Chronik

Gneiser Pfarrer auf neuem Weg

Am Sonntag hielt er seinen letzten Gottesdienst und eine Taufe. Damit kehrt er der Kirche den Rücken zu und eröffnet eine eigene Praxis.

Vor 16 Jahren ist der Villacher aus Wien nach Salzburg gekommen. Erst war Heiner Schmidt (54) zwei Jahre evangelischer Pfarrer in der Christuskirche. Am Erscheinungstag dieser Ausgabe ist sein letzter Tag als Pfarrer angebrochen.

Der Vater von fünf Kindern zwischen drei und 30 Jahren wohnt in Gneis. 1999 bis 2001 machte er die Ausbildung zum Lebens- und Sozialberater, war seit 2002 in mehreren Beratungsstellen - wie etwa dem Männerbüro - in Salzburg aktiv - bis ihm alles zu viel wurde und er ein Burn-out erlitt. "Ich bin mit 78 Stunden Arbeit pro Woche in die Mühle hineingeraten", sagt er. Im Recollectiohaus in Schwarzach/Münster bei Würzburg holte er sich in drei Monaten bei Anselm Grün wieder Kraft für den Lebensalltag. Nach dem Dienstrecht wurde ihm nun nur noch die "kirchliche Arbeit" zugedacht. Damit blieb für die Seelsorge wenig Zeit.

Im April 2017 machte Schmidt einen Lehrgang an der Uni Innsbruck mit dem Thema "Kirche erfinden an neuen Orten". "Ich bin selbst zu meinem Projekt geworden", sagt er, und "ich hatte keine Wahl, ich musste aus dem kirchlich-schulischen Korsett heraus, das mir keinen Spielraum ließ."

Das war ein schwieriger Schritt für den Familienvater. Die Reaktionen in seiner Kirchengemeinde waren unterschiedlich, meist herzlich. Er hörte: "Es tut weh, dass Sie gehen" oder "Warum tun Sie uns das an?" Doch seine Nachfolge ist gesichert, seine Agenden übernimmt nahtlos Karin Kirchtag aus Nonntal.

Der Weg von Heiner Schmidt als diplomierter Lebens- und Sozialberater mit Gewerbeschein führt nach einem Urlaub in Kroatien in die Praxis für Beratung, Coaching und Supervision nahe dem Kommunalfriedhof. "Ich werde von da aus Menschen begleiten, ihnen den Leidensdruck nehmen und hoffe, dass es ihnen mit Gesprächen und Körperarbeit besser geht." Jetzt kann er sein Familienleben und Kirche trennen. "Für mich ist es ein Weitergehen, ein logischer Schritt meines Weiterkommens."

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