Chronik

Geschworenen waren sich einig: Es gab keinen Mordauftrag

Einem Kosovaren wurde am Landesgericht angelastet, er habe einen Häftling dazu aufgehetzt, einen Bekannten zu töten. Die Geschworenen verwarfen die Anklage wegen Mordversuchs als Beteiligter einstimmig. Der Freispruch ist noch nicht rechtskräftig.

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Symbolbild.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen Burim P., einen 34-jährigen Kosovaren, war massiv:

Der wegen Suchtgift- sowie Vermögensdelikten erheblich vorbestrafte Mann soll einen von Dezember 2015 bis Ende Februar 2016 in der Justizanstalt inhaftierten Afghanen dazu aufgehetzt haben, dieser solle einen missliebigen Rivalen erschießen. Die Anklage sprach von "Mordversuch als Beteiligter": am 1. August stand Burim P. deshalb erstmals am Landesgericht vor einem Geschworenensenat. Gestern, Dienstag, ging der Prozess ins Finale.

Vermeintliche Anstiftung bei Haftbesuchen in der Justizanstalt

Zur vermeintlichen Anstiftung sei es bei zwei Besuchen vom Burim P. beim Afghanen in der Haftanstalt gekommen: Der 34-Jährige habe demnach dem Afghanen eingeredet, dass dieser vom auserkorenen Opfer verraten worden sei. Das Opfer sei durch seine Falschaussage schuld daran, dass die U-Haft des Afghanen verlängert worden sei. Zu einem Mord kam es nicht: der Afghane erzählte nach seiner Haftentlassung bei einem Termin bei der Polizei von der vermeintlichen Anstiftung. Und er erzählte auch, dass ihm P. für die Tötung Geld und eine Wohnung versprochen habe.

Fakt ist: Das Trio kannte sich schon länger: Also der Angeklagte, der von ihm vermeintlich Angestiftete, und der Kosovare, der angeblich getötet werden sollte. Das Motiv, warum der 34-jährige, den Vorwurf bestreitende Angeklagte den Afghanen zum Mord drängen habe wollen, konnte die Staatsanwaltschaft nicht wirklich benennen; vermutlich, so die Anklage, sei es um Rivalitäten im Drogenmilieu gegangen.

Fakt ist aber auch, dass die Anklage im Prinzip nur auf den belastenden Angaben des Afghanen beruhte. Und dass die Aussagen von ihm und auch von weiteren Zeugen in Vorverfahren und Prozess widersprüchlich waren.

Verteidiger: "Es gibt überhaupt keinen klaren Beweis"

RA Herbert Fischer, Verteidiger des Angeklagten, hatte zu Prozessbeginn betont: "Das Ganze ist ein Lügengebäude. Es gibt überhaupt keinen klaren Beweis. Bei den Haftbesuchen des Afghanen sind sogar beide Male die Freundin und der Bruder von diesem dabei gewesen. Dass mein Mandant da zu dem Häftling sagt, er soll bitte seinen Rivalen erschießen, ist sehr lebensfremd."

Bemerkenswertes offenbarte nun am Dienstag auch die Vernehmung des 35-jährigen Kosovaren, der vermeintlich erschossen werden sollte. Dieser meinte gegenüber dem Gericht, er habe "das nicht so ernst genommen", als er davon erfahren habe.

Ebenso bemerkenswert: Burim P. war früher einmal als Vertrauensperson (V-Mann) für die Polizei tätig. Und der Afghane hatte von der vermeintlichen Anstiftung durch Burim P. bei einer eigenen Einvernahme als Beschuldigter erzählt. Es ging dabei um eine Anzeige wegen gefährlicher Drohung - und die Anzeige war ausgerechnet von P. gekommen.

Nach verhältnismäßig kurzer Beratung verwarfen die Geschworenen die Anklage mit 8:0-Stimmen. Der Freispruch ist noch nicht rechtskräftig.

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