinnen, Personal Trainer, Gesundheitsberaterinnen - und als solche ökonomisch besonders verwundbar.

Aufgerufen am 27.11.2020 um 04:12 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/freizeitbranche-will-durchhalten-94562122

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