Chronik

Gaißau-Hintersee: "Die Tourengeher reichen nicht zum Überleben"

Die Situation rund um das Skigebiet Gaißau-Hintersee ist verfahren. Ein neuer Eigentümer oder Betreiber, der das Gebiet übernehmen könnte, ist nicht in Sicht. Der aktuelle chinesischen Mehrheitseigentümer hat in der Region schon viel Vertrauen verspielt. Miteigentümer Gernot Leitner dagegen lobt im SN-Interview unten das Engagement des Chinesen.

Andreas Ploner ist als Bürgermeister von Krispl-Gaißau derzeit nicht zu beneiden: Das bekannte "Schneeloch" erstickt aktuell geradezu in Schneemassen; die Straße zum Skigebiet wird regelmäßig von den Autos der Tourengeher verstopft; und vor allem sieht es nach vielen "wackeligen" Jahren so aus, als würde das Skigebiet Gaißau-Hintersee heuer wirklich nicht fahren. "Momentan könnte man eh keinen Skibetrieb durchführen, wir haben zwei Meter Neuschnee, wir wissen gar nicht mehr, wohin damit", meint Ploner im TN-Gespräch trocken.

Davon abgesehen ist er aber hörbar frustriert über die nach wie vor nicht bzw. nur mangelhaft funktionierende Kommunikation mit dem Mehrheitseigentümer des Skigebiets, Zhonghui Wang aus China: "Dass er der ganzen Region einen Todesstoß versetzt, scheint ihm wurscht zu sein. Gasthäuser, Hütten, die gehen alle ein ohne Skigebiet."

"Das ist für den Tourismus nicht schade, sondern wirklich kritisch"

Zudem habe das Gebiet überregionale Bedeutung, betont Franz Pölzleitner vom Gästeservice Tennengau: "Wenn das Gebiet zu hat, ist das für uns nicht schade, sondern kritisch, es ist für die Beherbergungsbetriebe im Salzachtal das wichtigste Skigebiet." Die Gemeinden und Tourismusverbände in den umliegenden Gemeinden hätten natürlich großes Interesse, dass es eine Lösung gebe.

Schon rund um das Insolvenzverfahren vor knapp zwei Jahren hatten sie ein Konzept ausgearbeitet, um zumindest den Betrieb des Gebiets wieder in heimische Hände zu legen: "Es gab, grob gesprochen, den Vorschlag, eine Betreibergesellschaft einzurichten, die macht den Liftbetrieb und der Chinese wäre nur der Investor dahinter", erklärt Bgm. Ploner. "Aber wir haben nie eine Antwort aus China bekommen." Dass ein derartiges Angebot angesichts der jetzigen Lage doch noch Erfolg haben könnte, glaubt er nicht: "Du kannst ihn ja nicht erreichen. Außerdem bin ich nicht sicher, dass er einem Verkauf zustimmen würde. Angeblich hat er ja schon sieben Millionen Euro hier investiert, die will er sicher wiederhaben, und wer soll das zahlen?"

Seilbahnen helfen abseits der Öffentlichkeit, Käufer will aber keiner sein

Als potenzielle Käufer abgewinkt haben bereits die übrigen Salzburger Seilbahnbetriebe (bis 2011 gehörte das Gebiet ja den Saalbacher Bergbahnen). Jedes Skigebiet habe für sich genug Aufgaben zu bewältigen, meinte Seilbahner-Obfrau Veronika Scheffer im Gespräch mit den SN. Zu den Tennengauer Nachrichten sagt Scheffer: "Man braucht nicht darüber spekulieren, was wäre wenn. Solange der Eigentümer nichts auf den Tisch legt, ist alles Kaffeesudleserei." Außerdem leiste die ein oder andere Region Hilfe, auch wenn davon in der Öffentlichkeit nichts zu hören sei.

Eine "Katastrophe" für die Betriebe vor Ort

Vor Ort entfaltet sich derweil eine "Katastrophe" für die Betriebe, wie Bürgermeistersohn Andreas Ploner vom Schmittenstüberl beim Kurvenlift sagt: "Jetzt wäre unsere Hauptsaison. Die Skifahrer sind unser Hauptgeschäft." Auch Einheimische kommen hier vorbei. Aber wie viele Saisonen wie diese hält der Betrieb aus? "Eigentlich keine."

