Chronik

Glocknergebiet: Junges Urlauberpaar überlebte zwei Nächte im Notbiwak

Glückliches Ende einer hochalpinen Tour für ein junges Urlauberpaar samt Hund aus Deutschland im Glocknergebiet. In Summe wird heuer die Salzburger Bergrettung deutlich stärker gefordert als im Vorjahr.

"Sie waren hungrig, leicht unterkühlt und froh, wieder im Tal zu sein", berichteten am Mittwochvormittag Bergretter und Alpinpolizisten einhellig nach der Bergung eines jungen deutschen Paares aus einer Notlage. Der 29-jährige Urlauber und seine 26-jährige Begleiterin aus dem Raum Dresden waren mit ihrem Hund, einem Collie-Mischling, vor zwei Tagen bei einer hochalpinen Tour von der Schwarzenberghütte in Ferleiten in Richtung Gruberscharte im Glocknergebiet aufgebrochen. "Sie haben die erste Nacht in 3100 Meter Seehöhe im Notbiwak unterhalb der Gruberscharte verbracht und wollten am Dienstag zur Klocknerin. Aufgrund der Schneelage und des schlechten Wetters haben sie sich nicht über die Scharte getraut und mit ihrem Hund eine zweite Nacht im Notbiwak verbracht", sagte ein Alpinpolizist. Das sei eine richtige Entscheidung gewesen, so der Beamte. Das Paar habe bis auf zwei Liter Wasser und ein paar Müsliriegel keine weiteren Nahrungsmittel dabei gehabt. Am Mittwoch in der Früh verständigten die Urlauber über Handy das Rote Kreuz und schilderten ihre Notlage.

"Zum Glück hat es ein Nebelloch gegeben und wir haben mit dem Polizei-Hubschrauber fast bis zu diesem Biwak fliegen können", erzählte Pilot Clemens Tschinkel. Wenig später landete der Helikopter mit dem Paar samt Hund in Kaprun.

"In diesem Fall ist alles gut ausgegangen", sagte Maria Riedler, ehrenamtliche Pressereferentin der Bergrettung. Doch heuer habe es im Vergleich zum Vorjahr bereits eine deutliche Steigerung von Alpinunfällen in Salzburg gegeben. "Wir mussten heuer bislang schon 22 Bergtote bergen, im gesamten Vorjahr waren es 23. Dazu kommen noch jene Fälle, bei denen Verletzte später im Krankenhaus sterben oder von der Polizei ohne Mitwirkung der Bergrettung geborgen worden sind." In Summe seien heuer rund 3200 Bergretter in Salzburg mehr als 8000 Stunden im Einsatz gestanden, um etwa 500 Stunden länger als im gesamten Vorjahr.

Doch nicht nur im hochalpinen Bereich komme es laut Riegler zu Unfällen, vermehrt würden die Retter auch auf sogenannte Wanderberge gerufen. "Ob Gaisberg oder die Ausflugsberge im Salzkammergut und im Pongau. Hier erklärt sich die Zunahme mit dem Wanderboom im heurigen schönen Sommer", sagte Riedler. Auch zahlreiche Mountainbiker befänden sich nach Stürzen unter den Geborgenen. "Das ist für uns eine neue Tendenz, da hat es beispielsweise in Saalbach schon Tage gegeben, an denen unserer Bergrettungsleute gleich drei Mal wegen Radler ausrücken mussten", so Riedler.

"Es fehlt meist an der eigenen Verantwortung"

Der Berg- und Wandersport in Salzburg boomt. Ebenso steigt die Zahl der alpinen Unfälle. Die Bergrettung verzeichnet heuer bereits 22 Bergtote. Maria Riedler, ehrenamtliche Pressereferentin der Bergrettung im SN-Interview:


Warum häufen sich heuer die Alpinunfälle?
Riedler: Zum einen hatten wir einen schönen Sommer, schöne Gegenden sowieso. Dass es viele Menschen und natürlich auch Urlauber in unsere Berge zieht, ist verständlich und zu begrüßen. Doch die Zahl der Unfälle müsste nicht so hoch sein, denn oft fehlt es an der Eigenverantwortung.

Inwiefern?
Viele Rettungs- und Sucheinsätze wären vermeidbar, wenn die Leute am Berg zuvor Nachrichten hinterlassen, wo und wann sie unterwegs sind. Unbedingt wichtig ist auch, sich vor einer alpinen Tour über die Wetterentwicklung zu informieren und eine Tour auch richtig, abhängig von der Kondition und Ausrüstung sorgfältig zu planen. Wir wollen niemand an den Pranger stellen, aber manchmal wissen Wanderer oder Bergsteiger gar nicht, wo sie sich befinden. Oder sie gehen in Turnschuhen auf einen Gletscher oder mit Flipflops auf den Untersberg.


Ist die Salzburger Bergrettung auf diese Entwicklung vorbereitet?
Wir haben rund 1400 aktive Bergrettungsleute und viel Nachwuchs. Gefordert sind vor allem Ortsstellenleiter, um eine 24-Stunden-Bereitschaft der ehrenamtlichen Bergretter gewährleisten zu können.

Aufgerufen am 22.09.2018 um 10:45 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/glocknergebiet-junges-urlauberpaar-ueberlebte-zwei-naechte-im-notbiwak-17149768

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