Chronik

"Gute Mitarbeiter fallen nicht vom Himmel"

Unternehmen finden immer schwerer gut ausgebildete Mitarbeiter. Viele Stellen bleiben lange Zeit unbesetzt. Was macht Unternehmen attraktiv?

Die Rahmenbedingungen und die Unternehmenskultur sind ein Gesamtpaket, damit gute Leistung und motivierte Mitarbeiter gefunden werden“, so Geschäftsführer Christian Kappacher.  SN/sw/lorenz masser
Die Rahmenbedingungen und die Unternehmenskultur sind ein Gesamtpaket, damit gute Leistung und motivierte Mitarbeiter gefunden werden“, so Geschäftsführer Christian Kappacher. 

"Wir haben mittlerweile eine große Nachfrage nach Fachkräften quer durch alle Branchen," so der Leiter des AMS in Bischofshofen, Thomas Burgstaller. "Es ist in der Zwischenzeit schon einfacher, neue Kunden oder Gäste zu gewinnen als gute Mitarbeiter", meint auch Josef Felser von der Wirtschaftskammer im Pongau.

Doch es gibt auch Beispiele von Unternehmen, die andere Wege gefunden haben, um für hoch qualifizierte Arbeitnehmer attraktiv zu sein. "Es ist natürlich besonders für uns im ländlichen Bereich eine Herausforderung, immer gute Leute im IT-Bereich zu finden", sagt Christian Kappacher, Vorsitzender der Geschäftsführung der Firma Eurofunk Kappacher, "da viele lieber urbane Zentren vorziehen."

Kappacher hat auch deshalb Büros in Ballungszentren geschaffen, wo Studenten von Fachhochschulen direkt über Praktika für die Firma gewonnen werden. "Wir haben auch eine eigene Mitarbeiterin, die nur auf Jobmessen unterwegs ist."

Sehr wichtig für die Motivation der Mitarbeiter seines Unternehmens sei jedoch das gute Arbeitsumfeld samt topmodernen Büros, Bistro, Cafeteria, Fitnesszentrum, sechs Powernapping-Räumen und vielen außergewöhnlichen Pausenräumen, "weil unsere Mitarbeiter doch einen Großteil ihrer Zeit hier im Haus verbringen". Aber darüber hinaus seien eine flexible Arbeitszeitgestaltung, Heimarbeit, kostenlose Fortbildungsprogramme, auch für Berufseinsteiger und Schulabgänger, oder eine eigene Lehrlingswerkstätte für den Erfolg ausschlaggebend.

2017 wurde Kappacher zum "Unternehmen des Jahres" oder "Besten Lehrlingsbetrieb" ausgezeichnet. "Wenn möglich, lassen wir unsere Mitarbeiter auch ihre ehrenamtlichen Funktionen ausüben. Für Ausbildungen in diesem Bereich bekommen sie zusätzlich zwei Tage Freistellung." So gab es vom Österreichischen Bundesfeuerwehrverband auch die Auszeichnung als "Feuerwehrfreundlicher Arbeitgeber".

Laut einer neuen Erhebung von Suite&Co bei mehr als 800 Fachkräften, 50 Personalern und Headhuntern sind die Nähe zum Wohnort, ein Umgang auf Augenhöhe und ein ehrliches Danke vom Chef wichtig: Fachkräfte wollen keine Extravaganz, wenn es um Benefits, Arbeitgeberattraktivität oder um Mitarbeiterbindung geht. So soll vor allem das Thema "Leben und Arbeit" von Anfang an aufeinander abgestimmt und vereinbar sein.

Die Unternehmen müssen sich permanent Lösungen einfallen lassen, um weiterhin an gut ausgebildetes Personal zu kommen - zum Beispiel über gute Gehälter, flexible Arbeitszeiten, angenehmes Betriebsklima oder attraktive Konditionen für ihre Mitarbeiter.

