Chronik

Gewalt zieht viel zu weite Kreise: Frauenhaus und Männerwelten Pinzgau sensibilisieren gemeinsam

Auch LAbg. Barbara Thöny ergreift zu dem heiklen Thema das Wort. Sie fordert mehr Präventionsarbeit und mehr Personal für die Beratungsstellen.

Für das Umfeld von Betroffenen gilt: Nur nicht wegschauen. SN/sw/pixabay
Für das Umfeld von Betroffenen gilt: Nur nicht wegschauen.

Seit 25. November (Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen) und bis 10. Dezember (Tag für Menschenrechte) finden die "16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen" statt. "Wir sprechen seit Jahren zu der Aktion das Gleiche aus und fordern Verbesserungen. Wird die Gewalt ernst genommen? Meiner Meinung nach nicht genug. Traurig aber wahr, unfassbar und kaum greifbar ist die Gewalt gerade bei uns in Österreich", sagt die Saalfeldener LAbg. Barbara Thöny, Sozialsprecherin der Salzburger SPÖ. "Die erschütternden Zahlen sprechen für sich - es muss endlich gehandelt werden!" Mit Stand 19. November sind es heuer bereits 27 Frauen, die österreichweit ermordet wurden.

Bild: SN/sw/arne müseler
„Unfassbar und kaum greifbar ist die Gewalt in Österreich“
LAbg. Barbara Thöny (SPÖ)

Auch diese Zahlen alarmieren: Im Jahr 2019 gab es laut der Statistik der Gewaltschutzzentren österreichweit 8748 Betretungsverbote - davon 555 in Salzburg. Im Jahr 2020 waren es 11.495 Betretungsverbote, in Salzburg 657.

Thöny: "Wir brauchen dringend zu den bestehenden Angeboten einen Ausbau der Beratungsstellen, Frauenhäuser, Männerberatungsstellen, Gewaltschutzzentren, Schulungen für alle Beteiligten, die in diesen Bereichen arbeiten. Mehr Personal ist gefragt und vor allem mehr Zusammen- und Vernetzungsarbeit zwischen den Beratungsstellen. Es braucht mehr als Plakatkampagnen. Vor allem Präventionsangebote vom Kindergarten beginnend bis in alle Schulformen - und das ehestmöglich. Es muss sich einfach gesellschaftlich auch etwas ändern. Wie kann man ohne Fäuste kommunizieren, was ist Zivilcourage, wo kann ich hingehen, wer kann helfen?"

„Beratung und Betreuung sind vertraulich und anonym“ ¦ Kathrin Gimpl, Frauenhaus Pinzgau SN/sw/privat
„Beratung und Betreuung sind vertraulich und anonym“ ¦ Kathrin Gimpl, Frauenhaus Pinzgau

Eine Anlaufstelle ist das Frauenhaus in Saalfelden, aktuell wohnen dort vier Frauen und vier Kinder. Ein Platz ist noch frei, im Mai wird dann in einen Neubau übersiedelt. Kathrin Gimpl schildert: "Wir bieten einerseits eine geschützte Unterkunft mit Beratung und Begleitung für Frauen, die aufgrund der erlebten Gewalt nicht mehr zu Hause wohnen können. Andererseits können Frauen auch zur ambulanten Beratung kommen. Die Frauen können sich rund um die Uhr über den Frauennotruf Innergebirg (0664/500 68 68) an das Frauenhaus wenden. Frauen, die oft jahrelang schwere Gewalt erlebt haben und mitunter mit dem Tod bedroht wurden, brauchen die Beratung und Unterstützung."

Da der neuerliche Lockdown von vielen Menschen als sehr belastend und schwierig empfunden werde, kommt ein dringender Appell vom Frauenhaus: "Es ist leider so, dass die Belastungen und Unsicherheiten, denen wir alle durch Corona jetzt ausgesetzt sind, oft auch zu einem Anstieg von familiärer Gewalt gegen Frauen und Kinder führen. Hierzu muss erwähnt werden, dass besonders die psychische Gewalt oft übersehen wird. Sollten Sie oder jemand in Ihrem Umfeld von Gewalt betroffen sein, wenden Sie sich bitte an uns oder an eine andere Frauenberatungsstelle. Die angebotene Beratung und die Betreuung sind streng vertraulich und anonym!"

Bild: SN/sw/privat
„Nur wenige Gewalttäter können von sich aus aufhören“
Wolfgang Czerny, Männerwelten Pinzgau

Eine wichtige Rolle spielt auch die Beratungsstelle Männerwelten. Wolfgang Czerny erläutert: "Gerade der zweite Lockdown hatte einen sprunghaften Anstieg von Betretungsverboten und Wegweisungen im Bezirk zu Folge. Das lässt für die kommende Zeit nichts Gutes erwarten. Wir Männerberater von Männerwelten Pinzgau wollen daher das Bewusstsein schaffen, dass gerade in konfliktbeladenen Beziehungen Zeiten eines Lockdowns zu vermehrten Aggressionen und Gewaltausbrüchen führen können. Wir appellieren eindringlich an alle zum Schutz der Frauen und Kinder um erhöhte Achtsamkeit!" Viele Leute würden nach wie vor glauben, "dass einmalige Gewalttaten die Regel sind und einem die Hand schon mal auskommen darf. Das ist nicht wahr. Gewalttaten sind immer verwerflich. Sie finden in einem Kreislauf statt und wiederholen sich immer wieder. Wenige Gewalttäter können von sich aus aufhören. Daher ist es notwendig hinzusehen und dagegen vorzugehen. Männer, die in Konflikten zu Gewalt als Lösungsstrategie neigen, schlagen damit oft die Frau, die sie lieben", so Czerny.

Sein abschließender Hinweis bei Auffälligkeiten im persönlichen Umfeld: "Wenn du ein guter Freund bist, sprich die Gewalttaten an, verurteile die Taten und mache deutlich, dass dein Freund professionelle Hilfe braucht. Motiviere ihn nachhaltig sein gewalttätiges Verhalten zu ändern. Als Männerberater sind wir zur Stelle, unterstützen Gewalttäter dabei die Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen und zeigen friedliche Konfliktlösungsstrategien und ein gewaltfreies Verhalten auf. Damit kommen wir unserem Auftrag und Selbstverständnis nach, an einer gewaltfreien Gesellschaft mitzuarbeiten, zum Schutz der Frauen und Kinder."

Wichtige Kontaktdaten

Frauenhaus Pinzgau
Telefon: 06582/743021
FrauenNOTRUF Innergebirg rund um die Uhr: 0664/500 68 68
frauenhaus@sbg.at

Männerwelten Pinzgau
pinzgau@maennerwelten.at oder wolfgang.czerny@jaw-salzburg.at
Tel: 0664/8000 6 8039

"Frauenhelpline" gegen Gewalt: 0800 222 555

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