Chronik

Gratis Glühwein für treue Gäste

Immer mehr Salzburger Lokale bieten jetzt Essen zur Abholung und Lieferung.

Fuxn-Wirt Johannes Absmann: „Bei uns liefert ein Kellner.“ Bild: SW SN/sw/sw
Fuxn-Wirt Johannes Absmann: „Bei uns liefert ein Kellner.“ Bild: SW

Corona-Aufkochen. Der Not gehorchend, bieten immer mehr Gastronomen Essen zum Abholen oder Liefern an. Auf dem Gastroportal www.restaurant.info findet man die Betriebe.

Die Volkswirtschaft Fuxn im Stadtteil Schallmoos erlebte im Lockdown zuletzt einen wahren Gansl-Hype. Man habe 93 Gänse gebraucht, schildert Wirt Johannes Absmann, das Vierfache der Vorjahresmenge. Dem Bauern seien die auf der Weide gehaltenen Gänse ausgegangen. Inzwischen hat das Wirtshaus 60 Stück Enten geordert. Anders als die meisten Mitbewerber, liefert das Fuxn das Essen selbst: Jeweils einer der in Kurzarbeit befindlichen Kellner bringt die vakuumverpackten Mahlzeiten bis zur Tür. "Dank der Staatshilfen und weil das Sommergeschäft ganz gut war, haben wir noch niemandem gekündigt", sagt Absmann. "Unter dem Strich ist es heuer natürlich ein Katastrophenjahr. Da rede ich gar nicht vom Gewinn, sondern davon, wie lange wir so noch überleben."

Wie rasch Geschäfts- und Lebenspläne über den Haufen geworfen werden, erlebten auch die beiden Jung-Gastronomen Max Altweger und Philippe Sommersperger. Kurz nach der Neuübernahme des Wastlwirts in Maxglan mussten sie gleich wieder zusperren: erster Lockdown und nun der zweite. Wieder stehen die beiden in der Küche, hoffen auf die treue Maxglaner Bevölkerung. "Wir haben jetzt zu kämpfen, wir verdienen jetzt nichts. Aber wir wollen für unsere Kunden und Gäste präsent sein", sagt Max Altweger.

Durchhalten und zusammenhalten, das erzeugt Widerstandskraft. Und so liefert der Wastlwirt im Umkreis von 2,5 Kilometern auch aus und kredenzt Selbstabholern bei der Ausgabe im Garten ein Glas Glühwein - zum Trost für das ganze Sicherheits-Pipapo und den mühseligen Corona-Alltag. Über die Food Ninjas kann man sogar bis 21.30 Uhr Essen ordern.

Seit einer Woche ist auch die Trumerei im Stadtwerk Lehen bei den Fahrraddiensten Lieferando und Mjam gelistet. Normalerweise kämen fixe Belegschaften zum Mittagsmenü, jetzt seien die Straßen leer, auch die Studenten der geschlossenen PMU fehlten, sagt Werner Fünfleitner, der mit Partner Aleksandar Joncic das Lokal betreibt. "Momentan halten wir noch durch. Corona macht es für die Gastronomen aber schwer."

Kochen zur Abholung sei nur "ein bisschen ein Einkommen", erläutert Fachgruppenobmann Ernst Pühringer. "In erster Linie ist es eigentlich eine Beschäftigungstherapie." Auch Pühringers Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Im günstig gelegenen Gasthaus Hölle im Nonntal holen sich meist Einheimische und Anrainer das Essen to go. Praktisch kein Gastronom glaubt übrigens, dass es am 6. Dezember normal weitergeht. Wahrscheinlicher sei ein Wiederhochfahren kurz vor Weihnachten, "rund um den 20. Dezember", glaubt Pühringer.

Die Regierung ersetzt bekanntlich bis zu 800.000 Euro Umsatz. Das helfe. Echte Großbetriebe in der Innenstadt kämen damit aber nicht durch, weiß Pühringer. "Die machen im Weihnachtsgeschäft im November normalerweise locker bis zu 1,5 Millionen Euro Umsatz."

Und die Disziplin im Lockdown? Ist bis auf ein paar schwarze Schafe ähnlich wie beim Rest der Bevölkerung. Zwölf Prozent der Betriebe haben im ersten Shutdown laut Standesvertretung die Beschränkungen missachtet. Pühringer bekommt auch jetzt Beschwerden. So kritisierten deutsche Gäste, "dass in einem Restaurant in der Altstadt weder der Wirt noch der Kellner eine Maske getragen haben".


Aufgerufen am 16.01.2021 um 01:56 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/gratis-gluehwein-fuer-treue-gaeste-96171964

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