Ins gleiche Horn stoßen Werner und Michaela Höllbacher von der Schirla-Stub'm nahe der Talstation des Zweiersessellifts. "Ich weiß nicht, wie lange wir es ohne Liftbetrieb schaffen", sagt Michaela Höllbacher im TN-Gespräch. Ihre Jausenstation sperrt sie nur im Winter auf, Ehemann Werner ist zusätzlich Lkw-Fahrer. "Unsere Hauptkundschaft waren die Skifahrer. Die meisten Tourengeher kehren noch immer oben ein." Ein weiteres Problem ist der nicht geräumte Parkplatz. Viele Tourengeher parken deshalb entlang der Straße, andere kommen gar nicht. "Wir hoffen, dass bald klar ist, wann geräumt werden kann", sagt Werner Höllbacher, der sich diesbezüglich Unterstützung seitens des Landes wünscht.

"Tourengeher können die Rückgänge nicht ausgleichen"

Selbst auf der Spielbergalm, wo der größte Teil der Skitourengeher einkehrt, ist die Stimmung getrübt: "Zur Überbrückung sind die Tourengeher ganz hilfreich. Auf lange Sicht gesehen, können sie die beachtlichen Rückgänge aber nicht ausgleichen", sagt Josef Ziller, der die Spielbergalm zusammen mit seiner Frau Maria führt. "Für unsere Region ist es schlimm, da sehr viele Arbeitsplätze nicht gesichert sind. Auch wir haben wieder Mitarbeitern absagen müssen, da heuer deutlich weniger Arbeit anfällt."

Überhaupt geschlossen hat derzeit die Lechnerhütte. Wegen der dramatischen Schneesituation war am Dienstag zu Redaktionsschluss auch die Latschenalm geschlossen.


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Im Gespräch: "Wo waren damals alle?"

Der frühere Haupteigentümer Gernot Leitner spricht im TN-Interview über Zukunftsperspektiven des Skigebiets.

Redaktion:
Redaktion: Vorausgesetzt, es gäbe Interessenten, könnte man Herrn Wang die Lifte abkaufen?
Gernot Leitner: Utopisch ist so etwas nie. Ob er derzeit gewillt wäre, seine Anteile zu verkaufen, weiß ich nicht. Das ist sicher eine Frage des Preises. Man darf nicht unterschätzen, wie viel Geld er schon in die Hand genommen hat. Wir reden da nicht von ein paar Hunderttausend Euro.

Der Eindruck, dass in den vergangenen Jahren nichts passiert ist, täuscht also?
Im Gegenteil: Ich finde, man sollte Herrn Wang nicht immer nur zum Sündenbock machen, sondern ihm Respekt aussprechen dafür, dass er das Skigebiet bisher immer wieder mit viel eigenem Geld aufgesperrt hat.

Versprochene Investitionen sind ausgeblieben.
Wo waren denn all jene, die jetzt Kritik üben, als damals die Saalbacher das Skigebiet verkauft haben? Ich habe einen großen Glauben an Herrn Wang, weil ich sonst keinen sehe. Vielleicht löst dieses Übergangsjahr einen Reinigungsprozess aus, nach dem alle an einem Strang ziehen.

Wäre ein Bürgerbeteiligungsmodell wie in Abtenau eine

mögliche Variante?
Wir diskutieren auch das. Es wäre definitiv eine gewinnbringende Variante, wobei es dabei mehr um den atmosphärischen Wert geht als um den monetären. Aber jede Art von Beteiligungsmodell kann sinnvoll sein. Ich würde auch ein paar Prozent an Player aus der Region abgeben.

Machen Sie sich Sorgen um "Ihr" Skigebiet?
Ich sehe das entspannt. Der Berg hat ein wunderbares Potenzial, egal ob heuer oder in zehn Jahren.


Aufgerufen am 25.08.2019 um 03:05 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/gaissau-hintersee-die-tourengeher-reichen-nicht-zum-ueberleben-63857941

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