Chronik

Gewitter im Pinzgau und Pongau: Betroffene Täler wieder zu Fuß erreichbar

Nach den Murenabgängen im Oberpinzgau konnten inzwischen die versperrten Wege und Straßen so von Schlamm und Geröll befreit werden, dass man zu Fuß aus den Tälern gelangen kann. Bisher werden keine Personen vermisst oder verletzt

Nach der großen Hitze zog eine Gewitterzelle am späten Freitagnachmittag über den Pinzgau und Pongau. Besonders betroffen waren die Pinzgauer Gemeinden Neukirchen, Bramberg, Mittersill, Hollersbach und Rauris sowie die Pongauer Gemeinde Dorfgastein. 230 Personen waren vorübergehend eingeschlossen. Bereits Freitagabend beruhigte sich die Lage, allerdings war es eine harte Nacht für die Einsatzkräfte. Sie führten die wichtigsten Aufräumarbeiten durch, um provisorische Durchfahrtsstraßen nach den Vermurungen zu schaffen.

"Die Einsätze seitens der Feuerwehr sind alle abgeschlossen", hieß es Samstag in der Früh in der Salzburger Landesfeuerwehrzentrale.

Zehn Personen mit Helikopter ausgeflogen

Samstagvormittag hat Ludwig Fegerl vom Landesgeologischen Dienst bei einem Erkundungsflug keine neuen Gefahrenstellen feststellen können. "Es sind einige Brücken und vereinzelt unbenutzte Stallgebäude und Jagdhütten beschädigt worden, soweit sich das aus der Luft beurteilen lässt", so Manfred Pongruber, stellvertretender Katastrophenschutzreferent der Bezirkshauptmannschaft Zell am See. Beim Helikoptereinsatz wurden insgesamt zehn Personen, die auf der Neuen Fürther Hütte im Hollersbachtal von der Umwelt abgeschnitten waren, ausgeflogen.

Ab Ende kommender Woche wieder befahrbar

Bisher standen 164 Feuerwehrleute aus sieben Gemeinden im Einsatz, die auch während der Nachtstunden versuchten, die Straßen wieder passierbar zu machen. "Bis Ende der kommenden Woche sollen das Ober- und das Sulzbachtal sowie das Habachtal wieder mit allen Fahrzeugen befahrbar sein", so Pongruber. Etwas länger wird es im Hollersbachtal dauern, das am stärksten von den Murenabgängen betroffen ist.

Notzufahrt zu Kläranlage im Gasteinertal

Im Gasteinertal traten nach dem gestrigen Starkregen die Ache und der Bernkogelbach bei Dorfgastein über die Ufer und suchten sich ein neues Bachbett. Die Zufahrt zur Kläranlage des Reinhalteverbands Gasteinertal war dadurch unterbrochen. "Wir haben momentan vier Bagger im Einsatz, um beide Gewässer wieder zurückzuleiten und eine Behelfszufahrt einzurichten", informiert der Pongauer Katastrophenschutzreferent Norbert Passrucker. Am kommenden Montag wird dort gemeinsam mit Experten der Wildbach- und Lawinenverbauung und vom Bundeswasserbau die weitere Vorgangsweise festgelegt.

Samstagvormittag kam die erste Entwarnung

Die Kürsinger Hütte auf 2.558 Metern zählt zu den höchstgelegenen Schutzhütten der Sektion Salzburg des Alpenvereins, sie ist Ausgangspunkt für Touren zum Großvenediger. Samstagvormittag kam von dort Entwarnung: "Es ist nicht so schlimm", erzählt eine Mitarbeiterin. "Wenn die Leute rauswollen, kommen sie raus." Die Mure habe den Fahrweg zwischen Berndlalm und Postalm verlegt, aber die Leute könnten ihn passieren, ein Hüttentaxi hole dann die Leute auf der anderen Seite der Mure ab und bringe sie hinaus aus dem Tal. Die Zufahrt zur Postalm wurde bereits 2006 verlegt, im gleichen Gebiet wie am Freitag.

Alarm in Wald im Pinzgau gegen 17 Uhr

In Wald im Pinzgau trat laut Landesalarm- und Warnzentrale gegen 17 Uhr der Breuergraben über die Ufer, er habe jede Menge Geschiebe und Material mit sich gebracht. Der Graben ist seit August 2021 als tickende Zeitbombe bekannt. Vor einem Jahr war der Bahnhof der Pinzgauer Lokalbahn komplett verwüstet worden. Nun sollen neun Millionen Euro in den Katastrophenschutz investiert werden.

Am Freitagabend gab es vorerst Entwarnung. Der Bürgermeister von Wald, Michael Obermoser, sagte: "Der Breuergraben hat wieder gespuckt." 3000 Kubikmeter Geröll und Schwemmholz sammelten sich im Graben. Doch gröbere Schäden gab es nicht. Der Ortschef hat den Kegel noch am Freitagabend gemeinsam mit der Wildbach- und Lawinenverbauung besichtigt. Am Samstag beginne man mit den Ausbaggerungsarbeiten.

Der für den Katastrophenschutzfonds zuständige Landesrat Josef Schwaiger sagte am Freitagabend, das Provisorium, das im Vorjahr im Breuergraben errichtet worden sei, habe standgehalten. "Wenn wir diese Maßnahmen im Breuergraben nicht gesetzt hätten, hätten wir erneut diese Dimension an Schäden wie im Vorjahr", sagt Schwaiger.

Aufräumen war am Freitagabend in Wald wieder angesagt.  SN/blitzlicht brunner
Aufräumen war am Freitagabend in Wald wieder angesagt.

Stockeralm: Hüttenwirtin sagte neuen Gästen ab

In Neukirchen kam es ebenfalls zu Vermurungen, konkret im Untersulzbachtal im Bereich der Stockeralm. Eine Mure schnitt den Weg zur Alm ab. Drei Personen waren dort eingeschlossen. "Hier ist Katastrophenalarm, alles ist überschwemmt", sagte die Pächterin Michaela Papenroth den SN am Freitagabend. Auch aus der Luft sei die Hütte aufgrund des Wetters derzeit nicht zu erreichen, heißt es von der Feuerwehr Neukirchen. Das Personal der Stockeralm sei es jedoch gewohnt, dort auch zu übernachten. "Seit 13 Jahren bin ich auf der Alm, aber sowas habe ich noch nie erlebt", sagte Pächterin Michaela Papenroth am Freitagabend. Die SN erreichten sie am Samstagvormittag, sie zeigte sich schon wieder zuversichtlicher. Die neue Hütte habe es nicht erwischt, allerdings die alte. Sie seien mit Aufräumarbeiten beschäftigt, Gästen, die am Samstag gekommen wären, habe sie abgesagt. "Wir sperren erst wieder auf, wenn der Weg gefahrlos begehbar ist."

Video von der Stockeralm

Die Freiwillige Feuerwehr in Mittersill konnte am Freitagabend um kurz vor 20 Uhr wieder einrücken. Mehrere Personen waren im Felbertal in der Nähe des Hintersees eingeschlossen. Vermurungen blockierten Restaurantgästen die Rückfahrt aus dem Tal. Alle Personen konnten mittlerweile jedoch in Begleitung der Einsatzkräfte vom Hintersee zurückkehren, heißt es von der Freiwilligen Feuerwehr Mittersill.

Auch in Bramberg musste die Feuerwehr 60 Personen bei einer Alm evakuieren. Insgesamt waren am Abend im Oberpinzgau durch Murenabgänge 230 Personen vorübergehend über die Straße nicht erreichbar.

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