Chronik

Grödig sucht Lösungen aus der Verkehrsmisere

80 Prozent des Verkehrs in Grödig sind hausgemacht, zeigt eine Zählung. Dennoch führt der Durchzugsverkehr zu großen Problemen. An Lösungen wird gearbeitet und die Bürger bringen sich ein. Es gibt erste Erfolge.

Verkehrsexperte Klaus Schlosser stellte die Ergebnisse der Verkehrszählung in Grödig vor. Die „Überparteiliche Verkehrsplattform“ hatte zur Diskussion in der Aula der NMS eingeladen. SN/sw/fink
Verkehrsexperte Klaus Schlosser stellte die Ergebnisse der Verkehrszählung in Grödig vor. Die „Überparteiliche Verkehrsplattform“ hatte zur Diskussion in der Aula der NMS eingeladen.

Rund 100 Grödiger kamen am Mittwoch der vergangenen Woche in die Aula der NMS Grödig, um über Wichtigeres als das Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft zu diskutieren.

12.000 Fahrzeuge wälzen sich täglich durch das Zentrum von Grödig. Die Bevölkerung der Gemeinde am Fuß des Untersberges leidet unter der steigenden Verkehrsbelastung. Vor einem Jahr gründete sich eine "Überparteiliche Verkehrsplattform", die in kurzer Zeit 500 Unterschriften sammelte und gemeinsam mit der Marktgemeinden an Lösungen arbeitet.

"Wir sind glücklich, in einem Jahr doch einiges weitergebracht zu haben", verwies Monika Kriechbaum von der Verkehrsplattform beim Diskussionsabend auf Maßnahmen wie die 40-km/h-Beschränkung in Fürstenbrunn oder die Aufstellung von mobilen Geschwindigkeitsanzeigen. "Für ein Verkehrskonzept braucht es eine entsprechende Basis."

Dafür hat die 7200-Einwohner-Gemeinde mit einer Verkehrszählung durch den Tiroler Experten Klaus Schlosser gesorgt, der die Ergebnisse in der Aula präsentierte. "Wir haben Zählungen an allen wichtigen Punkten gemacht und auch die Autokennzeichen ausgewertet", so Schlosser. Ein überraschendes Ergebnis: 80 Prozent des Verkehrs in Grödig sind Ziel- und Quellverkehr bzw. Fahrten von und zur Arbeit, nur 20 Prozent entfallen auf den Durchzugsverkehr. Allerdings steigt der Anteil des Durchzugsverkehrs im Zentrum von Grödig auf 33 Prozent, was 4000 Fahrzeugen entspricht, in Richtung Moosstraße (Stadt Salzburg) steigt er sogar auf 41 Prozent, in Fürstenbrunn beträgt er nur mehr fünf Prozent.

"Wir waren einigermaßen ernüchtert zu sehen, dass 80 Prozent des Verkehrs Marke Eigenbau sind", so Bürgermeister Richard Hemetsberger (parteifrei/ ÖVP). Hingegen spricht Wolfgang Sonntagbauer von der Verkehrsplattform von einer verheerenden Situation: "Wenn im Ortszentrum 33 Prozent Durchzugsverkehr sind, ist das eine horrende Zahl. Wir ersticken im Verkehr, man kann am Marktplatz nicht sitzen." Dazu komme, dass die Fürstenbrunner oder Glanegger auf dem Weg zur Autobahn ebenfalls durch den ganzen Ort fahren müssten.

Jedenfalls will man in Grödig auf Grundlage der Daten bis Spätherbst ein Grundkonzept erstellen. Auch der öffentliche Verkehr solle evaluiert und verbessert werden, verspricht Bürgermeister Hemetsberger. Ein wesentlicher Schritt dazu ist die Verlängerung der Obuslinie 5, die ab der Birkensiedlung im Batteriebetrieb bis zur Untersbergseilbahn geführt wird. Der Probebetrieb dazu beginnt im Frühjahr 2019. "Das ist ein Meilenstein, mit dem man viel erreichen kann", so Verkehrsexperte Klaus Schlosser.