"Personalmanagement zählt zu den wichtigsten Führungsaufgaben", betont Josef Felser. "Für die Arbeitszufriedenheit haben das Betriebsklima, die Unternehmenskultur, die Einbindung in den innerbetrieblichen Informationsfluss, klare Zuständigkeiten und die Möglichkeit, sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen, zentrale Bedeutung."

Dass sich die Situation aber allein aufgrund der demografischen Entwicklung nicht wesentlich ändern werde, darauf verweist der Arbeitsmarktservice- (AMS)-Chef Burgstaller: "Auf Ausbildung zu setzen, wird immer wichtiger. Wir bieten dazu auch eine Impulsberatung für Unternehmen sowie Lehr- oder Qualifizierungsprogramme für junge Erwachsene an."

"Betriebe müssen sich dafür verantwortlich fühlen, den Facharbeiternachwuchs auch selbst auszubilden", betont der Leiter der Arbeiterkammer (AK) in Bischofshofen, Martin Goller: "Gerade internationale Konzerne gehen oft davon aus, dass ihnen der Arbeitsmarkt geeignete Facharbeiter ,liefert', was halt so ohne Weiteres nicht der Fall ist. Zudem gibt es auch Unternehmen, die schlichtweg nicht bereit sind, das gesetzlich vorgeschriebene Feststellungsverfahren für Betriebe, die erstmals einen Lehrling in einem gewissen Lehrberuf ausbilden, zu durchlaufen. Dieses Verfahren dauert rund eine Stunde und dabei wird evaluiert, ob im jeweiligen Betrieb die Voraussetzungen für die jeweilige Lehrausbildung erfüllt sind. Es gibt Betriebe, die dieses Verfahren einfach verweigern und den vorher gestellten Antrag auf Ausbildungsberechtigung für Lehrlinge wieder zurückziehen - da denke ich mir dann, dass in diesen Fällen der Fachkräftemangel nicht sehr groß sein kann."

Dazu komme, dass viele Lehrberufe durch jene Bilder geprägt seien, "die die Eltern bei gewissen Berufen noch im Kopf haben, die aber so schon lange nicht mehr der Realität entsprechen", meint Goller. "Das Image der Lehre ist aus vielfältigen Gründen über Jahrzehnte schlechtgemacht worden. Viele Eltern möchten, dass ihre Kinder die schulisch höchstmögliche Ausbildung absolvieren."

Dabei würden sie aber oft vergessen, dass "das Beste" nur dann erreicht wird, wenn Kinder jene Ausbildung wählen, die ihren Neigungen entspricht. "Und das ist ebenso verschieden, wie Menschen halt sind." Für jeden passt etwas anderes. Aus diesem Grund gebe es etwa auch die "Generationenhandwerkstatt" im TAZ Mitterberghütten, wo Kinder und Jugendliche ihre handwerklichen Fähigkeiten in Elektro- und Metallberufen erkunden können.

Quer durch die Länder gibt es zunehmend auch einen Engpass beim Pflegepersonal. Noch ist hier beispielsweise das Klinikum Schwarzach davon wenig betroffen, doch mit einer kommenden Pensionierungswelle rechnet man auch dort mit einer Verschärfung der Situation. Umso wichtiger sei es, in Schwarzach auch weiterhin Pflegekräfte in allen Ausbildungsstufen ausbilden zu können, betont man seitens der Klinikum-Führung. Um dies abzusichern, wird es künftig auch eine Kooperation mit der FH Salzburg geben.

"Ein Schlüsselfaktor ist der wertschätzende Umgang mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern", meint der Geschäftsführer des Klinikums Schwarzach. "Auf dieser Basis bieten wir jungen Menschen eine zukunftssichere Ausbildung und legen zugleich großen Wert darauf, auch ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fit und gesund im Unternehmen zu halten."

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Schöne Heimat

weiterhin winterlich

Von Martina Knapp
02. Dezember 2021
Bad Gastein Elisabethpromenade

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