Chronik

Für seinen Weg braucht er Schuhe

Als Kind wurde Rohullah Rezai von einem Auto schwer verletzt. Nur mit einem Spezialschuh könnte er normal gehen. Aber der ist zu teuer.

Rohullah Rezai lebt im Dorf St. Anton der Caritas in Bruck. SN/ANTON KAINDL
Rohullah Rezai lebt im Dorf St. Anton der Caritas in Bruck.

Wenn er vier oder fünf Jahre früher gekommen wäre, hätte man noch etwas machen können. Das sagten die Ärzte im Krankenhaus Schwarzach zu Rohullah Rezai. Aber inzwischen ist der im Iran aufgewachsene Afghane 20 Jahre alt. Die Knochen in seinem schwer verletzten rechten Fuß sind falsch zusammengewachsen. Er tritt nur mit dem vorderen Teil des Fußes auf und hinkt.

"Der Unfall ist passiert, als ich sieben oder acht Jahre alt war", erzählt Rohullah. "Ich bin mit einem Freund auf der Straße gegangen. Ein Auto hat zu spät gebremst." Es erfasste ihn. Der rechte Fuß wurde zwischen Reifen und Straße eingeklemmt und der Bub etwa 20 Meter mitgeschleift. Unterschenkel und Fuß waren zertrümmert. Rohullah kam ins Krankenhaus. Dort wurde er aber nur notdürftig behandelt, wie die Spätfolgen zeigen.

"Das Schmerzensgeld, das ich bekommen habe, hat mein Vater für Drogen verwendet", erzählt der junge Mann. Damit er normal gehen kann, bräuchte er einen orthopädischen Schuh, der maßgeschneidert wird. "Dafür muss er 180 Euro Selbstbehalt leisten", sagt Marianne Altenberger, Betreuerin im Flüchtlingsquartier der Caritas im Dorf St. Anton in Bruck, wo Rohullah seit 2016 wohnt. "Das kann er nicht bezahlen. Er bekommt 45,50 Euro pro Woche und muss davon das Essen bezahlen. Sie kochen im Haus gemeinsam."

Rohullah ist subsidiär Schutzberechtigter. Das heißt, er hat kein Asyl bekommen, darf aber vorerst bleiben, weil er in seiner Heimat nicht sicher wäre. Die Genehmigung wird immer nur um ein Jahr verlängert. Derzeit macht er in St. Johann den Hauptschulabschluss nach. Im Iran hat er nie eine Schule besucht. Auch daran war die Sucht seines Vaters schuld. "Es war wenig Geld da. Meine Mutter hat mir ein bisschen Lesen und Schreiben beigebracht." Später ließ sie sich scheiden und musste allein für die drei Kinder sorgen. Auch Rohullahs 15-jähriger Bruder ist geflüchtet und in einem Quartier in Linz untergebracht. Die beiden können sich nur selten treffen.

Im Juni des kommenden Jahres will Rohullah die Schule in St. Johann abschließen. Jeden Nachmittag hat er Unterricht. In der Klasse sind 20 Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern. Rohullah spricht schon gut Deutsch. "Die Naturwissenschaften sind aber schwierig für mich", sagt er. Nach der Schule möchte der Afghane eine Lehre zum Verkäufer machen. Da muss er gut zu Fuß sein.


SN-Info: Spenden für den orthopädischen Schuh bitte unter dem Kennwort "Schuh" auf das Konto der Caritas beim Raiffeisenverband Salzburg.
IBAN: AT11 3500 0000 0004 1533

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