Die Gemeinde setzt aber auch auf Geschwindigkeitsbeschränkungen, bauliche Maßnahmen wie Fahrbahnteiler, neue Fußgängerübergänge und Straßenmarkierungen. "Wir müssen das Durchfahren durch Grödig unattraktiv machen", ist Bgm. Hemetsberger überzeugt. Auf der Landesstraße im Ortszentrum wurde mittlerweile eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 km/h verordnet. In Fürstenbrunn gilt bereits ein 40er. Die Verkehrsplattform fordert zwischen Glanegg und Fürstenbrunn eine 70-km/h-Beschränkung. "Dort darf man jetzt noch 100 fahren", so Monika Kriechbaum.

Eine langfristige Forderung der Verkehrsplattform ist eine Begleittrasse zur Autobahn, um den Durchzugsverkehr umzuleiten. Bürgermeister Hemetsberger sagte eine Prüfung zu, ist aber skeptisch. Eine weitere Autobahnanbindung könnte noch mehr Ausweichverkehr von der Autobahn bewirken. Vizebürgermeister Othmar Danninger (SPÖ): "Wir sind uns in der Gemeinde einig und wollen Lösungen finden. Wir müssen uns auf die Verkehrsexperten verlassen und möglichst schnell ein Verkehrskonzept erstellen." Grödig sei die einzige Umlandgemeinde, die ein 365-Euro-Jahresticket für den öffentlichen Nahverkehr anbiete. "Bis Jahresende werden wir ein großes Stück weiter sein."

Thomas Rewitzer von den Grünen sieht in der Linie 5 eine große Chance für eine Verkehrsentlastung, zusätzlich müsse die Linie 35 aber dringend optimiert werden. "Der öffentliche Nahverkehr muss auch preiswert sein, sonst steigt niemand um."

Monika Kriechbaum wünscht sich ein attraktives Ortszentrum mit Einkaufsmöglichkeiten im Ort: "Man muss das Rad nicht neu erfinden, sondern kann sich Beispiele in anderen Gemeinden anschauen."

In die Diskussion brachte sich auch Alfred Schweighofer aus Fürstenbrunn ein. "Mich stört, dass der 40er in Fürstenbrunn erst nach der Bushaltestelle beginnt. Ein 50er, der kontrolliert wird, wäre besser, da müssten die Autofahrer nicht runterschalten." Eine Autobahnbegleittrasse hält er für eine Träumerei. Besonders ärgert ihn, dass Eltern, die ihre Kinder zur Schule oder zum Kindergarten bringen, auf dem Zebrastreifen oder auf dem Gehsteig mit dem Auto stehen bleiben.

Karl Gasser aus Glanegg tritt für eine Begleittrasse ein. "Das betrifft auch Wals und die Moosstraße." Günther Marchner von den Grünen hob die Notwendigkeit der Alternativen zum Auto hervor. "Die Raumordnung in der eigenen Gemeinde darf man auch nicht vergessen, denn neue Wohnungen und Betriebe verursachen zusätzlichen Verkehr", so Marchner

Ins Abseits gestellt sieht Peter Gugl den Ortsteil St. Leonhard: "St. Leonhard wird leider überhaupt nicht berücksichtigt." Vizebürgermeister Manfred Jenni (ÖVP) pflichtet ihm bei: "Der Lkw-Verkehr aus Hallein ist in St. Leonhard wirklich grausam. Es sollte ein Fahrverbot wie im Salzkammergut geben." Generell wurde beklagt, dass auch auf den Nebenstraßen zu schnell gefahren werde. Mehr Rücksichtnahme zwischen den Verkehrsteilnehmern wurde eingefordert, auch zur Sicherheit der Grödiger Kinder.

Aufgerufen am 10.12.2018 um 01:20 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/groedig-sucht-loesungen-aus-der-verkehrsmisere-30430387

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